Nach fast 45 Jahren im Beruf hat der Havelberger Manfred Wolf seinen Betrieb abgemeldet. Vor zwei Jahren, im Februar 2013, hatte er auf 30 Jahre Tätigkeit als Handwerksmeister zurückblicken können.

Havelberg l In der damaligen PGH "Wasserversorgung" erlernte Manfred Wolf 1970 den Beruf des Gas- und WasserInstallateurs. Nach der Ausbildung war er dann beim Klietzer Rainer Szizybalski beschäftigt, zu dem er heute noch einen freundschaftlichen Kontakt pflegt. Anfang der 1970er Jahre lernte er seine Gaby kennen und 1976 sagten sie "Ja" zueinander. Es folgte die Zeit bei der NVA, in der Manfred Wolf einen Kraftfahrzeug-Instandsetzungs-Lehrgang absolvierte. "Zu dieser Zeit reifte in mir schon der Entschluss, einmal ein Meister zu sein", erzählt der Senior.

Bereits 1980 begann er sein Meisterstudium, das er 1983 erfolgreich abschloss. "Ich habe nach Feierabend den sogenannten A-Teil in Stendal, den B-Teil in Magdeburg und letztlich den C-Teil, schon als Lehrausbilder, in der PGH absolviert", erinnert sich der 60-Jährige.

Obwohl zu DDR-Zeiten nicht alles Gold war, was glänzte, denkt Manfred Wolf gern daran zurück: "Meine Baustelle für den praktischen Teil der Meisterprüfung war ein Einfamilienhaus in der Havelstraße. Berufskollege Herbert Ganzer hatte in dem Haus ebenfalls sein Meisterstück gemacht. Er installierte die Heizung und ich musste den restlichen Sanitärbereich abwickeln. Es wurde ein Projekt erstellt und dann mit den Lehrlingen umgesetzt. Später habe ich von Hermann Schulz die Lehrausbildung übernommen und war als Lehrausbilder ab 1982 in der Prüfungskommission. Mit den Lehrlingen wurde es aber bald weniger und so ging ich 1984 zum ,Haushaltsgeräte-Service`. Dort war ich als Bereichsleiter tätig, da mein Vorgänger Paul Zietz sich selbstständig gemacht hatte. Nach nur einem Jahr ging ich aber wieder zurück zur PGH ,Wasserversorgung` und habe dort, in Eigenverantwortung, den Bereich Kleinstreparaturen übernommen. Ja, das war eine schöne Zeit", schwärmt Manfred Wolf heute noch.

"Obwohl manchmal das Material recht knapp war", fügt er an. So kann er sich gut daran erinnern, dass Holzdübel - Plastikdübel gab es zu DDR-Zeiten wenig oder oft gar nicht - stundenlang per Hand geschnitzt wurden. Solche wurden damals zum Beispiel sehr viele beim Bau des neuen Krankenhauses in Havelberg benötigt, denn dort wurden neben dem Sanitärbereich auch viele andere Arbeiten mit verrichtet.

"Nebenbei" bildete der Meister die Lehrlinge der PGH aus, war für seine Familie da und auch aktiv in der Feuerwehr tätig. Die Maschinistenausbildung dafür absolvierte er damals in Schönfeld und wurde dann, durch die tatkräftige Unterstützung von Dagobert Humpert, 1978 Wehrleiter in Havelberg.

"Über die Nachwuchswerbung hatten wir damals sehr viel junge Leute in der Wehr, erfreulicherweise auch viele Mädchen", blickt Manfred Wolf zurück. 14 Jahre lang leitete er die Geschicke der Freiwilligen Feuerwehr Havelberg.

Viele Lehrlinge ausgebildet

Am 2.Juli 1990 wagte Manfred Wolf den Schritt in die Selbstständigkeit, seit 1992 ist er in der Wilsnacker Straße ansässig. "Zum Anfang gab es viel Arbeit und ich hatte, da wir in Berlin tätig waren, teilweise bis zu 20 Leute beschäftigt. Das war damals aber ein großer Fehler. Denn der Kontakt zu den Kunden vor Ort ist wichtiger", schätzt der Meister noch heute ein. In seiner gesamten beruflichen Laufbahn hat er Reparaturen gemacht und ist damit immer zurecht gekommen. Auch die Lehrausbildung hielt Meister Wolf bis zum Schluss seines Arbeitslebens aufrecht, um den jungen Leuten einen beruflichen Aufstieg zu ermöglichen. Weit über 20 Lehrlinge führte er in das Berufsleben ein und hat heute noch Kontakt zu einigen seiner früheren Schützlinge.

Eine Stütze in der kleinen Firma ist bis heute seine Frau Gabriele, die sich um den schriftlichen Teil des Unternehmens kümmert und das Ladengeschäft führt. Seit einigen Jahren hat sie auch den Verkauf von technischen und Flüssiggasen auf dem Firmengelände übernommen.

Als zweite Stütze im Betrieb sah Manfred Wolf seinen Mitarbeiter Helmut Bruchmann. Er war seit 1990 bei ihm und hat damals in der Erwachsenenqualifizierung die Ausbildung zum Gas-Wasser-Installateur absolviert. Unzählige Lehrgänge und Qualifizierungsmaßnamen folgten für den Meister und seinen Angestellten. Es galt stets Schritt zu halten mit der Modernisierung. Im Jahr 1999 begann sein Sohn Torsten die Lehre in der elterlichen Firma. Nach zweieinhalb Jahren Ausbildung folgte das Meisterstudium, am 4. Mai 2006 hielt er seinen Meisterbrief in der Hand, gründete seine eigene Firma und bildete auch schon einen Lehrling aus. "Das macht den Altmeister sehr stolz", lobt Manfred Wolf den Nachwuchs.

Eigenes Museum

Ans Aufhören denkt er aber noch lange nicht. "Wer rastet, der rostet!" In der Havelberger Steinstraße hat er ein kleines Handwerker-Museum eingerichtet, in dem es sehr viel Handwerkergeschichte zu bewundern gibt. Darunter auch eine Kinderbadewanne, die er damals selbst im Havelberger Kreiskrankenhaus einbaute, und eine Gastherme vom früheren Bäcker Weinberg aus der Weinbergstraße. Zur Bundesgartenschau 2015 Havelregion hofft er auf viele interessierte Besucher im Museum.

Stundenweise ist Manfred Wolf nun bei seinem Sohn tätig, übernimmt anfallende Reparaturarbeiten und liefert technische Gase aus. "Die Gasflaschen bringe ich zum Beispiel zum KMG-Klinikum oder zur Havelberger Fahrzeug- und Maschinenbau GmbH. Vor kurzen habe ich bei einer älteren Dame eine Reparatur in ihrem Haushalt ausgeführt und sie hat sich so sehr darüber gefreut, dass alles wieder funktioniert. Nach ihren lobenden Worten musste ich sie einfach umarmen", gestand der Altmeister.

Manfred Wolf tritt etwas ruhiger und freut sich darüber, mehr Zeit für die Familie und seine Enkelkinder zu haben.

   

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