Mit dem Allernötigsten in zwei Rucksäcken verstaut und einer großen Portion Abenteuerlust machen sich Julia Eichelmann und Markus Leschien auf den Weg ans andere Ende der Welt. Ein Jahr lang wollen die Schönhauser in Australien leben und arbeiten.

Schönhausen l Gestern Abend ging es los! Der Weg nach Australien ist weit, immerhin 13000 Kilometer. Der Flieger brachte die 26-jährige Julia und ihren drei Jahre älteren Freund von Hamburg zunächst nach Dubai in die Vereinigten Arabischen Emirate. Hier bleiben sie bis Sonnabend, machen einen Abstecher in die Wüste, bevor es weiter geht nach Bangkok, Thailands Hauptstadt. Statt sich dann wieder in den Flieger zu setzen und den direkten, bequemen Weg nach Australien zu nehmen, wollen die beiden Schönhauser die knapp 2000 Kilometer vom Norden in den Süden des asiatischen Landes per Bus und Bahn immer an der Küste entlang nehmen.

Der Studienplatz in Emden war schon sicher

"Deshalb können wir anstatt großer, vollgepackter Koffer auch nur zwei Rucksäcke mitnehmen", erzählt Julia Eichelmann wenige Tage vor dem Abflug. Die Zeit bis zur Abreise hat das Paar zu Hause in Schönhausen verbracht. Hier waren letzte organisatorische Dinge zu erledigen und auch eine Abschiedsparty mit Freunden stand auf dem Plan. "Wir haben auch gar keine Zeit, uns großartig Gedanken zu machen und aufgeregt zu sein, das kommt dann wohl erst auf dem Flughafen", erzählt Marcus Leschien, der noch nie in einem Flugzeug gesessen hat.

Warum brechen sie alle Zelte in Deutschland ab? Schon seit sie 14 ist, träumt Julia davon, nach Australien zu reisen. Eine Bekannte lebt hier, die so viele spannende Geschichten vom fernen Kontinent erzählt. Der geschenkte Kugelschreiber mit Koalabär gehört noch heute zu ihren "Schätzen". Und sie nimmt sich vor: Nach der Schule, nach der Ausbildung... geht es rüber. Julia schließt die Schule ab, macht in Stendal eine Ausbildung bei der Krankenkasse, arbeitet seit 2009 in Bremen. Hier macht sie nebenbei noch drei Jahre ihr Abitur nach. Das hat sie im Sommer 2014 in der Tasche. Und auch der Studienplatz Soziale Arbeit in Emden ist ihr sicher.

Marcus überlegt nicht lange: "Ich komme mit!"

Aber da war doch noch was! Wann, wenn nicht jetzt! Sie erzählt Marcus von ihrem Traum. Mit ihm ist sie seit Januar 2013 zusammen. "Wir kannten uns schon länger über gemeinsame Freunde. Auf dem Tangermünder Burgfest 2012 sind wir mal wieder ins Gespräch gekommen und stellten fest, dass wir gar nicht so weit voneinander entfernt wohnen. Dann haben wir uns mal getroffen und..."

Marcus Leschien hat nach der Schule in Schönhausen eine Ausbildung zum Tischler gemacht und wohnte in Oldenburg, nicht weit von Bremen weg. Er hat eine kleine Wohnung, Julia lebt in einer WG.

Weil Marcus eine neue Arbeit sucht und Julia in Emden studieren will, planen sie im Sommer, zusammenzuziehen. Und dann hört Marcus das allererste Mal von den noch vagen Australien-Plänen seiner Freundin. "Wenn sie geht, wie übersteht unsere Beziehung das eine Jahr?" sorgt er sich. Lange überlegen muss er nicht. Denn auch er will sich schließlich verändern - warum dann nicht ein Jahr Australien?

Sein Vorschlag, zusammen zu gehen, lässt Julia jubeln. Die beiden machen Nägel mit Köpfen. Es gibt so viele Dinge zu erledigen. Denn sie brechen schließlich alle Zelte ab. Das heißt, Wohnung und Arbeit kündigen, sämtliche Verträge auflösen, die Reise planen, das Work-und-Travel-Visum für ein Jahr beantragen, Krankenversicherung abschließen... Und die Eltern in die Pläne einweihen. "Meine Eltern wussten ja von meinem Traum. Dass er nun Wirklichkeit werden soll, hat sie dann doch etwas überrascht." Gudrun und Michael Eichelmann freuen sich genau wie Marcus` Mutter, auch wenn Sorge mitschwingt. Denn Australien ist weit, der Weg dorthin abenteuerlich.

Anfang Februar ist das Ziel erreicht

Ein mit Australien-Auswanderungen gut vertrautes Reisebüro stellte die Route zusammen. Julia und Marcus werden Anfang Februar nach der 2000 Kilometer langen Fahrt durch Thailand in Singapur eintreffen. Mit dem Flugzeug geht es weiter nach Perth im Südwesten Australiens. Ziel erreicht!

Für sieben Tage ist hier ein Hostel gebucht. Und das ist auch schon alles, was für Australien geplant ist. "Alles andere ergibt sich!" hat Julia Eichelmann wenig Sorge. "Diese erste Woche werden wir nutzen, um uns nach einer Unterkunft umzusehen und nach Arbeit zu suchen."

Marcus wird als Tischler wohl keine Schwierigkeiten haben, denn Handwerker werden in Australien immer gesucht, erst recht gut ausgebildete aus Deutschland. Und Julia? "Ich bin da ganz flexibel. Ich kann auf einer Farm arbeiten, würde auch saubermachen. Die Weinernte steht bevor, so dass ich auch hier helfen und ein paar Dollar verdienen kann." Auch ein Auto, einen zum darin schlafen geeigneten Camper, will sich das Paar gleich kaufen, um mobil zu sein. "Wir haben beide hier in Deutschland noch den internationalen Führerschein beantragt. Und an den Linksverkehr gewöhnen wir uns hoffentlich schnell." Ebenso schnell hoffen sie, ihr Schulenglisch auszubauen, um sich gut verständigen zu können.

Mit dem ersten verdienten Geld wollen Julia und Marcus ein paar Wochen später weiterziehen nach Norden bis nach Darwin, der Weg ist das Ziel. Wenn sie unterwegs Arbeit finden, bleiben sie, wenn nicht, geht es weiter. Es wird auch quer durch das Land gehen nach Alice Springs, und sie wollen sich natürlich den berühmten Berg "Ayers Rock" ansehen. Die Millionenstädte Adelaide, Melbourne und Sydney dürfen auf der Rundreise nicht fehlen. Natürlich geht es zum Great Barriere Rief, um in die herrliche Unterwasserwelt einzutauchen. "Vielleicht reicht das Geld ja, um zum Abschluss nach Neuseeland rüberzufliegen, das ist ja nicht so weit."

Zwei Rucksäcke mit nur je fünfzehn Kilo Gepäck

Abschluss? Ein Rückflugticket gibt es jedenfalls nicht. Länger bleiben? Vielleicht! "Mal sehen, was sich ergibt!" Aber beide sind tief in Deutschland mit ihren Familien und den Freunden verwurzelt. Auf Fotos nehmen die beiden Reisenden ihre Lieben mit nach Australien. "Und heutzutage ist es ja via Skype kein Problem mehr, in Kontakt zu bleiben."

Die Rucksäcke sind gepackt. Sich auf 15 Kilo zu beschränken, ist schwer gefallen, "aber mit mehr können wir uns nicht belasten, weil wir gerade in Thailand viel unterwegs sind und keine großen Lasten schleppen können". Auch auf eine Notration deutsches Essen, die ihnen vielleicht in Thailand gut bekommen könnte, verzichten sie aus Platzgründen, dafür aber ist die Reiseapotheke gut gefüllt.

"Man muss auch mal was wagen! Wenn ich meinen Traum jetzt nicht verwirklichen würde, hänge ich ihm immer nach und bereue es irgendwann. Wir sind jung und ungebunden", ist Julia glücklich und voller Erwartung, zusammen mit ihrem Marcus in das bisher wohl größte Abenteuer ihres Lebens zu starten.