Die schlimme Flutkatastrophe hat auch in Kamern viele Spuren hinterlassen. Wie sie beseitigt werden und was noch geplant ist, darüber sprach Ingo Freihorst mit Bürgermeister Arno Brandt.

Volksstimme: Allerhand Schäden waren in und um Kamern durch die Flut zu verzeichnen. Welche sollen in diesem Jahr beseitigt werden?

Arno Brandt: Für den Wiederaufbau des Jugendklubs läuft derzeit die Projektierung für die Genehmigungs- sowie die Ausführungsplanung. Parallel dazu wird die Ausschreibung vorbereitet. Auch die Badestelle soll saniert werden, was aber erst nach der Saison erfolgen soll. Wir als Gemeinde wollen versuchen, zu Saisonbeginn im Mai den Badebetrieb wieder aufzunehmen, das Problem sind die Schlammablagerungen durch die Flut. Die Vorbereitungen zur Analyse des Schlammes laufen, dann wird ein Konzept zur Entschlammung erarbeitet. Alle Schäden gleichzeitig abzuarbeiten, ist nicht möglich - es müssen Kriterien beachtet werden: Was sind wichtige Infrastrukturprojekte im Innenbereich, wofür sind Förderbescheide erteilt? Wichtig ist auch die Koordination mit anderen Maßnahmen.

Rege Diskussionen gab es zum Campingplatz Schönfeld, wie ist dort der Stand?

Der Freizeitbereich Schönfeld am See, wie er jetzt amtlich heißt, ist mit unser größtes Sorgenkind. Der erzwungene Neustart nach der Flut wurde genutzt, um den längst überfälligen Bebauungsplan aufzustellen. Damit wird auch dem Brandschutz Genüge getan. Nach einer erneuten Schadensanalyse am flutgeschädigten Trinkwasser- und Abwassernetz können hierfür konkrete Sanierungssummen benannt werden. Diese Planung ist nun in Arbeit. Für die Gaststätte läuft jetzt die Ausschreibung, jene für das Sanitärgebäude und die Anmeldung samt Werkstatt sind bereits abgeschlossen. In diesen Tagen gehen die Aufträge raus.

Wie steht es mit der Sanierung der Straßen in den Orten?

Für die Straße Am See haben wir noch keinen Förderbescheid erhalten, mitten in der Badesaison wären Bauarbeiten dort aber auch schlecht denkbar. Einige Straßen in Kamern, Wulkau und Schönfeld sind durch die schwere Technik bei der Bekämpfung der Flutkatastrophe ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen worden. Das Bauamt in Sandau hat also ordentlich zu tun.

Noch immer nicht wieder hergestellt ist der Radweg von Kamern nach Wulkau.

Hier hat sich herausgestellt, dass die Trübengrabenbrücke komplett saniert werden muss, ihre Widerlager haben sich verschoben, als über sie das Deichbruchwasser aus Fischbeck hinwegströmte. In Vorbereitung ist der Ersatzneubau der Überfahrt über den Land- und Weidegraben in Schönfeld, in der Gemarkung wurde zudem noch ein Durchlass mit in die Schadensliste aufgenommen.

Einige der Flutschäden wurden schon abgearbeitet...

Im Vorjahr wurden in Kamern die Fußböden in der Feuerwehr und der Turnhalle saniert, ebenso die Gemeindescheune. Die Sanierung des Sportplatzes ist in Arbeit, hier gibt es aber komplizierte Regularien, um Fördergeld zu beantragen.

Wie sieht es mit dem Hof der Kindertagesstätte aus?

Die Arbeiten gehen im Frühjahr los, sobald das Wetter offen ist. Die Ausschreibung ist durch, eine Firma aus Havelberg erhielt den Zuschlag für die Spielplatzgestaltung.

"Die Arbeiten auf dem Hof der Kindertagesstätte gehen los, sobald das Wetter offen ist."

Vor kurzem gab es Beschwerden von Anwohnern des Birkenweges - dort waren schwere Baufahrzeuge entlang gefahren.

In unserer Gemarkung werden bis hin nach Warnau und Neukamern Betonspurbahnen verlegt. Zuerst mussten jedoch die alten Betonplatten aufgenommen werden, deshalb der Schwerlastverkehr im Birkenweg - da kann ich die Anwohner nur um Verständnis bitten. Nahe Rehberg ist der Wegebau in Richtung Havel und Havelradweg schon weit fortgeschritten, der Unterbau ist größtenteils fertig, auch wurden schon teilweise Betonspurbahnen gefertigt. Anschließend werden Wege nahe Wulkau und Schönfeld saniert - das ist aber abhängig von den Förderbescheiden.

Bald kann man also durch die Gemarkung bis nach Garz oder Warnau auf glatten Wegen radeln. Wann folgt der Radweg von Hohenkamern nach Rehberg?

In Zusammenarbeit mit dem KulTour-Verein und dem zuständigen Straßenbauamt soll das Vorhaben ins kommende Leader-Programm aufgenommen werden.

In Schönfeld trafen Sie sich kürzlich mit Ratsmitgliedern aus dem Ortsteil und Bürgern - was war der Grund?

Wir beratschlagten, wie man Schönfeld attraktiver machen kann. Denn aktuell stehen hier immerhin 16 Grundstücke leer - und das bei etwa 190 Einwohnern! Die Aufwertungen des Spielplatzes sowie der Internetanbindung, welche hier arg schlecht ist, wurden als Vorschläge genannt. Auch der Dorfplatz könnte gestaltet und in der Dorfstraße Bäume angepflanzt werden. Eine relativ unkomplizierte und preiswerte Aufwertung von Schönfeld wäre die Begrünung der unschönen Verkehrsinsel an der Bushaltestelle, doch war das Vorhaben gleich abgelehnt worden und vor kurzem zum Vor-Ort-Termin keiner der Verantwortlichen erschienen. Solche Runden mit den Bürgern sind übrigens auch in den anderen Ortsteilen geplant - wenn man die Probleme kennt, können Fördergelder beantragt werden. So können wir hoffentlich der demografischen Entwicklung etwas entgegenwirken. In Kamern sind zum Verkauf stehende Grundstücke übrigens immer rasch vergeben.

Wie steht es in diesem Jahr um die Finanzen?

Die Schönhauser Kämmerei hat sich zum Ziel gesetzt, unseren Etat bis zum Mai zu erstellen. Die von uns an die Verbandsgemeinde und den Landkreis zu zahlenden Umlagen sind wieder gestiegen, die Zuweisungen vom Land wurden im Gegenzug aber drastisch gekürzt. Somit sind wir als Gemeinde finanziell noch weniger beweglich. Bund und Land sind nicht in der Lage, die Kommunen so auszustatten, dass deren Bürgern in etwa gleichmäßige Lebensbedingungen geboten werden können. Wir hier haben nur ein Zehntel vom Steueraufkommen anderer Kommunen. Die schwarze Null in den Etats von Bund und Land zahlen die Kommunen und deren Bürger.

Trotz des weiter bestehenden Sparzwanges sind seit kurzem die Straßen überall in Kamern wieder heller.

Die 330 sparsamen LED-Lampen konnten wir kaufen, indem wir unseren Haushalt im Vorjahr umschichteten. Die Umrüstung der Straßenlampen ist bis auf einzelne Stellen sowie die B107 in Schönfeld abgeschlossen - dort wird eine Hebebühne benötigt, deren Einsatz wir mit anderen nötigen Arbeiten verbinden wollen.

"Unser Strandfest soll eine Dankeschönparty für alle Fluthelfer und Spender werden."

Vor kurzem war ja auch Baustart für die geplante Freie Schule in Kamern.

Wenn das Vorhaben gelingt, ist es eine schöne Sache, die ich nur begrüßen kann. Es wäre ein enormer Zugewinn für die Attraktivität von Kamern.

Im Vorjahr war das Strandfest wegen der Flutschäden ausgefallen, dafür wird es in diesem Jahr etwas größer aufgezogen...

Unser Strandfest am 11. Juli ist ein kultureller Höhepunkt, denn es soll zugleich eine große Dankeschönparty für alle Spender und Fluthelfer werden. In der gesamten Gemeinde sind von den Einwohnern und den auswärtigen Helfern im Juni 2013 große Anstrengungen unternommen worden, um die gewaltigen Wassermassen zu bändigen. Es kam aber leider auch zu einigen Missverständnissen bei der Koordinierung des Katastrophenschutzes - diese sollen nun endlich beigelegt werden. Darum bitte ich auch alle Ortsteile, sich bei der Vorbereitung mit einzubringen, schließlich wurden ja die Spenden auch überall verteilt. Eine erste Zusammenkunft dazu ist in Kürze vorgesehen, zum Beispiel müssen Übernachtungen der Gäste organisiert werden. Geplant ist zum Fest eine Fotodokumentation von der Flut. Dazu werden noch Fotos gesucht - aus allen betroffenen Orten. Wer helfen will oder Betten anbieten möchte, kann sich ebenfalls im Gemeindebüro melden.

Auf welche weiteren Feste können sich die Bürger in diesem Jahr freuen?

In Neukamern wird am Ostersamstag wieder das Feuer auf dem Aschkavelberg brennen, ein Osterfeuer gibt es auch in Schönfeld. Der Hedemickenlauf findet dieses Jahr bereits im Juni statt. Der Kinosommer wird am 8. August im Zelt stattfinden, denn das Kino wird im Zuge der Flutschadensbeseitigung im Innern saniert und neu ausgestattet. Das Dorffest in Wulkau ist am 27. Juni, im Oktober ist wieder eine große Rassekaninchenschau in Kamern geplant. Und am 11. November beginnt dann in Wulkau und Kamern wieder die närrische Zeit - und beide Klubs feiern ein rundes Jubiläum: Der KKK wird 30 und der WKC sogar schon 50 Jahre alt.

Der Aufbau des Jugendklubs am Kamernschen See ist die eine Seite, ist denn für dieses Jahr auch weiterhin die Betreuung gewährleistet?

Die entsprechenden Verträge mit dem Jugendzentrum Havelberg habe ich für dieses Jahr bereits unterschrieben - die Jugendarbeit in Wulkau und Kamern ist also gesichert.

In diesem Jahr findet die Bundesgartenschau ganz in der Nähe statt, hat sich auch Kamern darauf vorbereitet?

In Kamern, Rehberg, Wulkau und Neukamern haben unsere Gemeindearbeiter zwischen 7000 und 8000 Blumenzwiebeln gesteckt, in Schönfeld hatte dies Sven Bünger mit einigen Helfern übernommen. Aus Flutspenden sind zudem in allen Orten insgesamt 30 Obstbäume gepflanzt worden.

"Ohne das Engagement der Bürger in ihren Orten wäre vieles nicht möglich."

Zum Abschluss: Was wäre Ihr größter Wunsch als Bürgermeister?

Auch in Zukunft sollten sich alle Bürger in und für ihren Ort engagieren. Ich wünsche mir, dass die Ortsteile noch mehr zusammenwachsen und alle an einem Strang ziehen. Ein schönes Beispiel für bürgerliches Engagement ist die Freiwillige Feuerwehr in Kamern, wo jetzt wieder die Nachwuchsarbeit belebt werden konnte - sogar eine Kinderfeuerwehr gibt es jetzt. Auch möchte ich allen anderen Bürgern für ihre Arbeit in unserer Gemeinde danken, denn ohne ihr Engagement wäre vieles nicht möglich. Das ist auch in der Zukunft nötig.