Salzwedel/Havelberg l Vor den vielen Gästen im Kreiskulturhaus wurden aber nicht nur die "Altmärker des Jahres" auf die Bühne gebeten, sondern alle 2014 mit dem "Blumenstrauß des Monats" Geehrten. In ihrer Laudatio auf Erika Gorges sagte Redaktionsleiterin Andrea Schröder gestern Abend:

Ideenreichtum, Geduld, Begeisterung, Durchsetzungs- und Durchhaltevermögen sind Eigenschaften, die man braucht, um mit vielen Gleichgesinnten zum Beispiel in einem Heimatverein zum Ziel zu kommen. Bekanntlich sind es ein oder mehrere Macher, die die Route vorgeben und andere mitziehen. Im Schollener Heimatverein gehört Erika Gorges zu diesen Machern. Seit bald 20 Jahren lenkt sie die Geschicke mit, gibt dem Verein ihre Handschrift. Zwei Wahlperioden lang sogar als Vorsitzende. Viel Energie steckt in der inzwischen 76-Jährigen, die immer noch nicht müde ist, vorzubereiten, zu organisieren, zu begeistern, zu überzeugen. Das zeigte sich dann auch bei der Wahl des "Havelbergers des Jahres 2014", wo es Erika Gorges schaffte, mit ihrem Engagement die meisten Stimmen auf sich zu vereinen. 377 der insgesamt 791 Stimmen aus der Elb-Havel-Region entfielen auf die Schollenerin.

Erfolg geht meist immer nur im Team. Und deshalb nennt der Vorsitzende des Heimatvereins Schollene Fred Bebenroth auch Jürgen Repp und Gerd Poro, die ebenfalls stets zur Stelle und immer bereit sind, zu organisieren und zuzupacken. "Ohne unsere engagierten Rentner würde die Arbeit gar nicht funktionieren", ist er dankbar.

Und Arbeit gibt´s genug. Allein, um die Museumsscheune in Schuss zu halten und sie an vielen Wochenenden für Besucher zu öffnen. Die Einrichtung mit vielen Dingen, die an das Leben und Arbeiten unserer Großeltern und Urgroßeltern erinnern, gehörte zum ersten großen Projekt, das sich die Schollener mit der Gründung des Heimatvereins im Jahr 1996 vorgenommen hatten. Da waren es noch zwei Jahre bis zur 1050-Jahr-Feier der Seegemeinde. Damals ging es um die Einrichtung eines Heimatstübchens im Kellergewölbe der alten Brauerei. Viele Schollener überließen dem Heimatverein gern ihre Erinnerungsstücke als Dauerleihgaben. Mit dem Verkauf der Brauerei musste das Heimatstübchen jedoch bald schließen. Doch das hieß noch lange nicht, dass die Schollener ihre Idee aufgaben. Dann wird´s eben eine Museumsscheune, in der diverse Exponate von Leben und Wohnen, Landwirtschaft, Handwerk und Gewerbe aus längst vergangenen Zeiten künden. Was sich hier so schnell erzählen lässt, bedeutete viele, viele Stunden Arbeit. Etwa, um die vielen Museumsstücke wieder zusammenzutragen, sie zu säubern, teilweise zu entschimmeln und zu entrosten. Es gab so manchen Tag, an dem Erika Gorges, Jürgen Repp, Gerd Poro und weitere Helfer beinahe verzweifelten und nicht glaubten, all die Arbeit zu schaffen.

Geschichte erlebbar machen die Mitglieder des Heimatvereins auch mit der restaurierten Mühle. Alle zwei Jahre wird zu Pfingsten dort ein Fest gefeiert. Und wer ansonsten das gegenüber vom See auf dem Mühlberg gelegene Denkmal besichtigen möchte, kann sich an den Heimatverein wegen einer Führung wenden.

Weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt ist Schollene auch für seinen Weihnachtsmarkt am Schloss. Hier hält Erika Gorges die organisatorischen Fäden in ihren Händen und kümmert sich zum Beispiel darum, dass die Besucher an 25 Buden und Ständen reichlich Auswahl an Naschwerk sowie attraktiven Geschenk- und Dekorationsartikeln haben. Da kommen ihr auch ihre Erfahrungen als einstige Leiterin im Vario-Kauf Schollene zugute.

Angefangen bei den Kindern und Jugendlichen bis hin zu den Senioren - Erika Gorges kennt viele Leute in ihrem Geburtsort und unterstützt, wo sie kann. Kein Wunder, dass etwa die Mitglieder des Jugendklubs ihr gern ihre Stimme für die Wahl zur "Havelbergerin des Jahres" gaben. Viele kennen sie bestimmt schon von den Bastelnachmittagen, die der Heimatverein für Grundschüler anbot. Bei Seniorenfesten kann sich Erika Gorges auf ihren Mann Karl-Heinz verlassen, der als einstiger Musiklehrer am Havelberger Gymnasium für das Kulturprogramm sorgt.

"Unser Dorf lebt von den Vereinen", sagt Bürgermeister Armin Wernicke. Deshalb unterstützt die Gemeinde die Aktivitäten gern mit Personal und Material, wenn es möglich ist. Nicht nur er ist froh, dass es Leute wie Erika Gorges gibt, die ihre Freizeit zum Wohle aller opfern. "Erika Gorges ist sehr aktiv, macht viel und bringt die Leute in Gang."

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