Sandau l Sandau wurde im Jahr 1272 bei der Bewilligung des Fährprivilegs durch die Markgrafen Waldemar und Johann Otto erstmals als Stadt erwähnt. Der Ort an der Elbe besaß einst immerhin drei Stadttore, was auf eine entsprechende Bedeutung schließen lässt. Zu einer Stadt gehörte natürlich auch ein Rathaus, welches laut Chronik erstmals etwa im 14. oder 15. Jahrhundert errichtet worden war.

Wie das Gebäude bis zum Dreißigjährigen Krieg aussah, darüber existieren keine Unterlagen mehr, denn 1469 brannte das Haus mitsamt der Stadt nieder. Unterlagen, Privilegien und Briefe waren unrettbar verloren. Erzbischof Friedrich stellte am 6. Januar 1470 neue Urkunden aus.

Auch am 21. April 1695, beim großen Stadtbrand, sank der Sitz der Stadtväter mitsamt der Stadt durch den Leichtsinn zweier Mägde in Schutt und Asche. Bekannt ist lediglich, dass zwei Jahre zuvor ein "bürgerlicher Gehorsam" ans Sandauer Rathaus angebaut wurde - das Gefängnis.

Um nach dem Brand weiterhin Beratungen halten zu können, wurde der Ratskeller provisorisch hergerichtet. Erst 1713 begann der Wiederaufbau, Richtfest war am 18. Dezember 1714. - Es dauert noch vier Jahre, bis das neue Gebäude endlich fertig ist. In einem Verzeichnis öffentlicher Gebäude und Plätze aus dem Jahre 1744 ist "das Rathaus, worunter der Ratskeller" an erster Stelle aufgelistet.

Im Ratskeller hatte der Magistrat (Stadtrat) "ab immemoriali tempore" - also seit undenklicher Zeit - das Monopol auf Weine, fremde Biere und den Salzhandel. Die spartanische Einrichtung bestand aus einem runden und zwei viereckigen Tischen, zwei langen Tafeln, einer Bank mit und vier Bänken ohne Lehne, einer doppelten Bank sowie zehn alten Schemeln. In der Mauer befand sich ein Schrank mit Gewichten für die hölzerne Waagschale.

Auch 1791 war Rathaus reif für eine Sanierung

Im Jahre 1791 verfügte Friedrich Wilhelm II., dass in allen Kavalleriegarnisionen Hafermagazine errichtet werden müssen. Dazu sollte eine Kommission in Sandau ein feuersicheres Haus ausfindig machen - zur Wahl standen am Ende lediglich das Rathaus und die Kirche. Doch war das Rathaus derart verwahrlost, dass es selbst nach größeren Reparaturen kaum 100 Wispel (1 Wispel = 13 Hektoliter) hätte aufnehmen können. Da auch die Kirche wegen ihres beschädigten Gewölbes nicht in Betracht kam, musste ein neues Gebäude am Schleusentor errichtet werden.

Heute lässt das Rathaus erkennen, dass es im Laufe der Jahre oft zerstört und neu aufgebaut wurde. Die jüngste Zerstörung geschah in den letzten Kriegstagen des Jahres 1945, als von amerikanischer Artillerie der Sirenenturm heruntergeschossen und das Haus an der Südseite und der Vorderfront zerstört wurde. Notdürftig wurden die Räume wieder hergerichtet, der Raum für den Bürgermeister und das Sekretariat waren als erstes nutzbar.

Die Stadt war zu 80 Prozent zerstört, weshalb auch im Rathaus eine Wohnung eingerichtet wurde. Der langjährige Gemeindediener Hans Nagel kam hier unter, er gab mit der Handglocke die Nachrichten bekannt. Sogar die Sattlerwerkstatt von Walter Baumgart zog im Rathaus ein und auch die Eierannahmestelle von Emma Zepernick. Weil sie zugleich Getreide ausgab, herrschte eine Mäuseplage im Gebäude.

Bis 1952 diente das Rathaus zugleich als Gerichtsstandort, denn in Havelberg war kein passendes Gebäude vorhanden. Seit dem 31. Oktober 1930 war hier zudem eine Bibliothek untergebracht, jeden Montag war Ausleihe. Zu DDR-Zeiten kamen dann noch Arzt, Frisör und Jugendklub im Haus unter. Von 1991 bis Ende 2009 war hier der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft "Elb-Havel-Land".

Nach dem Auszug des Frisörs im Frühjahr 1993 kam in diesem Raum das Standesamt unter. 1993 wurden Dachgeschoss und Heizung saniert, 1998 folgten die Fenster und der Keller.

Inzwischen ist das Rathaus reif für eine umfassende Sanierung - diverse Risse sowie morsche und abgesackte Balken weisen darauf hin. Eine Bestandsaufnahme erfolgte bereits: Über zwei Millionen Euro sind für die Komplettsanierung notwendig. Das geht aber nur mit Fördergeldern.