Zusammen mit dem Frühling erwacht auch die alte Orangerie am Schönhauser Park aus dem Winterschlaf. Der dauerte allerdings etwas länger als ein paar Monate.

Schönhausen l Jahrelang hatte das Gebäude als unansehnliche Ruine leer gestanden. Niemand wagte sich an die aufwendige Sanierung des aus dem frühen 18. Jahrhundert erbauten Hauses, das zum Bismarckschen Gut gehörte. Fast kann man die Flut als Glücksfall für das historische Objekt bezeichnen. Denn das Wasser richtete nicht allzu große Schäden an, entkernt werden musste es für alle neuen Zwecke sowieso. Und Anke Zielke vom Blumenladen nebenan im gefluteten NP-Markt suchte für den Neuanfang nach der Flut einen Platz für ihre "Blumenwiese". Das anderthalb Meter hoch in ihrem kleinen Laden stehende Wasser hat nichts verschont und sämtliches Mobiliar landete auf dem großen Abfallberg.

Für eine schnelle Wiedereröffnung hatten ihr Ölmanns den Vivo-Frischemarkt mitten im Dorf zur Verfügung gestellt - eine gute Lösung, aber nur für den Übergang.

Mit der Orangerie hatte die Melkowerin schon immer geliebäugelt. Aber das Projekt schien ihr zu groß. Schließlich hatte sich auch kein anderer daran gewagt. Doch nun, wo ohnehin etwas Neues hermusste, fällte Familie Zielke um Weihnachten letzten Jahres die Entscheidung, sich an die Herausforderung zu wagen.

Die ganze Familie und Freunde packten zu

Vieles machte sie mit Freunden allein, aber auch fachmännische Hilfe war nötig, um das denkmalgeschützte Haus zu sanieren. Das Trockenlegen der durchnässten Wände war die erste Maßnahme. Als dann das Dach neu gedeckt war, ließ sich erahnen, wie hell der alte Glanz strahlen kann. Alle Handwerker gaben sich große Mühe, möglichst viel der alten Substanz zu erhalten. Der Denkmalschutz war ständiger Begleiter bei den Bauarbeiten, schließlich sollte das alte Bild so weit es geht erhalten bleiben. "Die Zusammenarbeit war konstruktiv und uns wurden auch keine großen Steine von den Behörden in den Weg gelegt", ist Anke Zielke erleichtert.

Fertig ist längst nicht alles. Dennoch kann die "Blumenwiese" mit dem Start in den Frühling in die Orangerie einziehen. Am kommenden Sonntag um 11 Uhr ist Eröffnung. Dann können nicht nur die Kunden kommen, sondern auch die Helfer und behördlichen Baubegleiter sind eingeladen.

Der noch fehlenden Putz auf der Fassade kommt dieser Tage noch drauf, aber nur provisorisch und auch nicht im endgültigen beigen Farbton.

Drinnen in der Orangerie, in der sich zu DDR-Zeiten Wohnungen und auch die Gärtnerei der LPG befunden haben, ist es urgemütlich. Die Wände zeigen das alte Mauerwerk oder sind mit Lehm verputzt. Die alten Balken stammen ebenso wie alte Türen aus Abrissgebäuden, die Zielkes überall in der Umgebung zusammengetragen haben. Auch der alte Kachelofen stammt aus einer Genthiner Ruine. Stein für Stein vorsichtig abgetragen und mühsam wie ein großes Puzzle wieder zusammengesetzt, ist der Ofen ein Hingucker im 70 Quadratmeter großen Verkaufsraum, der noch dazu funktionstüchtig für wohlige Wärme sorgt.

Und die alten Möbel vervollständigen das Ambiente. Anke Zielke hat sie im Internet gefunden und gekauft, "etwas Neues hätte hier nicht reingepasst".

Die beiden bepflanzten Steintröge am Treppenaufgang stammen übrigens aus einem Stall des alten Schönhauser "Melkerhotels", das gerade abgerissen wurde. Statt auf dem Schutthaufen zu landen, fügen sie sich gut in die schön gestalteten Außenanlagen ein.

Die von innen durch die bodentiefen Fenster zu erreichende Terrasse ist noch nicht ganz fertig, kann aber auch schon genutzt werden, um hier die Blumen auszustellen. Im Verkauf tätig ist schon seit vielen Jahren auch Dagmar Kämpfer.

Jede freie Minute haben das Ehepaar, die beiden Kinder, die Eltern, Verwandte und Freunde in die Sanierung gesteckt, "dafür kann ich gar nicht oft genug ,Danke` sagen. Ein Traum geht in Erfüllung." Nun wünscht sich Anke Zielke noch, dass auch der Rest der Bauarbeiten, zu denen auch der Ausbau des Dachgeschosses mit Wohnungen gehört, problemlos vonstatten geht. "Und die Gemeinde will ja schon seit längerem die alte Molkereiruine abreißen und das Gelände ordentlich anlegen - es wäre schön, wenn es nicht mehr allzulange dauert."

Dass sich auch ein Investor für die zweite Ruine am Parkrand, den ehemaligen Kornspeicher des Bismarckschen Gutes, findet, bleibt wohl nur ein Wunsch. Denn dessen Zustand ist noch weitaus schlechter und in das große Gebäude müssen Millionen investiert werden.

Bilder