Wenige Tage bevor sich Otto von Bismarcks Geburtstag am 1. April zum 200. Mal jährt, eröffneten gestern Nachmittag in seinem Geburtsort Schönhausen zwei Sonderausstellungen.

Schönhausen l Bevor sich die Gäste, zu denen Ministerpräsident Reiner Haseloff, Hans-Ulrich Klose als stellvertretender Kuratoriumsvorsitzender der Otto-von-Bismarck-Stiftung, den Bundestagsobgeordneten Jörg Hellmuth sowie Landrat Carsten Wulfänger gehörten, die Ausstellungen im Museum ansahen, hieß die Leiterin der Otto-von-Bismarck-Stiftung-Schönhausen, Dr. Andrea Hopp, im Bürgerzentrum willkommen. Genau hier, dem einstigen Gut II, hatte sich bis 1948 das alte Museum befunden, dessen Schätze jetzt in ein neues Licht gerückt worden sind.

Zwei Räume - einer im Gärtnerhaus und einer im Seitenflügel des Schlosses, dem Torhaus - sind eigens dafür hergerichtet worden. Auch wenn es wenige neue Stücke zu sehen gibt, so sind die vorhandenen besonders sehenswert - beziehungsweise hörenswert: Bismarcks Stimme, aufgenommen im Jahr 1889 im familiären Rahmen in Friedrichsruh auf einer Ton-Walze mit einem "Rat an seinen Sohn".

Monitore sind ein neues Medium im Schönhauser Museum: Auf einem sind die Objekte des einstigen Museums zu sehen und ein zweiter Monitor erzählt schlaglichtartig von der Geschichte des ersten Bismarck-Museums.

Von diesem neuen Blick auf die Geschichte zeigten sich die zahlreichen Gäste angetan. Worauf sie im Vortrag neugierig gemacht worden waren, konnten sie sich nun ansehen. "Es lohnt sich", so das Fazit des Ministerpräsidenten, der gern noch einmal privat mit der Familie wiederkommen und sich mehr Zeit nehmen möchte.

Und auch Ernst von Bismarck, Vorsitzender des Bismarck-Familienverbandes, zeigte sich sehr angetan: "Was die Stiftung hier in Schönhausen leistet, ist großartig! Hier erhält man ein ausgewogenes Bild von Otto." Er freut sich schon auf das kommende Wochenende, wenn die große Familie zum Treffen in die Altmark kommt. Am Sonntag sehen sich die gut 100 Bismarcks zunächst das Museum an und erleben dann einen Festgottesdienst in der Kirche.

Dr. Andrea Hopp blickte in einem kurzweiligen Vortrag auf die Geschichte des Bismarck-Museums und berichtete, dass es 1890 zu Bismarcks 75. Geburtstag das Ansinnen in Berlin gab, ein Museum zu Ehren das ersten deutschen Reichskanzlers einzurichten. Doch diese Berliner Initiative lehnte Otto von Bismarck vehement ab. Kurz darauf, 1891, entstand auf seinen Wunsch in seinem Geburtsort das erste Bismarck-Museum. Bestückt wurde es mit Geschenken, die Bismarck in Anerkennung für die Reichsgründung erhalten hatte. Manche dieser Objekte wurden von der Familie seit den zwanziger Jahren nach Friedrichsruh gebracht. Am Ende umfasste die Schönhauser Ausstellung mehr als 2500 Exponate. Aufgelöst 1948, war das Museum bis 1945 für die Öffentlichkeit zugänglich.

Abgesehen davon gab es im Jahr 1895 anlässlich Bismarcks 80. Geburtstag eine temporäre Bismarck-Ausstellungin Berlin. Dort wurden 1109 der Geburtstagsgeschenke des Jahres 1895 gezeigt. Ein in der Schönhauser Sonderschau ausgestelltes Besucherbuch aus dem Friedrichsruher Archiv belegt die Zahl. Eingegangen waren anlässlich des 80. Geburtstags über 3000 Geschenkpakete, zusammen mit rund 500000 Glückwunschkarten und 20000 Telegrammen. Davon reiste ein großer Teil der in rund 35 Eisenbahnwaggons nach Friedrichsruh transportierten Geschenke weiter nach Schönhausen.

Mehr als 100 der schönsten Exponate von damals sind heute in der Dauerausstellung des 1998 eingerichteten Schönhauser Museums zu besichtigen und nehmen Bezug auf Aspekte des Wirkens Bismarcks. Die Exponate zeugen von Zeitgeschmack und Ästhetik der Epoche. Manche Stücke sind Massenware, andere aufwendig gestaltete Einzelstücke - darunter zwei Exponate, die deutsches Kunsthandwerk auf der Weltausstellung des Jahres 1893 in Chicago repräsentierten: der Silberne Ehrenschild der Offiziere des Magdeburgischen Landwehrregiments und eine Kupferkanne mit Darstellungen der Schlösser Schönhausen und Varzin.

Inhaltlich beleuchten manche Stücke Bismarcks politisches Wirken. Darunter sind allen voran Hof- und Staatsgeschenke. Etliche Präsente mit Familienwappen oder Abbildungen seiner Landgüter verweisen auf seine adlige Herkunft. Schließlich sind manche Geschenke auch an Bismarcks leibliches Wohl und seine Bequemlichkeit gerichtet: Bierfässer, Tabak, Lehnstühle, Kissen...

Jobst von Bismarck war 1562 erster Gutsherr

Die zweite Ausstellung trägt den Titel "Bismarck: Familie - Politik - Mythos". Hierbei handelt es sich um ein gemeinsames, dreigliedriges Ausstellungsprojekt der Otto-von-Bismarck-Stiftung in Schönhausen und Friedrichsruh sowie des Bismarck-Museums in Bad Kissingen. Der Schönhauser Familie-Teil wurde gestern eröffnet, Bad Kissingen wird vom 13. Mai bis zum 25. Oktober eine Sonderausstellung zum politischen Werk zeigen und Friedrichsruh als Alterssitz und Begräbnisort Bismarcks thematisiert vom 26. April bis zum 20. September wichtige Aspekte zum Mythos um den Staatsmann.

Otto von Bismarck hatte sich zum väterlichen landadligen Milieu ein Leben lang hingezogen gefühlt. Wenn er seine Vorfahren aufzählte, so hat er dabei die zahlreichen Ahnenporträts im Herrenhaus, aber auch die Ritterbildnisse, Wappen und Erinnerungstafeln in der hiesigen, zum familiären Gutsbesitz gehörigen Kirche vor Augen. Wer die Schönhauser Kirche besichtigt, kann die ritterlichen Selbstdarstellungen der Bismarcks betrachten.

Die Ahnengalerie beginnt mit Jobst von Bismarck (1510-1589) - dem ersten Gutsherrn in Schönhausen. Er wurde 1510 noch in Burgstall geboren, jenem Besitz, den die Bismarcks zuvor verliehen bekommen hatten. Für die von Kurprinz Johann Georg erzwungene Abtretung Burgstalls erhielten er und sein Bruder Georg im Jahr 1562 Krevese sowie die Dörfer Schönhausen und Fischbeck, die beide bis zur Reformation Tafelgüter des Bischofs in Havelberg gewesen waren.

Von besonderer Bedeutung für Schönhausen sind August II. von Bismarck (1666-1732) und dessen Frau Dorothea Sophie von Katte (1669-1712). Das Ehepaar ließ zwischen 1695 und 1700 das 1958 gesprengte Herrenhaus bauen, in dem Bismarck 1815 geboren wurde, den Park anlegen und die Patronatsloge in der Kirche errichten.

Die Geschichte der Bismarcks in der Altmark reicht aber noch viel weiter zurück, bis in die mittelalterliche Stadt Stendal, in der Familienmitglieder seit dem 13. Jahrhundert Ratsherren und Kaufleute waren. Als Otto von Bismarck am 1. April 1815 geboren wurde, war seine Familie bereits seit über einem halben Jahrtausend in der Altmark ansässig, und sie zählte, aufgrund der Belehnung mit Burgstall bei Tangerhütte im Jahr 1345, zu den ältesten "schlossgesessenen" adligen Geschlechtern der Altmark.

Mehr darüber kann man bei einem Besuch im Schönhauser Museum erfahren: dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr.

 

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