16 Monate war Judith Liban aus Neukamern als Fluthilfeberaterin für die Menschen im Elbe-Havel-Land da. Nun endet die Maßnahme des Kirchenkreises Stendal, heute ist der letzte Arbeitstag.

Elbe-Havel-Land l "Die Zeit ist gerannt!" Am 12. September hatte Judith Liban ihre Tätigkeit als Fluthilfeberaterin begonnen. Sie löste die bis dahin mit diesem Amt betrauten Jugendlichen Benjamin Gehne, Hannah Enders und Caroline Lucke ab, die kurz nach dem Deichbruch im Juni 2013 von Pfarrer Christof Enders für beratende Tätigkeiten gewonnen werden konnten. Die Katastrophe selbst hatte Judith Liban nicht miterlebt. "Und das war auch gut so. Denn so war mein Kopf frei für all die Schicksale, von denen ich in den folgenden Wochen hörte." Im Juni war sie nur kurz für eine Woche zu Hause bei ihren Eltern in Neukamern, um beim Aus- und Aufräumen des gefluteten Kellers zu helfen. Denn die junge Frau, die ausgebildete OP-Schwester ist, absolvierte gerade einen halbjährigen Europäischen Freiwilligendienst in Spanien und hatte Urlaub. Flutberater Benjamin Gehne, ein guter Bekannter von Judith, schaute zu diesem Zeitpunkt zufällig bei Libans vorbei und fragte, ob sie nicht auch mitmachen wolle. Noch von Spanien aus bewarb sie sich um die Stelle, die sie am 12. September antrat.

"Danke für das Vertrauen!"

Die 25-Jährige hatte zwar Büros in Klietz, Kamern und Fischbeck. Aber meist war sie mit dem Auto unterwegs und fuhr direkt zu den Betroffenen nach Hause. Anfangs ging es darum, Trockner und Entfeuchter zu beschaffen und beim Ausfüllen der Anträge auf Spenden und auf Wiederaufbauhilfe bei der Investitionsbank behilflich zu sein. Aber mindestens genauso wichtig wie das Beschaffen der finanzielle Hilfe war das Zuhören. "Oft habe ich stundenlang mit den Betroffenen zusammengesessen und sie haben sich alles von der Seele geredet. Für dieses Vertrauen, das mir geschenkt wurde, bin ich sehr dankbar!"

Auch für sie sei es bereichernd und ein gutes Gefühl gewesen, helfen zu können. Und auch jetzt, anderthalb Jahre nach der Katastrophe, ist längst nicht alles vergessen. Zumal die Verwendungsnachweise bei der Investitionsbank erbracht werden müssen. Und auch der Redebedarf sei nach wie vor groß. "Nach dem Abschluss der Sanierung oder auch dem Einzug in die neu gebauten Häuser ist die Schaffensphase nun zu Ende. Die Menschen kommen langsam zur Ruhe und können jetzt erst verarbeiten, was sie erlebt haben. Es ist wichtig, dass ihnen jemand zuhört!" Gerade zum Jahrestag am 10. Juni oder zu Weihnachten wurde noch einmal besonders viel seelsorgerische Arbeit geleistet.

Insgesamt betreute die Fluthilfeberaterin in den 16 Monaten rund 120 Haushalte.

Dass die Frist zur Antragstellung auf Wiederaufbaumittel bei der Investitionsbank um ein halbes Jahr bis Sommer 2015 verlängert wurde, hält Judith Liban für sehr wichtig, dennoch rät sie, "nicht bis auf den letzten Drücker zu warten". Und sie ermutigt die Betroffenen, Spenden zu beantragen. "Es ist bei den Hilfsorganisationen immer noch Geld da, das nur beantragt werden muss." Regelmäßige Sprechstunden gibt es unter anderem im Schönhauser Verwaltungsamt.

An zwei wichtigen Aktionen hatte Judith Liban maßgeblichen Anteil. "Überall, wo ich hinkam, bedauerten die Menschen, dass die Flut die Gärten und die schönen alten Obstbäume vernichtet hat - so kam das Apfelbaum-Projekt zusammen." Rund 1000 Apfel- und Kirschbäume wurden von Spendengeldern beschafft und im letzten Oktober an die Flutopfer ausgegeben. Dass das Begegnungsfest am 3. Oktober in Schönhausen auf so gute Resonanz gestoßen ist und hier so viele Menschen aus dem Elbe-Havel-Land zusammenkamen, freute das Fluthilfenetzwerk, zu dem neben dem Kirchenkreis auch Caritas und DRK, Johanniter und Malteser gehören.

Nun räumt Judith Liban also ihren Schreibtisch - mit gemischten Gefühlen. Einerseits sind ihre Puffer nach 16 Monaten intensiver emotionaler Arbeit aufgebraucht. "Ich brauche jetzt ein wenig Zeit, um Kraft zu tanken."

Weiter mit Caritas

Denn ihre Arbeit geht weiter. Über die Caritas wird sie sich ab 1. März weiterhin um die Betreuung der Flutgeschädigten kümmern und kann somit die Menschen weiterhin begleiten. Diese Zusage hat Judith Liban vor wenigen Tagen erhalten. "Darüber bin ich sehr froh, denn es gibt noch genug zu tun."