Havelberg l Bei der Deichrückverlegung in Jederitz ist Anfang Dezember des Vorjahres eine Teilabnahme erfolgt, informierte Flussbereichsleiter Reinhard Kürschner vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz (LHW) auf Nachfrage. Der neu errichtete Jederitzer Schutzwall ist inzwischen komplett fertig, er muss in diesem Jahr lediglich noch die Rasenaussaat erhalten, Schilder und Sperren sind aufzustellen, ebenso die Kilometersteine.

"Sollte wieder so ein Extrem wie 2013 kommen, wäre der Deich hier schon voll funktionsfähig", versicherte der Flussbereichsleiter aus Genthin. Endgültig abgenommen werden soll das Bauwerk, wenn die Neuansaat aufgegangen ist.

Der neue Wall muss dann noch zwei Jahre ruhen, um sich zu setzen, aber auch danach bleibt der alte Deich vorerst weiter stehen. Das hatten Landespolitiker auf Wunsch der Jederitzer verfügt. In der Ortschaft hatte es erhebliche Widerstände gegen die Deichrückverlegung gegeben - der Wall rückte näher ans Dorf heran und die Nutzflächen der Landwirte befinden sich nun fast vollständig in Flutungspoldern.

Vor allem auch aus Kostengründen hatte sich der LHW jedoch für den Bau eines neuen und weit kürzeren Deiches entschieden: Dieser Wall ist nur 1,6 Kilometer lang, der Neubau kostet etwa eine Million Euro. Dreimal so teuer wäre die Ertüchtigung des 5,7 Kilometer langen Altdeiches gewesen. Zudem befindet sich dieser in sensiblen Naturschutzgebieten - was die Sanierung arg erschwert oder gar unmöglich gemacht hätte.

Alle Baustellen sind aufs Hochwasser vorbereitet

Im Jederitzer Polder steht dann aber auch mehr Retentionsfläche für das Hochwasser zur Verfügung - Sinn und Zweck einer jeden Deichrückverlegung. "Trotz der Widerstände haben wir die Investition hier zu einem guten Ende geführt", resümierte Reinhard Kürschner. Diese Variante sei ökonomisch und ökologisch weit besser gewesen.

Die neue Deichtrasse beginnt an der Landstraße und endet am alten Schöpfwerk. An letzterem wurde auch eine Aufstellfläche für eine mobile Pumpe geschaffen - diese wird im Flutungsfall aufgestellt. Die Fläche stellte der Ortschaftsrat zur Verfügung. Zwei mobile Pumpensysteme - also mitsamt Schläuchen - werden in Kürze im Zuge der Maßnahme mit angeschafft und in Havelberg stationiert. Eine Pumpe wird im Fall der Fälle am Mahlbusen aufgestellt, die andere an den Gräben. Denn diese mussten wegen des Deichbaus in Zusammenarbeit mit dem Havelberger Unterhaltungsverband umgeleitet werden, einer entwässert nun sogar in die entgegengesetzte Richtung.

Auch die Deichbaustelle zwischen Havelberg und Nitzow ist hochwassersicher, sie kann im Notfall auch verteidigt werden. Hier, unterhalb der Havelberger Schleuse, wurde auf einer Länge von 700 Metern eine Spundwand in den zuvor recht durchlässigen Deichkörper gerammt. Die Berme wurde bereits gepflastert, später soll auch die Krone befestigt werden. Restarbeiten wie die Ansaat des Rasens stehen in diesem Jahr noch an.

Eine riesige Baustelle dürfte künftig das Wehr Neuwerben werden, ein Bestandteil der Wehrgruppe Quitzöbel. Durch dieses Wehr wird die Havelniederung bei Extremhochwasser der Elbe kontrolliert geflutet - so wie 2002 und 2013 geschehen. Letzteres Extrem hatte alle Dimensionen gesprengt, dafür war die Wehrgruppe nicht bemessen.

Geplant war im Vorjahr, mit der Sanierung der Brücke übers Wehr zu starten - was aber nicht ganz geklappt hatte. Lediglich vorbereitende Arbeiten wie das Verlegen der Leitungen erfolgten. In diesem Jahr soll der Bau endlich beginnen. Die neue Brücke wird eine weit höhere Tragfähigkeit erhalten - wichtig auch für die Deichverteidigung zwischen Neuwerben und Havelberg. Auch das Wehr soll komplett saniert werden. Knapp 20 Millionen Euro sind dafür insgesamt eingeplant. Wegen der neuen Bemessungslinien müssen alle drei Wehre den neuen Anforderungen angepasst werden - das Altarm- und das Durchstichwehr gehören allerdings dem Brandenburger Wasser- und Schifffahrtsamt. Das mittlere Wehr ist bereits in Bau.

Eine weitere Deichbaustelle des LHW befindet sich unterhalb von Neuwerben, auch hier hatte es im Juni 2013 eine gefährliche Abrutschung gegeben. Die anderthalb Kilometer lange Baustelle, die bis zur Landesgrenze führt, ist ebenfalls fast fertig. Berme und Krone müssen bei offenem Wetter noch eine Asphaltschicht erhalten, auch die Banketten fehlen noch. Mitte des Jahres soll die Übergabe erfolgen.

Nach 2013 durfte der Landesbetrieb zusätzliches Fachpersonal einstellen, denn bis 2020 sollen alle Deiche im Bundesland normgerecht saniert sein. Derzeit ist etwa die Hälfte geschafft. Geplant ist unter anderem, ab der Deichbaustelle Havelberg-Nitzow weiter in Richtung Neuwerben zu sanieren, die Planer arbeiten dran - ob es dieses Jahr Geld dafür gibt, ist aber noch unklar.

 

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