Die Übergabe des Bernsteinzimmers beim Treffen des russischen Zaren Peter I. und des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. im Jahre 1716 in Havelberg will die Hansestadt künftig besser bekannt machen. Anlässlich der Buga wurde ein Wettbewerb ausgelobt. Das Denkmal steht kurz vor seiner Vollendung.

Havelberg l Anton Schumann war einer der Studierenden der Kunsthochschule Burg Giebichenstein, deren sechs Entwürfe zum Thema "Die Übergabe des Bernsteinzimmers in Havelberg" in die nähere Auswahl kamen. Die Jury entschied sich für seine Idee, Zar Peter und Preußenkönig Friedrich Wilhelm als lebensgroße Figuren auf dem Domplatz zu platzieren. Doch ging es Anton Schumann von vornherein nicht allein um die Darstellung des Treffens der beiden Herrscher, sondern auch um die Förderung von Kunst.

Volksstimme-Leser haben die Wahl

Deshalb bekommen Zar und König, die im November 1716 in Havelberg wegen der antischwedischen Koalition zusammentrafen und als Gastgeschenke das Bernsteinzimmer und die "Langen Kerls" tauschten, einen Automaten in ihre Brust. Aus diesem können die Besucher sich jeweils drei verschiedene Kunstkarten zum Preis von je zwei Euro ziehen.

Welche das sein werden, entscheiden die Leser der Volksstimme. Anton Schumann hatte neben seiner Arbeit an den beiden Figuren einen Kunstkarten-Wettbewerb ausgelobt. Deutschlandweit schrieb er ihn im Auftrag der Hansestadt etwa in Kunsthochschulen und beim Bund bildender Künstler aus. Das Thema lautete Begegnung. Dabei war der historische Hintergrund ebenso gefragt wie das, was sich daraus unmittelbar ableitet wie Gaben, Geschenke, Bernsteinzimmer und Soldatengarde. Für jedes der sechs Motive, die gedruckt werden, erhält der jeweilige Künstler ein Preisgeld von 1500 Euro.

80 verschiedene Motive sind eingegangen. Hier hatte sich Anton Schumann eine größere Resonanz gewünscht. "Aber das Thema ist schon sehr speziell und nicht jeder findet den Zugang dazu", hat er die Hoffnung, dass bei einem nächsten Kunstwettbewerb zu einem anderen Thema die Auswahl größer sein dürfte.

Die Auswahl von 18 Motiven, aus denen die Volksstimme-Leser nun die sechs Favoriten finden sollen, hat der 28-Jährige gemeinsam mit seinem Professor und seiner Klasse an der Kunsthochschule vorgenommen. "Am Ende haben wir uns dazu entschieden, eine Vorauswahl zu treffen, welche eine möglichst große Vielfalt aufweist, damit es auch ein bisschen was zum Diskutieren gibt."

Die Einzelteile der Figuren sind zum großen Teil gegossen. Demnächst werden die Automaten eingepasst, die sich hinter den Brustplatten befinden. Dann wird alles zusammengepunktet. Bei den Automaten setzt Anton Schumann auf die rein mechanisch funktionierende und robuste Technik der einstigen Marke "Turban" aus den 1930er Jahren. Einen Produzenten hatte er dafür gefunden. Nach dem Zufallsprinzip spuckt der Automat für ein Zwei-Euro-Stück eine Kunstkarte samt Umschlag aus.

Weitere Kunstförderung ist möglich

Dass es mindestens einen weiteren Kunstwettbewerb geben wird, davon ist der junge Mann überzeugt. Denn zur Buga werden sicher viele Leute Kunstkarten zur Erinnerung kaufen. Überlegt wird noch, ob es auch einen Stempel mit einem Havelberg-Logo geben soll. Der Druck der Karten und Betrieb der Automaten finanziert sich über den Kartenverkauf. Sein Wunsch ist es, dass sich die Havelberger mit diesem Kunstprojekt identifizieren. Er sieht darin eine große Chance, Kunst und vor allem junge Künstler zu fördern. Alle zwei Jahre könnte Havelberg einen Kunstpreis stiften, wenn rund 6000 Karten pro Jahr verkauft werden.

Ihm selber hat die Arbeit am gesamten Projekt jede Menge Spaß gemacht. Dass er sich dafür neben seinem Studium selbständig machen musste und als Arbeitgeber auftritt, ist eine gute Erfahrung.

Die ersten neun zur Wahl stehenden Kunstkarten finden Sie auf unserer Seite 20.