Für einen dauerhaften und erfolgreichen Betrieb des Havelberger Krankenhauses optimiert die KMG derzeit Strukturen und Prozesse. Das hat Einschnitte beim Personal zur Folge. Ziel ist es, gemeinsam mit den Mitarbeitern die Zukunft des Hauses zu sichern. Der Neubau wird am 16. Dezember eröffnet.

Havelberg l "Die KMG nimmt ebenso wie das Land Sachsen-Anhalt mehrere Millionen Euro für den Neubau und die Modernisierung des Krankenhauses in die Hand. Dass das Haus geschlossen werden soll, ist nichts anderes als ein Gerücht", versichert der Vorstandsvorsitzende der KMG Kliniken Stefan Eschmann am Dienstag im Gespräch mit der Volksstimme. Wie gestern kurz berichtet, hatte es mehrere Anrufe von besorgten Lesern in der Redaktion gegeben.

Momentan mehr Mitarbeiter als benötigt

Vielmehr würden derzeit Strukturen und Prozesse überarbeitet, um die betriebswirtschaftliche Führung des Krankenhauses auch in der Zukunft zu gewährleisten. Dies sei zeitgemäß und in jedem vergleichbaren Krankenhaus zu finden, das vernünftig funktioniert. Dazu habe die Leitung innerhalb der KMG und mit anderen Krankenhäusern Vergleiche angestellt. "Wir drehen dabei an vielen Stellschrauben, schauen uns alle Bereiche an, einschließlich des Personalbereichs. Dies ist unumgänglich, denn wir haben mehr Pflegepersonal, als das Krankenhaus benötigt", erklärt Stefan Eschmann.

Mit allen Mitarbeitern wurde gesprochen. "Unser Ziel ist es, nicht die Anzahl der Mitarbeiter zu reduzieren, sondern die Stundenzahl", betont Verwaltungsdirektorin Diana Möller. Der Vorschlag, dass jeder Mitarbeiter wöchentlich auf sieben Stunden Arbeitszeit verzichtet, wurde angenommen. Für jeden Mitarbeiter wurde ausgerechnet, auf wie viel Gehalt er durch die neue Regelung verzichtet, aber auch, wie viel er bekäme, ginge er in die Arbeitslosigkeit. Dass das Angebot angenommen wurde, wertet die Klinikleitung als Zeichen von großer Kollegialität und dafür, "dass die Mitarbeiter mit uns gemeinsam diesen Weg in eine sichere Zukunft gehen wollen", so Diana Möller. Geht der Personalbedarf perspektivisch wieder hoch, würden für alle Mitarbeiter gleichermaßen die Stunden erhöht. Niemand werde benachteiligt. Die Bezahlung erfolgt nach dem Konzerntarifvertrag.

Für zwei Mitarbeiter wurden innerhalb der KMG Kliniken neue Arbeitsplätze gefunden, zwei wurden in Havelberg vermittelt. "Zwei weiteren Mitarbeitern konnten wir bisher leider keine Perspektive anbieten", bedauert der Vorstandsvorsitzende. Der Klinikleitung sei es jedoch wichtig, zeitgemäße Strukturen zu schaffen, die das Krankenhaus am Standort Havelberg dauerhaft sichern. Dazu gehört es zum Beispiel auch, in belegungsschwächeren Zeiten Stationen interdisziplinär betreiben zu können. Also Innere und Chirurgie etwa als eine Station zu bewirtschaften. "Natürlich bei völlig gleicher Qualität in der Pflege", so Diana Möller. In Teilen wurden in diesem Jahr schon neue Strukturen umgesetzt. ITS und Notaufnahme arbeiten bereits zusammen.

Am 16. Dezember wird der Neubau eröffnet

"Unser Ziel ist die fach- und sachgerechte medizinische Versorgung unserer Patienten. Dafür entwickeln wir uns medizintechnisch auch immer weiter und es sind viele Aktivitäten im Gange, über die wir zur Eröffnung des Neubaus sprechen werden", macht der Vorstandsvorsitzende neugierig auf den 16. Dezember. Damit an dem Tag der Neubau übergeben werden kann, haben Bauleute verschiedener Gewerke zum Endspurt angesetzt. Der Fußboden ist drin, die Maler sind fast fertig, auch die Elektriker erledigen noch Arbeiten. "Nächste Woche kommen die Möbel", blickt Diana Möller voraus. Chirurgie und Innere Medizin werden als erste Stationen in den Neubau einziehen, später dann die ITS.

Die Fassade auch des Altbaus ist zur Straßenseite hin bereits neu. Im nächsten Jahr geht es dann an die Modernisierung des Altbaus. Während der Bauphase wird die Zahl der Betten von normalerweise 80 temporär auf 50 runtergefahren, um bei laufendem Betrieb die Sanierung vornehmen zu können. 36 Betten davon befinden sich in dem Neubau. "Wir sind aber jederzeit in der Lage, die Bettenzahl hochzufahren. Es wird nicht dazu kommen, dass wir Patienten abweisen müssen", sagt Diana Möller. Für die Buga wird das Krankenhaus im Rahmen des Sanitätskonzeptes zudem die Notfallversorgung mit übernehmen.

"Wir sind an diesem kleinen Standort in der glücklichen Lage, dass ein Akutkrankenhaus überhaupt noch neu gebaut wird. Das ist vermutlich einzigartig in Deutschland", sagt Stefan Eschmann. Ihm und Diana Möller ist es wichtig, dass jeder die Bedeutung erkennt, hier noch ein Krankenhaus zu haben. Darum bitten sie darum, das Haus nicht schlecht zu reden. Ansonsten wären alle Verlierer: Patienten, die nicht wohnortnah ins Krankenhaus eingeliefert werden könnten, Angehörige, die weite Wege für Besuche in Kauf nehmen müssten, und niedergelassene Ärzte, die Patienten auf weitere Reisen schicken müssten.