Neue Töne klingen aus dem Probenraum des Schönhauser Chores: Beatles! Aber auch altes deutsches Liedgut wie "Heut ist ein wunderschöner Tag". Für diese neue Mischung ist der Chorleiter verantwortlich.

Schönhausen l Es ist ein neues Gesicht, das vor den Sängerinnen und Sängern des gemischten Chores steht. Gero Wiest, 38, aus Tangermünde - jung, dynamisch, voller Ideen und mit viel Ehrgeiz, mit dem Chor aus Altbewährtem und Neuem ein Repertoire einzustudieren, das aufhorchen lässt und auch jüngere Zuhörer in die Konzerte lockt. Und nicht nur in die Konzerte, sondern auch in den Chor selbst. Denn die Gewinnung von neuen Mitgliedern ist dem Vereinsvorsitzenden Ulrich Sandhof eine Herzensangelegenheit. "Mehrere unserer langjährigen Mitglieder haben angekündigt, langsam mit dem Singen aufhören zu wollen. Und leider hinterlassen auch zwei Sänger durch Tod eine Lücke. Deshalb ist es umso wichtiger, jetzt Zuwachs zu bekommen, damit die fast 200-jährige Gesangstradition in Schönhausen erhalten werden kann."

Zum Jahresende trennte sich der Chor vom Leiter Branimir Kydschiew. Er hatte 2009 das Amt von Eckhard Bos übernommen. Wegen der sich andeutenden personellen Veränderungen begann Ulrich Sandhof rechtzeitig, sich nach einem Nachfolger umzusehen, "Chorleiter gibt es ja leider nicht wie Sand am Meer". Gero Wiest schien geeignet. Und nachdem der 38-Jährige sich bei einem Konzert unter die Zuhörer gemischt hatte, war die Entscheidung gefallen.

Sein Urteil nach den zwei ersten Proben im neuen Jahr: "Der Chor ist sehr wach. Und tolerant." Damit meint er die Aufgeschlossenheit, Neues auszuprobieren. Songs von den Beatles, den Comedian Harmonists oder auch Lieder aus bekannten Musicals sollen das Repertoire erweitern. "Wir haben zuletzt viel auf Latein gesungen - warum dann nicht auch Englisch", freut sich Ulrich Sandhof auf die Herausforderung und den frischen Wind, den der Tangermünder mitbringt.

Eigene Lieder für den Chor

Und der ist voller Vorfreude: "Ich bin bereit, Arbeit zu investieren. Das musikalische Niveau, das hier im Schönhauser Chor herrscht, soll auf jeden Fall erhalten bleiben. Ich möchte etwas am Repertoire schrauben, es moderner machen." Gero Wiest kann sich auch gut vorstellen, eigene Lieder auf das Niveau der Schönhauser angepasst zu schreiben. Er kann das, hat er doch Musik studiert. 1995 begann der gebürtige Staßfurter mit dem Studium in Magdeburg, anfangs noch parallel mit dem Elektrotechnik-Studium. "Eigentlich wollte ich Tontechniker werden. Aber ich habe schnell gemerkt, dass ich lieber selbst Musik mache als für andere an Knöpfen zu drehen." Er kann alle Instrumente spielen, "die Tasten haben", auch Orgel. Das Studium dauerte ein paar Jährchen länger als üblich. Denn ehrenamtlich widmete er sich verschiedenen Projekten. Mit dem Abschluss in der Tasche kam Gero Wiest 2006 als musikalischer Leiter an das Stendaler Theater der Altmark, das Arrangement endete im August 2013. Seitdem ist er freischaffend. "Ich bin als Dirigent, Komponist, Pianist und Arrangeur breit aufgestellt. Außerdem mache ich gerade noch ein Aufbaustudium, um als Sounddesigner für Film, Werbung und Computerspiele zu arbeiten." Seit 2006 ist Gero Wiest auch Dirigent und künstlerischer Leiter des Sinfonieorchesters "Magdeburger Musikfreunde", das größte und älteste Sinfonieorchester des Landes Sachsen-Anhalt. Die Proben finden montags statt. Donnerstags ist er beim Arneburger Heimatchor, den er seit September 2013 leitet. Und mittwochs kommt Gero Wiest von Tangermünde, wo er mit seiner Frau wohnt, nach Schönhausen.

Spaß kommt nicht zu kurz

Die nächsten zwei Proben am 21. und 28. Januar jeweils ab 19 Uhr unter dem Dach des Bürgerzentrums sind wieder öffentlich. Sie dienen ganz gezielt der Mitgliederwerbung. "Wir würden uns sehr freuen, wenn Sangesfreudige aus der Region einfach mal vorbeischauen und uns kennenlernen", lädt Ulrich Sandhof herzlich ein. Und er verspricht, dass im Schönhauser Chor der Spaß nicht zu kurz kommt. Aber es wird natürlich auch diszipliniert "gearbeitet". Denn das Jahr 2015 bringt wieder wichtige Auftritte mit sich. Am 1. April gibt es anlässlich Bismarcks 200. Geburtstag ein Konzert in der Kirche und beim Altmärkischen Heimatfest am ersten Wochenende im Juli will der Chor mit möglichst schon neuen Mitgliedern ebenfalls zeigen, was er kann.

Wer Spaß am Singen hat, anderen eine Freude bereiten will und seiner Freizeit neuen Schwung verleihen will, kommt einfach zur Chorprobe oder wendet sich an Ulrich Sandhof unter Telefon 039323/38481 oder 0173/5197600 oder seinen Stellvertreter Ingo Pollee unter 0151/24155872. "Bei uns ist jeder herzlich willkommen", sagt Gero Wiest. "Und wegen eines schiefen Tones wird hier auch niemand schief angeguckt."