Ein Generationenhaus soll laut den Plänen des KulTour-Vereins in Hohenkamern entstehen. Probleme bereitet hier jedoch der Denkmalschutz.

Hohenkamern l Hohenkamern war einst ein Rittergut derer von Katte. Noch immer zeugt davon das Schloss, welches Friedrich Wilhelm Otto von Katte 1859 mit spätklassizistischen Formen und im spätbarocken Backsteinstil errichten ließ. Zum Schloss gehörten natürlich auch ein Park sowie diverse Stallungen.

In einen dieser einstigen Kuhställe soll nun wieder Leben einziehen - so plant es jedenfalls der Kamernsche KulTour-Verein um Günter Klam. Ein Generationenhaus soll hier entstehen, unten mit vier barrierefreien Wohnungen für Senioren. Im Obergeschoss sollen vier Familien unterkommen - wozu auch der Spitzboden ausgebaut wird. Geplant sind zudem eine Begegnungsstätte mit einer Cafeteria. Diese soll in Form eines zwölfeckigen Pavillons vor dem Haus entstehen - die Zwölf steht für die Anzahl der Monate.

Ein Teil des Stalles ist bereits bewohnt- so wie auch andere ehemalige Stallungen in Hohenkamern. Denn wegen der vielen zerstörten Häuser im letzten Krieg war Wohnraum Mangelware, jeder Neusiedler war froh, wenn er ein Dach über dem Kopf hatte. Dieser Umstand sicherte auch das Überleben des Schlosses. Dem Turm war allerdings nicht mehr zu helfen - er wurde abgerissen, da die Steine für den Umbau der Ställe und Scheunen benötigt wurden.

Das alles geschah nach dem Jahre 1945, das Aussehen von Hohenkamern änderte sich dadurch und mit dem Turmabriss enorm. Um so erstaunter waren die Hohenkamernschen, als ihnen im Sommer des Vorjahres Post vom Landkreis ins Haus flatterte: Das Gut Hohenkamern werde vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie "in seiner Sachgesamtheit" unter Denkmalschutz gestellt.

"Diese Unterschutzstellung ist für mich wie eine Enteignung."

Hannelore Schimschok

Dagegen regte sich im Ortsteil Widerstand. Insgesamt 16 Anwohner unterzeichneten im Oktober eine Beschwerde gegen die Denkmalschutzbehörde. Die Unterschutzstellung sei für sie eine unzumutbare Belastung sowie ein Hindernis bei der Zukunftsplanung. Die fachliche Beurteilung zur Sachgesamtheit sowie zum Zentralobjekt - dem Schloss - könne nicht nachvollzogen werde, die Anzahl der unter Schutz gestellten Gebäude sei überzogen. Verwiesen wird dagegen auf den Turm, wo bereits 1991 ein Antrag auf Wiederaufbau abgeschickt worden war.

Die Verfasser befürchten, dass nicht nur das geplante Generationenhaus mit seinen sechs bis acht Arbeitsplätzen auf der Strecke bliebe, sondern auch private Vorhaben.

Auch Anwohnerin Ruth Hartmann hatte unterschrieben. Sie möchte eigentlich einen Wintergarten anbauen und befürchtet, dass so etwas an einem Denkmal schwer möglich sei. Auch ihre Wohnung ist ein nach dem Krieg umgebauter Stall, 1974 kamen vorn die Terrasse sowie neue Fenster und Heizung hinzu - vom einstigen Stall ist hier nichts mehr zu erkennen. "Ich werde wohl mein Haus dann auch schlecht verkauft bekommen", blickt sie voraus.

Diese Bedenken hegt auch ihre Nachbarin Hannelore Schimschok, das Ehepaar will das Haus einmal an den Enkel verkaufen. "Er muss es dann so umbauen, wie es vom Denkmalschutz vorgegeben wird", befürchtet die Seniorin, dass der Enkel dann sicher nicht hier herziehen würde. Bis jetzt haben sie alles vom eigenen Geld finanziert, diese Unterschutzstellung empfindet sie wie eine Enteignung.

Seit 1990 war in Sachsen-Anhalt mit der Erfassung der Denkmäler begonnen worden - und zwar in Form einer Schnellinventarisierung. Danach erfolgt nun nach und nach die vertiefende Erfassung, hieß es in einer Antwort des Landrates auf die Beschwerde. Das Herrenhaus wurde bereits 1997 als Kulturdenkmal gewidmet und ins Verzeichnis eingetragen, dieses und die Wirtschaftsgebäude gehören nun zum "Gut Hohenkamern in seiner Sachgesamtheit". Diese Ausweisung obliegt der Landesbehörde, die Kreisbehörde muss lediglich die Betroffenen benachrichtigen - ohne diese vorher anzuhören.

Vorgeschlagen wurde auch ein Vor-Ort-Termin, dieser sollte am Donnerstag stattfinden. Doch sagte der Landkreis den Termin wegen Erkrankung der zuständigen Denkmalpflegerin ab. Günter Klam begab sich dennoch nach Hohenkamern, um seine Pläne der Presse vorzustellen.

Vielleicht war er es auch gewesen, der mit diesen Plänen die "schlafenden Hunde" erst geweckt hatte? Denn auch der einstige Kuhstall gehört zum schützenswerten Ensemble. Es gab somit zusätzliche Auflagen, welche den Verein weitere 2000 Euro kosteten: Das Bauvorhaben musste "visualisiert" und die angrenzenden Linden vermessen werden, wegen des Gesamtbildes. - Diese sind übrigens schon arg krank, wer weiß, wie lange sie noch stehen bleiben können.