Havelberg l Der Weihnachtsmann musste sich gestern erst einmal die Regentropfen von seinem nassen roten Mantel schütteln. Denn der Weg vom Rathaus zur vorletzten Station des Havelberger Adventskalenders war weit. Und der Nieselregen wollte einfach nicht aufhören, was nicht nur aufs Gemüt des guten Alten, sondern auch auf das seines Gefolges schlug. Denn was ist das bloß für ein Wetter kurz vor dem Weihnachtsfest? Wenn schon keine Schneeflocken fallen, dann sollte Petrus doch zumindest auch seine Schleusentore geschlossen halten, fanden die kleinen und großen Begleiter des Weihnachtsmannes.

Doch im Speisesaal des Evangelischen Seniorenzentrum, in dem gestern das 22. Fensterchen geöffnet wurde, kam dann wieder gute Stimmung auf. Die Mitarbeiter der Einrichtung hatten sich nämlich alle erdenkliche Mühe bei der Ausgestaltung des Raumes und beim Decken der weihnachtlichen Tafel mit Stolle, Lebkuchengebäck, Plätzchen, Kakao und anderem mehr gegeben. Sie wurden dafür belohnt. Denn wirklich jeder Platz im Speiseraum des Heimes war besetzt. Einige wenige Gäste standen dazu noch im Eingangsbereich und verfolgten wie alle anderen mit Interesse die gestrige Geschichte, die die Mitarbeiterin Marion Lange und die Heimbewohnerin Wally Eggersttorff gemeinsam herausgesucht hatten und auch im Wechsel vorlasen: "Der kleine Wichtel".

Wally Eggersttorff fand besonders große Freude an dieser Aufgabe. "Ich lebe seit sieben Jahren hier im Evangelischen Seniorenzentrum", erzählte sie im Gespräch mit der Volksstimme, "im Jahr 1947 bin ich in Havelberg gelandet". Alle ihre Kinder sind hier geboren worden, zur Schule gegangen und getauft worden. Auf sie ist sie jetzt zur Weihnachtszeit besonders stolz, meinte die Seniorin, der es im Heim sehr gut gefällt.

Im Anschluss hatte der Weihnachtsmann wieder Schwerstarbeit zu verrichten, denn die Schlange der Kinder, die ihm ein Gedicht aufsagen oder ein Lied singen wollten, war recht lang. Doch in seinem großen Sack befanden sich genügend kleine Gaben.

Am heutigen Dienstag ist wieder Treff am Havelberger Rathaus. Zum letzten Mal in diesem Jahr führt der Weißbart dann um 17 Uhr die Kinder und Erwachsenen zu einer Station des Adventskalenders. Es ist die Buchstation in der Langen Straße, die morgen extra dafür ihre Türen öffnet.