Das 17. Altmärkische Heimatfest ist abgesagt. Der Verbandsrat hat am Mittwochabend mehrheitlich einen Schlussstrich unter die seit über einem Jahr laufenden Planungen gezogen.

Elbe-Havel-Land l Nachdem am Abend zuvor bereits die Gemeinde Schönhausen mehrheitlich für die Absage gestimmt und damit auch ihre 14000 Euro Beteiligung zurückgezogen hatte, war auch die Mehrheit im Verbandsrat dafür, das Fest ausfallen zu lassen. Zwölf Abgeordnete stimmten für die Absage, vier dagegen.

Verwaltungsleiter Hans-Dieter Sturm hatte zum Einstieg in die Diskussion noch einmal die Beweggründe dargelegt. Parallelveranstaltungen wie die MDR-Sommerparty und eine kreisliche Feuerwehrveranstaltung in Havelberg sowie der Sparkassen-Cup in Osterburg, personelle Probleme im Verwaltungsamt und wegen der weniger zu erwartenden Besucher befürchtete Mindereinnahmen hätten die Verwaltung zu dem Entschluss geführt, der Gemeinde Schönhausen und der Verbandsgemeinde als gemeinsame Gastgeber die Absage zu empfehlen.

"Mit einer Absage stellen wir uns ein Armutszeugnis aus."

Silvio Wulfänger

Auch die beiden Landkreise Stendal und Salzwedel seien informiert. Als Ersatz werde es am 3. Juli eine Fachtagung zu Bismarcks 200. Geburtstag geben, organisiert vom Landkreis Stendal und dem Altmärkischen Heimatbund. Denn das Heimatfest sollte gerade wegen des Jubiläumsjahres des ersten deutschen Reichskanzlers in Schönhausen stattfinden.

Landrat Carsten Wulfänger bedauert die Absage, "aber sie ist zu verstehen. Dass die Folgen der Flut so erheblich sind, war nicht absehbar, dazu kommen die Personalprobleme." Ob schon 2016 das 17. Altmärkische Heimatfest in einer noch zu suchenden Gemeinde oder Stadt stattfindet oder im Rhythmus bleibend 2017, wird noch entschieden.

Silvio Wulfänger hielt ein leidenschaftliches Plädoyer für das Fest. "Mit einer Absage stellen wir uns ein Armutszeugnis aus und blamieren uns bis auf die Knochen! Auf der letzten Ratssitzung im Dezember wurde mit keinem Wort erwähnt, dass es Schwierigkeiten gebe und Jenny Freier hat noch über den aktuellen Stand der Arbeitsgruppen informiert. Was hat sich in dieser kurzen Zeit verändert? Dass im Buga-Jahr an jedem Wochenende in Havelberg etwas los ist, war doch von Anfang an klar. Außerdem hat die MDR-Sommerparty eine ganz andere Zielgruppe." Selbst wenn nur halb so viele Besucher kämen, entstünde ein Minus, das im Haushalt ausgeglichen werden könne. "Seit Jahren reden wir davon, den Tourismus zu fördern. Jetzt haben wir die Chance und stattdessen stehen wir als unzuverlässige Partner da - das ist eine Bankrotterklärung! Das Fest sollte vor allem auch die Verbindung der Menschen hier im Elbe-Havel-Land darstellen, ich war stolz, Gastgeber zu sein."

Holger Borowski aus Schönhausen applaudierte. "Trotz dieser widrigen Umstände sollten wir die Ärmel hochkrempeln und uns der Herausforderung stellen."

Auch Henry Wagner aus Sandau zeigte Unverständnis für die plötzliche Absage, "das Fest wäre eine gute Gelegenheit zu zeigen, wie viel wir hier nach der Flutkatastrophe schon wieder erreicht haben".

"Verwaltung soll sich auf Kernaufgaben konzentrieren!"

Sebastian Heinike

Caren Pfundt aus Wulkau sei zwar im Juni 2013 erstaunt gewesen, dass so ein Fest so verhältnismäßig kurz nach der Flut gefeiert werden soll. Aber sie konnte sich damit arrangieren, "und wenn man etwas zusagt, dann muss man es auch durchziehen".

Für Wolfgang Gehrke aus Hohengöhren sind die Begründungen der Verwaltung plausibel. "Mit einem Fest, das nicht den Ansprüchen genügt, blamieren wir uns." Auch für Arno Brandt aus Kamern wäre es ein Armutszeugnis, wenn die Besucher an Schönhausen vorbei zur Buga fahren. Und für Helga Paschke aus Klietz ist die Absage zwar unangenehm, "aber das Bild wäre auch verheerend, wenn wir uns mit dem Fest blamieren". Uwe Brendel aus Klietz schlug vor, das Fest vielleicht um eine Woche zu verschieben, denn wegen des Feuerwehrausscheids in Havelberg seien viele Kameraden dort gebunden und stünden in Schönhausen nicht zur Verfügung. Eine Woche später allerdings ist Strandfest und Hochwasser-Dankeschönfest in Kamern.

Sebastian Heinike aus Schollene findet es ehrlich von der Verwaltung, sie habe die Organisation auf dem Tisch und den besten Überblick. Wie Jenny Freier bestätigte, sei der Zuspruch der Vereine zur Beteiligung am Festumzug bisher nicht so groß. "Die Verwaltung sollte sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren. Nur, um nach außen ein gutes Bild zu wahren, müssen wir das Fest nicht durchziehen."

Schönhausens Bürgermeister Alfons Dobkowicz, Gast auf der Sitzung, nannte auch noch einmal die Beweggründe. Es komme auch nicht in Frage, in abgespeckter Form oder ein Jahr später zu feiern. Vom Landkreis finde er es unmöglich, den Feuerwehr-Termin auf den des Heimatfestes zu legen. Und er stellte klar, dass die finanziellen Mittel der Gemeinde Schönhausen, 14000 Euro, nicht mehr zur Verfügung stehen. 6000 Euro wollte die Verbandsgemeinde dazusteuern, 5000 Euro der Landkreis Salzwedel und 10000 Euro der Landkreis Stendal. Das restliche Geld bis zu den geschätzten 65000 Euro Gesamtkosten sollte durch Eintritt und Standgebühren eingenommen werden.