Hohen Besuch empfing Wolfgang Hellwig, Vorsitzender des Fördervereins der Sandauer Kirche: Minister Thomas Webel stattete der Elbestadt einen Arbeitsbesuch ab.

Sandau l "Einst waren für den Wiederaufbau des Turmes 1,8 Millionen Mark veranschlagt worden - inzwischen haben wir bereits 1,9 Millionen Euro verbaut", wies Wolfgang Hellwig auf die enormen Kostensteigerungen während der Bauphase hin. Die Sandauer hatten sich bei einer Umfrage mehrheitlich für den Aufbau ausgesprochen, 1998 begann man mit der Beräumung der Ruine, im August 2002 folgte dann die Grundsteinlegung, vier Jahre später war der Turm bereits halb hoch, 2010 wurde weitergebaut.

Der Förderverein hatte sich einst mit 17 Mitgliedern gegründet, jetzt sind es über 200. Stolz ist Wolfgang Hellwig auch über die Tatsache, dass der Verein insgesamt über 550000 Euro an Spenden einwerben konnte - ein Spendenbarometer im Kirchenschiff weist dies für alle Besucher aus. Denn bei weitem nicht alles wird gefördert, ein großer Teil verbleibt an Eigenmitteln. Viel Geld kommt von Radtouristen, aber auch durch Basare, Konzerte, Ausstellungen oder durch Familienfeiern. Von letzteren sind vier schon wieder angemeldet. Derzeit läuft eine Spendenkampagne für die Sanierung der großen Glocke, sie soll - so alles gut läuft - zum 70. Jahrestag der Zerstörung der Stadt wieder läuten.

Über eine Million Euro an Fördergeld flossen

Über eine Million Euro stecken an Fördergeldern in dem Bau, hauptsächlich flossen sie aus dem europäischen Leader-Programm, Geld kam aber auch von Lotto-Toto, der Sparkasse oder dem Kirchenkreis. Nur die Denkmalschutz-Stiftung hielt ihre Taschen bislang verschlossen - Sandau fehle die internationale Bedeutung, so die Begründung.

Der neunte Bauabschnitt im Gesamtumfang von 250000 Euro ist nun beendet, die Hülle des Turmes steht. Im letzten Abschnitt würden mitsamt dem Dachreiter nochmals 300000 Euro fällig, ohne diesen immerhin noch 200000 Euro. Das Brandschutzkonzept ist unter anderem abzuschließen. Eine Leader-Förderung ist aber erst ab dem kommenden Jahr wieder möglich.

Minister Thomas Webel, zuständig für Landesentwicklung und Verkehr, lobte die Aktivitäten des rührigen Sandauer Vereins zum Wiederaufbau. Der Bau sei auch mit Sicht auf die demografische Entwicklung wichtig und vermittle den Bürgern ein Heimatgefühl. Auch in seinem Wohnort habe man die Kirche selbsttätig saniert, ergänzte Thomas Webel.

Bürgermeister Henry Wagner machte den Minister noch auf eine künftige Großbaustelle aufmerksam: Das Rathaus muss dringend saniert werden. Laut Kostenschätzung sind dazu über zwei Millionen Euro vonnöten.