Bei der Bekämpfung der Flutkatastrophe und deren Folgen hatten auch katholische Einrichtungen geholfen, beispielsweise Caritas und Johanniter. Landesbischof Gerhard Feige verschaffte sich jetzt einen Überblick über den aktuellen Stand.

Kamern l Dass es nach der Flut in der Elb-Havel-Region noch immer große Probleme gibt, erfuhr der römisch-katholische Bischof aus Magdeburg in Kamern aus dem Munde von Uwe Schindler. Dieser hatte bis zum Sommer 2013 den Kiosk am See sowie eine Bungalowanlage mit 21 Häusern am Kamernschen See betrieben. Zwei Jahre vor der Flut hatte er das Bungalowgelände erworben. Das Deichbruchwasser aus Fischbeck vernichtete schlagartig seine Existenz. Da auch seine Lebensgefährtin Petra Wabbel mit im Geschäft war, sind beide seitdem auf Sozialhilfe angewiesen.

Derzeit sind fünf Bungalows fast fertiggestellt, statt ehemals drei bieten sie nun jeweils vier Gästen Platz. Im Innern ist noch einiges zu erledigen, die Möbel müssen zusammengeschraubt oder Fenster und Türen eingebaut werden. Wegen der Brandschutzbestimmungen dürfen auf dem Areal mit Blick auf den See auch keine 21 Bungalows mehr errichtet werden - in Sachsen-Anhalt ist ein Mindestabstand von sechs Metern vorgeschrieben. Seltsamerweise ist dieser Abstand im Nachbarland Brandenburg weit geringer...

Obwohl das Paar kein Einkommen hat, kann es das Gewerbe nicht zwischendurch abmelden, vierteljährlich muss darum die Steuerabrechnung erfolgen - auch das kostet Geld. Zwar ersetzte der Staat 80 Prozent der Flutschäden, doch blieb Uwe Schindler immer noch ein Eigenanteil von 20 Prozent, für ihn eine enorme Summe. Genug Spenden flossen zwar für sein Wohnhaus, in dem das Paar mit der Mutter lebt, doch bei Unternehmern waren die Spendengeber weit zurückhaltender.

Auch für seinen Kiosk sieht die Zukunft noch düster aus. - Uwe Schindler weiß nicht, wann und wie es dort mit der Badestelle weitergeht. Eines jedoch ist sicher: "Auf einer Baustelle geht doch keiner baden!" Doch von den Einheimischen allein kann der Kiosk nicht existieren, Badegäste sind dringend nötig: "Es geht um unsere nackte Existenz!"

Um wenigstens einige Einnahmen zu haben, sollen ab Ostern die Bungalows vermietet werden - an treue Gäste aus Berlin, die "Osterhasen". Auch gibt es weitere Anmeldungen, vor allem von Familien.

Mehr Glück gehabt hatte Stefanie Wischer, die nebenan das "Grüne Haus" betreibt. Das Einkommen ihres berufstätigen Mannes sicherte der Familie, die ebenfalls alles verloren hatte, die Existenz. Spenden kamen nach der Flut auch von den Johannitern. Inzwischen ist die Umweltbildungseinrichtung fast komplett saniert, über 3500 Übernachtungen hat sie im Jahr.

Ein Baum für jeden Helfer

Der Bischof hatte sich tags zuvor auch in Schönhausen umgesehen. Er besuchte hier Frank Guderjahn, der für jeden seiner Fluthelfer einen Baum gepflanzt hatte sowie die Firma Thermoplast, die ein Jahr Produktionsausfall verkraften musste. In Schönhausen bietet die katholische Caritas als Flutnachsorge Kunsttherapie an - viele Betroffene leiden immer noch an einer enormen psychischen Belastung.

Verbandsbürgermeister Bernd Witt mahnte bei Uwe Schindler, dass solche Härtefälle von der Landesregierung anders behandelt werden sollten. Beispielsweise mit großzügigeren Regelungen - Geld ist im Fluthilfefonds schließlich noch genügend vorhanden.