Havelberg l Dass es in Havelberg zur Bundesgartenschau einen erhöhten Bedarf an Arbeitskräften im Dienstleistungsbereich gibt, ist schon seit längerem klar. Jobcenter und Arbeitsagentur haben im Dezember ein extra Büro eröffnet, um dem Bedarf entsprechen und Arbeitgeber und Arbeitnehmer schnell zusammenbringen zu können. Damit Arbeitsvermittlungen nicht daran scheitern, dass Eltern nicht wissen, wo sie ihre Kinder betreuen lassen können, hat die Stadtverwaltung vorgeschlagen, in den 177 Tagen Buga auch an den Wochenenden und an Feiertagen eine Kita-Betreuung anzubieten. Dafür ist eine Satzungsänderung erforderlich, über die der Stadtrat zu entscheiden hat.

Die Beschlussvorlage stand am Montagabend im Kultur- und Sozialausschuss zur Debatte. Vorgesehen ist, die Kita "Regenbogen", in der auch Krippenkinder im Alter von unter zwei Jahren betreut werden können, bei Bedarf an Wochenenden und Feiertagen von 8 bis 18 Uhr zu öffnen. Eltern müssen sieben Tage vorher einen Antrag stellen und nachweisen, dass keine Betreuung durch Partner/Partnerin machbar ist.

Es besteht die Möglichkeit, dass insbesondere das Servicepersonal Bedarf der Kinderbetreuung an Wochenenden haben könnte, heißt es in der Beschlussbegründung. Denn insbesondere an den Wochenenden werde es zu einem überdurchschnittlichen Personaleinsatz bei den touristischen Dienstleistern kommen.

Einem solchen Beschluss müssen auch die Elternkuratorien zustimmen. Von dort gab es die ersten Fragen. Die Essenversorgung wird geklärt, beantwortete Evelin Bullwan aus dem Hauptamt die wohl einfachste Frage. Was dann folgte, ließ sich nicht mit klaren Zahlen und Fakten beantworten. Da die Satzung dann für alle rund 350 Kinder in der Einheitsgemeinde gilt, könnten auch Krankenschwestern und Pflegedienstleistende die Wochenendbetreuung nutzen - einige meinten in der Sitzung, dass eine solche Sonderregelung ungerecht gegenüber all jenen ist, die grundsätzlich an Wochenenden arbeiten müssen. "Ich rechne nicht damit, dass wir Massen von Kindern betreuen müssen", sagte Evelin Bullwan.

Eine andere Frage war die nach den Kosten. Die Eltern sollen nicht zusätzlich belastet werden, sondern laut Satzung ganz normal die Beiträge entrichten. Auch welche Mehrkosten für die Stadt etwa durch Sonntags- und Feiertagsdienste für die Erzieher entstehen könnten, lasse sich heute noch nicht sagen. Davon, dass zusätzlich Personal eingestellt werden müsste, sei zunächst nicht auszugehen. Denn es gibt Erzieher in Teilzeitbeschäftigung, deren Stundensatz hochgestuft werden könnte.

"Keiner von uns weiß heute, wie der Bedarf sein wird."

"Keiner von uns weiß heute hundertprozentig, wie der Bedarf sein wird und wie die Eltern auf das Angebot reagieren. Wir wollen den Arbeitnehmern entgegen kommen und darauf vorbereitet sein", machte Kämmerin Petra Jonschkowski auf die besondere Situation 177 Tage Bundesgartenschau aufmerksam. Nach einigem Hin und Her, Antrag auf Rückverweisung des Beschlusses, Pause, Beratung und dem Vorschlag auf Einladung von Iris Warnstedt vom Jobcenter zur Hauptausschusssitzung wurde der Beschlussvorlage mehrheitlich zugestimmt.

"Es wird Leute geben, die sieben Tage in der Woche arbeiten", sagte Iris Warnstedt gestern im Gespräch mit der Volksstimme. Seit Ende des Jahres sind sie und ihre Kollegen intensiv dabei, die Stellen mit Arbeitskräften zu besetzen. Auf dem ersten Arbeitsmarkt laufe das bisher ganz gut. Für den Caterer sind momentan die Stellen besetzt. Allerdings gibt es auch eine Fluktuation, weil sich Leute auch wieder abmelden, wenn sie eine andere Stelle gefunden haben.

Für die AGH-Maßnahmen auf dem zweiten Arbeitsmarkt laufen Ende Februar die Informationsgespräche an. Leute, die etwa im Prignitz-Museum, im Dom und in der Touristinfo eingesetzt werden, müssen auch an den Wochenenden arbeiten. "Ich kann nicht einschätzen, wie viele davon Eltern mit kleinen Kindern sein werden, aber ich würde die Flexibilität der Stadt in der Kinderbetreuung begrüßen. Die Buga ist eine besondere Situation. Es wäre schade, wenn wir Stellen nicht besetzen können, weil die Betroffenen Kinder haben, für die sie keine Betreuung finden."

Es bleibt abzuwarten, wie sich der Hauptausschuss am Montag entscheidet. Das letzte Wort hat der Stadtrat, dessen nächste Sitzung für den 12. März geplant ist.