Dass es in Schönhausen einen so innovativen und traditionsreichen Betrieb gibt, der "wie Phönix aus der Flut" gestiegen ist, überraschte die Mitglieder des Wirtschaftsförderausschusses des Landkreises. Sie trafen sich am Mittwoch bei Thermoplast.

Schönhausen l "Alle Achtung!" Die Anerkennung, die die Ausschussmitglieder dem Betrieb mit Geschäftsführer Aribert Meißner zollten, war groß. Er berichtete am Mittwochabend, wie der sich auch nach der Wende sehr gut auf dem Markt behauptende Betrieb zur Herstellung hauptsächlich von Wickelhülsen im Juni 2013 in der Flut versank. "Es hatte nicht genützt, die Maschinen einen Meter hoch zu stellen - das Deichbruchwasser stand stellenweise 1,60 Meter hoch." Und er gestand: "So manches Mal hatte ich den Kopf schon halb in den Sand gesteckt und wollte aufgeben. Wenn man jeden Tag im Schlamm und Dreck wühlt und man lange auf die Zusage der Wiederaufbaumittel warten muss, dann verliert man irgendwann den Mut." Der wurde ihm aber immer wieder von Dirk Grempler, der sich beim Landkreis um die flutgeschädigten Firmen kümmerte, zugesprochen. Und auch die acht Mitarbeiter wollten sich keinen anderen Arbeitsplatz suchen. Ein halbes Jahr nach der Katastrophe kam endlich die Zusage für die Fördermittel und der Wiederaufbau konnte beginnen. Inzwischen wird in der neuen Halle im Drei-Schicht-System gearbeitet. Eine von insgesamt vier Maschinen läuft bereits rund um die Uhr und produziert aus Recyclingschnipseln pro Tag 6500 Meter Rohr, auf dem Teppiche, Folien und Stoffe aufgerollt werden können. Abnehmer dafür gibt es nicht nur in Deutschland, sondern auch in Dänemark, Österreich und der Schweiz. Neue Kunden sollen dazugewonnen werden, um auch die weiteren Maschinen, die noch fertig installiert werden müssen, auszulasten. "Mit neuen Kunden und mehr Aufträgen können wir dann neue Arbeitsplätze schaffen." Ein neuer Lehrling wird schon mal ab Sommer beschäftigt.

Zu den neuen Maschinen gehört auch ein 3-D-Drucker. Wie der funktioniert, sahen sich die Ausschussmitglieder in der Werkstatt an. Hier werden Sonderwünsche der Kunden erfüllt. Gerade war ein Flaschenöffner fertiggeworden. "Gedruckt" werden beispielsweise Autoteile, die nicht mehr produziert werden.

Dass die alten noch in der ehemaligen Produktionshalle stehenden Maschinen nur noch verschrottet werden können, wurde beim Rundgang sichtbar. Noch einmal in Betrieb genommen wurden allerdings drei Stanzmaschinen, mit denen Isolierplatten für Batterien hergestellt werden. Thermoplast ist einer von nur zwei Herstellern in ganz Europa und beliefert ein Batterie-Werk in Zwickau, das auf das Material aus Schönhausen angewiesen ist. Deshalb drängte es auch darauf, möglichst schnell nach der Flut wieder tätig zu werden. "Wir haben die Maschinen, die aus den 30er Jahren stammten, mit Samthandschuhen angefasst und gereinigt. Mit Notstromaggregaten haben wir relativ schnell wieder mit dieser Produktion begonnen, um diesen Kunden nicht zu verlieren."

Die Ausschussmitglieder waren sich einig: Die Wiederaufbaumittel sind bestens investiert - Thermoplast ist ein Betrieb mit Zukunft.