In der Winterpause befinden sich derzeit auch die diversen Deichbaustellen im Elbe-Havel-Land. Trotzdem sind die Wälle auch weiterhin gegen ein mögliches Hochwasser gewappnet.

Elbe-Havel-Land l Zwischen Klietz und Scharlibbe wurden im Herbst letzten Jahres auf anderthalb Kilometern Stahlspundwände in den wasserseitigen Deichkörper gerammt. Für diese Arbeiten musste die Krone vorab stabilisiert und erhöht werden. Die Rammarbeiten seien rasch vonstatten gegangen, schätzte Flussbereichsleiter Reinhard Kürschner vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz (LHW) aus Genthin als Bauherr ein.

Dieses Jahr werden die Arbeiten bei wieder offenem Wetter fortgeführt, landseitig wird die Böschung saniert. Eine Berme, wie bei allen anderen Sanierungen - das war eine der Lehren aus der Flut 2013 - wird hier allerdings nicht errichtet. Denn das Gebiet wird wegen einer möglichen Deichrückverlegung oder dem Bau eines Flutpolders gegenwärtig untersucht, der LHW hat dazu einem Planer einen Auftrag erteilt. Die Anregung dazu kam übrigens aus den Reihen der Bürgerinitiative, welche sich nach der Flutkatastrophe im Elbe-Havel-Land gebildet hatte.

"Am Deich bei Hohengöhren ist knapp die Hälfte der Arbeiten geschafft", erklärte der LHW-Flussbereichsleiter zu dieser Baustelle. Auch dieser Wall ist jetzt hochwassersicher hergerichtet, eine Berme wurde angebaut. Die Befestigung der Krone und der Berme steht noch aus, sie soll mit Asphalt erfolgen. Insgesamt werden hier etwa 1,4 Kilometer in zwei Etappen saniert, der Deich wird höher und wegen der Berme auch breiter.

Deich bei Hohengöhren wird breiter und höher

Fast drei Millionen Euro kostet diese Baustelle, die insgesamt vier Schwachstellen sind inzwischen überbaut. Vor allem hier war beim Hochwasser 2013 kein Herankommen an die sehr gefährliche Böschungsabrutschung mehr gewesen, weshalb bei Sanierungen generell eine Arbeitsberme an der Wasserseite des Deiches angefügt wird. Diese erhöht zudem dessen Standfestigkeit.

Planmäßig voran gehen auch die Arbeiten am neuen Deich bei Fischbeck, dort wie auch an den anderen Stellen liefern die Firmen gute Arbeit ab. Zwischen der alten Bundesstraße und der Fährstraße ist der Deichstützkörper bereits errichtet worden, dieses Jahr kommt dann die Tondichtung davor und der Wall wird komplettiert. Fünf Tonnen Kriegsschrott waren vor Baubeginn ausgegraben worden - hier war 1945 der Weltkrieg zu Ende gegangen.

Sollte es wider Erwarten frostfrei bleiben, könnten die Bauarbeiten sogar noch in diesem Monat fortgeführt werden, ansonsten erst im Frühjahr. Denn so lange währt die winterliche Hochwassersaison, bei der an den Schutzwällen ohnehin nichts gemacht werden darf.

Auch Baustellen dürfen nicht betreten werden

In Schönhausen war im Vorjahr eine weitere Baustelle fertig geworden. Direkt neben dem Wiehl, wo es viele Sickerstellen gegeben hatte, wurde der Deich saniert. Zwei von drei Abschnitten sind damit bei Schönhausen erledigt, 1,7 Kilometer Deich sind nun auch hier normgerecht.

Reinhard Kürschner hat eine dringende Bitte: Auf den Baustellen fehlen die Sperrschilder für die Deiche, das Befahren ist dort dennoch nicht gestattet. Doch gibt es immer wieder Unbelehrbare, die keine Einsicht zeigen und die Schutzwälle befahren - vor allem betrifft das Fischbeck. Fahrspuren im Deich können bei extremem Hochwasser aber zur Gefahr für die Standsicherheit werden.

Seit 2002 investierte Sachsen-Anhalt rund 530 Millionen Euro in den Hochwasserschutz, allein für den Landkreis Stendal wurden um die 100 Millionen Euro davon ausgegeben. Allein der Deichbau zwischen Fischbeck und Jerichow kostet bis zu 30 Millionen Euro - bezahlt wird das aus dem Fluthilfefonds.

Es gibt ein ehrgeiziges Ziel: Bis 2020 sollen alle Deiche im Bundesland normgemäß sein - das wären noch 46 Prozent.