Havelberg l Der Abriss des ehemaligen Wohn- und Geschäftshauses in der Langen Straße 6 in Havelberg stieß bei einigen Bürgern auf Unverständnis. Schon vor Jahren wurde hier eine Bausicherung vorgenommen. Nachdem beim Bauordnungsamt eine Anzeige wegen herabfallender Bauteile einging, muss das Haus nun zum Teil abgerissen werden. Holger Schulz aus Wöplitz brachte seinen Ärger über den Abriss zu Papier und stellte sich am Mittwochmorgen vor dem Haus zu einer Mahnwache auf.

"Rettet die Fassaden" stand in großen Buchstaben auf dem Schild, das er sich umgehängt hatte. Der Beitrag aus der Volksstimme zum Abriss des Einzeldenkmals war ebenfalls aufgebracht. "Die historische Altstadtinsel sollte ein Vorzeigeobjekt der Hanse- und Domstadt sein. Wenn hier aber einfach Häuser abgerissen werden und auf sicherlich absehbarer Zeit eine Baulücke entsteht, ist das nicht im Sinne der Havelberger und der Touristen", schätzt Holger Schulz ein. Er lobte den Zeitungsbeitrag, denn ansonsten hätte er vermutlich nicht vom Abriss erfahren. "Ich wusste davon auch nichts, obwohl ich im Bauausschuss der Stadt bin", ärgert sich Helmut Knopf. Er hatte sich, ebenso wie Jürgen Kerfien, zum Plakatträger gesellt.

Im Hintergrund wurde weiter gearbeitet, denn die Männer vom Bau erfüllen hier ja nur ihren Auftrag. Etwas erstaunt waren sie von dieser Aktion aber doch, denn so etwas hatten sie zuvor noch nicht erlebt. Die Teilnehmer der Mahnwache sind schon gespannt darauf, wann weitere Gebäude in Havelberg sinnlos abgerissen werden, denn: "Der Abriss der Vogt`schen Villa und des Altbaues der Inneren Mission erfolgten auch fast stillschweigend und sehr schnell, so dass es keine Gegenwehr mehr geben konnte", blickt Helmut Knopf zurück. Jürgen Kerfien findet, dass die Stadt mit der Denkmalpflege enger zusammenarbeiten solle und die Fassaden auf der Altstadtinsel bewertet werden müssten, bevor es zu einem Abriss kommt. Im nächsten Bauausschuss soll dieses Thema angesprochen werden.

Passanten wurden auf das Rettungsschild aufmerksam und stimmten der Aktion zu. Allerdings mit dem Zusatz: "Ändern könnt ihr das doch nicht." Jeder Mensch, jedes Tier, jedes Gebäude und auch jeder Baum hat seine Lebensdauer, die je nach Pflege unterschiedlich lang ist. 2006, beim Bau der Havelberger Steintorbrücke, war zum Beispiel die Lebensdauer eines unbewohnten Hauses im Bischofsberg abgelaufen und es stürzte ein. Zum Glück geschah das über Nacht und es kamen keine Personen zu schaden...