Die künftige Trinkwasserversorgung von Klietz und Umgebung bereitet dem Trinkwasser- und Abwasserzweckverband Havelberg (TAHV) derzeit einige Probleme. Das war bei der Sitzung des Verbandsausschusses in Sandau zu erfahren.

Von Ingo Freihorst

Sandau/Klietz l Das seit 1936 bestehende Wasserwerk Klietz muss dringend ersetzt werden, wofür es gleich einige Gründe gibt. Zum einen befindet sich das Wasserwerk am Rande des Übungsplatzes der Bundeswehr, weshalb es ohne Schutzzone betrieben wird. Eine solche kann hier auch nicht eingerichtet werden, denn der Weiterbetrieb des Übungsplatzes hat Vorrang: Mit einer Schutzzone müsste der Übungsbetrieb sofort eingestellt werden, hunderte Arbeitsplätze wären gefährdet.

Ohne Schutzzone wird künftig allerdings niemand mehr die Verantwortung für den Zustand des Trinkwassers übernehmen. Denn bereits jetzt überschreitet es dauerhaft einige Parameter wie Trübung oder Eisengehalt - aber ohne Gefahr für die Gesundheit. "Der Wasserverband ist verantwortlich für die qualitätsgerechte Versorgung von 8000 Bürgern in diesem Bereich, niemand weiß, wie lange das Gesundheitsamt das noch gestattet," erklärte Günter Hasstedt von den Havelberger Stadtwerken, welche die laufenden Verbandsgeschäfte erledigen.

Die über fünf Jahre währende Suche nach einem anderen Wasserwerk-Standort musste im Vorjahr aufgegeben werden: Am Wuster Damm, der als einziger noch in Frage kam, wäre der Grundwasserspiegel durch die Wasserentnahme zu stark abgesenkt worden.

Nun bleiben dem TAHV drei Alternativen: Wasser aus Havelberg heranpumpen, aus Arneburg oder Genthin. Am dichtesten liegt Arneburg, hier müsste eine Leitung durch die Elbe hindurch verlegt werden. Doch reichen die Kapazitäten nicht aus, Genthin müsste mit ins Boot, wozu eine Leitung von Jerichow nach Kabelitz verlegt werden müsste. Mit Druckerhöhungsstationen und bedarfsweiser Desinfektion würde diese Variante 4,5 Millionen Euro kosten.

Drei Alternativen zur Wahl

Auch die Versorgung von Havelberg aus wäre noch machbar, aber wegen der Leitungslänge von bis zu 30 Kilometern bereits recht grenzwertig. Die Kapazitäten in Havelberg müssten dazu ausgebaut werden - so dies denn vom gewässerkundlichen Dienst genehmigt wird. Weiterhin sind langwierige formelle Verfahren nötig. Zudem müssten eine Leitung zwischen Wulkau und Scharlibbe verlegt und Druckerhöhungsstationen errichtet werden. Das alles würde mit 4,6 Millionen Euro zu Buche schlagen.

Die dritte Variante wäre eine Versorgung aus Havelberg und Genthin, sie wäre mit 7,6 Millionen Euro am teuersten. Weil das Problem mit ihrem Übungsplatz zusammenhängt, würde die Bundeswehr jede dieser Investitionen des TAHV aber auch großzügig finanziell unterstützen.

Würde das Wasser von auswärts geliefert, würde sich das allerdings im Wasserpreis aller Kunden des TAHV niederschlagen, gab Günter Hasstedt zu bedenken. Denn dann entstünden dem Verband zusätzliche Bezugskosten. Käme Wasser aus Arneburg und Genthin, würde der Kubikmeterpreis um 30 bis 35 Cent ansteigen, bei Lieferung nur aus Genthin um 10 bis 15 Cent.

Der ehrenamtliche Verbandsgeschäftsführer Gerd Müller meinte, die Option Havelberg sei für die Kunden immer noch am günstigsten. Man solle sich nicht in Abhängigkeit von anderen begeben, meinte auch Gerhard Faller-Walzer. Dem stimmte auch Sven Hetke zu: "Das ist ja eine unendliche Geschichte!" Fred Lähns gab zu bedenken, dass die Genehmigungsverfahren für Havelberg eine ganze Zeit dauern können, doch treffe das auch auf den Leitungsbau von Arneburg oder Genthin zu.

Laut Beschluss wird nun die Havelberg-Variante favorisiert. In dieser Woche erhält der Verband auch Rückantwort vom Landkreis, unter welchen Bedingungen in Havelberg mehr Wasser gefördert werden könnte - und dann ist auch bekannt, wie lange das gesamte Prozedere dauern wird. Die im Februar tagende Verbandsversammlung muss dann eine entgültige Entscheidung fällen.