Vor 60 Jahren ist der Schönhauser Kindergarten gebaut worden. Das Jubiläum wird ab Montag mit einer Festwoche begangen. Die Einweihung im Dezember 1954 ist Anlass, zurückzublicken.

Schönhausen l Die Kindergarten-Geschiche beginnt schon etwas eher: Im Frühjahr 1935 errichtete der Reichsarbeitsdienst eine acht mal acht Meter große Holzbaracke im Blockhausstil, damals als Kinderhort bezeichnet. Vorher wurden nur im Sommer in einem Raum in der sogenannten Schnitterkaserne in der Märsche Kinder betreut. Die Holzbaracke überstand den Krieg und wurde danach wieder für die Beaufsichtigung der Kinder genutzt. In nur einem Raum, betreut von einer Kindergärtnerin und einer Hilfskraft, waren in der Baracke 40 bis 50 Kinder untergebracht. Ein kleiner Raum, den man kaum Küche nennen konnte, diente zum Kaffeekochen. Ebenso winzig war der Waschraum mit drei Schüsseln. Essen lieferte die Schulküche. Die Eltern bezahlten dafür auch nur 80 Pfennige pro Woche. In den Ferien brachten die Eltern das Mittagessen für ihre Kinder. Das Spielzeug stammte großenteils von Schönhausern, die in den Westen geflüchtet waren. Auch so manche Einrichtungsgegenstände stammten aus diesen beschlagnahmten Haushalten.

Im September 1952 wurde die LPG "Rotes Banner" gegründet. Bis zum Oktober 1954 wuchs die Zahl der Mitglieder auf 242 an, 93 von ihnen waren Frauen und Mütter. Damit stieg der Bedarf an Kindergartenplätzen sprunghaft an.

1953 stellte die Gemeinde im Schloss drei Räume für den Kindergarten zur Verfügung, in zwei Zimmern wurde gespielt, im dritten geschlafen. Doch schnell erwiesen sich die feuchten Räume als ungeeignet und im Frühjahr stand wieder ein Umzug bevor: Im Wohnhaus Breitscheidstraße 8, neben dem heutigen Gerätehaus der Feuerwehr, fanden die Kinder Unterschlupf. Hier gab es drei Gruppenräume, ein Raum war Waschraum und Küche zugleich. Eine Toilette gab es nicht, die Kinder erledigten ihr "Geschäft" auf dem Dunghaufen. Große Gefahren bargen die umliegenden baufälligen Gebäude, so dass die Kindergärtnerinnen mit ihren Schützlingen in den nahegelegenen Park zum Spielen gingen.

Das waren unhaltbare Zustände - es musste also dringend etwas getan werden.

Viele freiwillige Helfer

1953 wurde zum "Jahr der großen Initiative" ausgerufen. Damit mobilisierte man die Massen, mit freiwilligen Arbeitsstunden am "Nationalen Aufbauwerk" (NAW) mitzuwirken, und man hatte in den jungen Jahren der DDR durchaus Erfolge damit. Viele freiwillige Helfer stellten sich zur Verfügung. Mehr als zweitausend Arbeitsstunden wurden geleistet und rund 60000 Mark wurden staatlicherseits zur Verfügung gestellt.

Am südlichen Ortsrand, neben den Mühlenbergen direkt am Wald gelegen, wurde der neue Kindergarten errichtet. Nebenan stand immer noch die alte Holzbaracke. Das neue Gebäude hatte vier große Gruppenräume und einen Hortraum für Schüler bis 14 Jahre.

120 Kinder konnten hier untergebracht werden. Ein gefliester Waschraum und moderne sanitäre Anlagen schafften ordentliche und hygienische Verhältnisse für Kinder und Erzieherinnen. Gekocht wurde nun in der eigenen Küche. Neben einem Büroraum für die Verwaltungsarbeit waren ein Ruheraum und ein Krankenzimmer vorhanden. Vier Erzieherinnen wurden jetzt beschäftigt, bald kam eine fünfte dazu. Eine Köchin mit einer Küchenhilfe, zwei Reinigungskräfte, eine Warthilfe und ein Hausmeister sorgten für den reibungslosen Betrieb des neuen Hauses.

Schlafsaal unterm Dach

Es wurde am 19. Dezember 1954 unter großer Anteilnahme eingeweiht. Über 300 Einwohner kamen mit ihren Kindern zur Feier und natürlich die vielen freiwilligen Helfer, die ihr vollendetes Werk den Kindern übergeben wollten.

Damit war aber die Arbeit noch nicht getan. Auch das Außengelände musste schließlich hergerichtet werden, legte man doch großen Wert auf den Aufenthalt der Kinder im Freien. Sand war genug da, aber ein Spielplatz musste erst hergerichtet werden - wieder halfen viele Freiwillige, den Platz zu planieren und Spielgeräte zu bauen. So entstanden in den nächsten Jahren Schaukel, Rutsche, Wippe, Planschbecken und vieles mehr.

Fünf Jahre nach Eröffnung des Kindergartens betreuten sechs Kindergärtnerinnen rund 100 Mädchen und Jungen. Neben Spiel und Sport - inzwischen wurden Turnsachen und Turngeräte angeschafft - wurden die Kinder durch systematische Bildungsarbeit auf die Schule vorbereitet.

Erste Leiterin des Hauses war Frau Kriesche, dann folgte Elisabeth Scholz. Ingrid Rehfeld leitete den Kindergarten bis Ende 1964, dann Wilma Könnicke bis 1976, dann übernahm Christa Jacobs die Leitung.

1965 wurde das Dachgeschoss ausgebaut. Hier wurde unter anderem ein Schlafraum für zirka 50 Kinder eingerichtet. Der Hausmeister bekam hier eine Wohnung, die 1984 zu einem weiteren Gruppenraum und einem Sanitärtrakt umgebaut wurde. Auch der erste Kühlschrank wurde in dieser Zeit beschafft.

Bis 1968 erhöhte sich die Zahl der Gruppen auf sechs, die von zehn Erzieherinnen betreut wurden.

Ein Jahr später verschwand die angrenzende Aschenkuhle und wurde als Sport- und Spielplatz eingezäunt. Wieder halfen viele freiwillige fleißige Hände in Feierabendarbeit mit. Das brachte dem Kindergarten 1971 den Titel "Kollektiv der sozialistischen Arbeit" ein, auf den die zehn Kindergärtnerinnen und sieben technischen Kräfte stolz waren. Auch die Volksstimme berichtete über diese Auszeichnung.

Anbau schaffte mehr Platz

1975 begann die PGH "Vereinte Kraft" mit einem Anbau. Geschaffen wurden ein weiterer Gruppenraum, ein Waschraum und weitere Toiletten für Kinder und Personal. Auch die lang ersehnte Zentralheizung wurde mit Hilfe des Bürgermeisters Karl Rockhausen eingebaut. Die Kachelöfen hatten ausgedient.

Im Januar 1977 wurde die Vollverpflegung für die Kinder eingeführt. Es gab Frühstück, Mittagessen und zur Kaffeezeit noch eine Nachmittagsmahlzeit. Das ganze kostete 1,15 Mark pro Tag. Auch eine Tiefkühltruhe konnte jetzt beschafft werden. Die Lebensmittel kamen direkt vom Großhandel. Im September 1977 wurde das tägliche Duschen eingeführt. Auf der Freifläche bekam jede Gruppe einen "Garten" mit Gemüse- und Blumenbeet.

1979 besuchten 102 Kinder den Kindergarten. Kostete die Unterhaltung des Hauses Anfang der 60-er Jahre jährlich noch etwa 16000 Mark, so hatten sich die Kosten 1979 mit 30000 Mark fast verdoppelt. In diesem Jahr wurde der Kindergarten auch an die zentrale Wasserversorgung angeschlossen.

Schönhausen war stolz auf seinen Kindergarten, galt er doch als bester im Kreis Havelberg. Die Kindergärtnerinnen hatten immer wieder neue Ideen, ihren Schützlingen den Aufenthalt abwechslungsreich zu gestalten. So gab es "Sandbaufeste", "Verkleidungsfeste" und vieles mehr.

1979, zum 25. Geburtstag, wurde die Einrichtung zum zweiten Mal mit dem Titel "Kollektiv der sozialistischen Arbeit" belohnt. Noch zwei weitere Male gab es diese Ehrung. Aber auch Pflichten wie ZV-Übungen (Zivilverteidigung) wurden auferlegt. Der kalte Krieg trieb auch hier sein Unwesen.

1981 erfolgte der Anbau einer Veranda, sehr zur Freude der Erzieherinnen und der Kinder, wurde der Flur dadurch doch von unangenehmer Zugluft befreit.

Trotz einer siebenten eingerichteten Gruppe reichten die Plätze 1984 auch auf Grund wieder steigender Geburtenzahlen nicht mehr aus. Denn fast alle jungen Frauen waren berufstätig und auf einen Kindergartenplatz angewiesen. Zehn pädagogische und sechs technische Mitarbeiterinnen waren nun hier tätig. Dazu kam noch ein Hausmeister.

Umzug in alte Arztpraxis

Eine ehemalige Arztpraxis, heute Gasthaus "Zur alten Linde", wurde 1984 zur Außenstelle des Kindergartens umgebaut. Vier Gruppenräume, Küche, Sanitärraum, Aufenthaltsraum für das Personal und Nebengelass wurden im August fertig und konnten am letzten Tag des Monats seiner Bestimmung übergeben werden. Drei Erzieherinnen und drei technische Kräfte waren angestellt.

Trotzdem wurde es eng in den beiden Häusern. 1985 nahmen Pläne für einen Neubau Gestalt an. Im Frühjahr 1986 begann die PGH "Vereinte Kraft", direkt hinter dem Kindergarten ein neues Gebäude zu errichten. Geplant war ein zweistöckiges Haus mit vier Gruppenräumen unten und zwei Gruppenräumen sowie einem Mehrzweckraum in der oberen Etage. Dazu kamen Sanitär- und Toilettenräume, Garderoben und ein Büroraum. Kompliziert wurde es, bei laufendem Betrieb einen Übergangsbau vom neuen zum alten Gebäude zu errichten. Die Lösung wurde in zwei Wohnungen im Neubaublock in unmittelbarer Nachbarschaft gefunden. Diese waren vorher von der Kinderkrippe genutzt worden. Ein großer Elektroherd wurde nach einigen Hürden in einer Küche angeschlossen.

Neubau ist 1987 fertig

Nicht unerwähnt bleiben darf die Hilfe von Eltern, Betrieben und Gemeinde. Dadurch konnte nach nur einem Jahr Bauzeit der Neubau und der rekonstruierte Altbau am 14. September 1987 feierlich seiner Bestimmung übergeben werden. 164 Kindern bot das Haus jetzt Platz. 16 pädagogische und zehn technische Kräfte wurden jetzt beschäftigt. Die Bedingungen für die Erzieherinnen und vor allem für die Kinder hatten sich nun erheblich verbessert. Nach 13 Jahren unermüdlicher Arbeit übergab Christa Jacobs am 1. Januar 1989 die Leitung des Kindergartens an Jutta Seydel. Ihr folgten in den kommenden Jahren Ines Wille und Angela Hensche.

Als einer der größten von heute zwölf Kitas im ehemaligen Kreis Havelberg bietet er 140 Kindern Platz. In Zusammenarbeit mit der Grundschule wird auch eine solide Vorschulbildung vermittelt, die die Kinder auf den Wechsel in die Grundschule gleich nebenan gut vorbereitet.

16 Erzieherinnen sind heute im seit 1994 so heißenden "Spatzennest" für die Kinder da, unterstützt werden sie von sieben technischen Mitarbeitern. Amtierende Leiterin ist Anja Marschall-Skuppin. Auch heute ist der Kindergarten wieder zu klein und weist erhebliche bauliche Mängel auf, weshalb die Verbandsgemeinde als Träger einen baldigen Neubau plant. Sobald dafür die Fördermittel genehmigt sind, soll ein neues Nest für die Spatzen gebaut werden.

   

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