Wohl nur erahnen kann man, welch mühevolle Arbeit unsere Vorfahren auch im Winter hatten, wenn auf dem Feld nichts zu tun war. Denn dann hieß es, Holz zu machen. Wie - das zeigten "de Dörplüe" vom Klietzer Heimatverein am Sonnabend beim Gewerketag.

Klietz l Rauch vom Lagerfeuer zieht über den Museumshof des Heimatvereins. Und es riecht nach frisch geschlagenem Holz. In allen Ecken wird das Holz bearbeitet. Mittendrin stehen Egbert Läufer und Mirco Wojnarowski und schälen Kiefernstangen. Die sind lang und dünn, eignen sich als Zaunpfähle. Viel dicker dagegen sind die Stämme, die Uwe Läufer auf den Holzspalter legt. Wie Butter gleitet die Klinge durch das Tannenholz - so einfach hatte man es einst nicht, da gab es nur eine Axt und ein Spalteisen.

Schon morgens um 6 Uhr hatte Uwe Läufer den Backofen angeheizt. Denn die Frauen in der Küche bereiteten frischen Kirschkuchen zu. Nachmittags dann haben die Gäste die Qual der Wahl, was sie sich - gemütlich an den Tischen des Stübchens sitzend - schmecken lassen. Draußen vor der Tür hat Waldi Eckert seine Motorkettensägensammlung aufgebaut. Ein Tisch würde dafür gar nicht reichen, insgesamt hat er 50 Geräte ab Baujahr Anfang 1960. Um alles schön präsentieren zu können, hat er einen dicken Stamm als "Gerüst" genommen. Er kann viel erzählen über die Geräte und über die Arbeit im Wald, war er doch viele Jahre selbst Forstarbeiter und kennt sich bestens aus mit der Technik, die er natürlich auch selbst repariert.

Viel erzählen kann auch Erich Karallus. Er zeigt das Buschbinden mit Kiefernzweigen. "Früher haben wir ja Weide genommen. Damit wurde der Backofen angeheizt. Meine Geschwister und ich haben dann davor gesessen und uns schon auf Brot und Kuchen, der nur sonntags gebacken wurde, gefreut." Der 81-Jährige ist im Memelland geboren und gerade erst zehn Jahre alt, als seine Familie aus der Heimat fliehen muss. Der lange Weg endet kurz vor Weihnachten 1946 in Schönhausen, wo die Familie für die ersten Tage im Bismarckschen Schloss unterkommt. 1968 zieht er mit seiner Frau nach Klietz. Der Senior ist froh, dass die Arbeit heute nicht mehr so schwer ist, dennoch zeigt er gern, wie einst auf dem Land gelebt und gearbeitet wurde.

Für die Kinder, die Gast beim Gewerketag sind, ist das alles kaum vorstellbar. Romy Klingenschmidt taucht gern in die Vergangenheit ein. Sie ist auch die Jüngste der Spinngruppe, die oben im Spinnstübchen ihre Räder surren lässt und sich gern beim Wollfädenmachen zusehen lässt. Die Kinder können auch mit Jessia Läufer Osterdekorationen aus Holz basteln - ein schönes Mitbringsel vom Gewerketag. Mitgewirkt haben dabei auch neben den bereits Erwähnten Edith Läufer und Evelin Zakrzewski, Andreas Sontowski und René Schulz am Grill, Renate Läufer, Roswitha Müller, Marlies Hampel, Carmen Marks und Doris Schnabl in der Backstube sowie Helmut Pohl, der den Hofmuseums-Nachbar gern hilft. Die Heimatvereinsvorsitzende Elke Joachim, die frühs selbst mit in der Backstube gestanden hatte, dankt allen Mitwirkenden ganz herzlich.

Bei der abendlichen Frauentagsfeier zeigten sich alle zufrieden mit dem gelungenen Jahresauftakt. Am 10. April werden weitere Veranstaltungen in diesem Jahr besprochen.

   

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