Havelberg l "Die Wolfsausbreitung in Sachsen-Anhalt" war am Sonnabend Thema eines Fachvortrages, zu dem der Havelberger Förderverein "Naturschutz im Elb-Havel-Winkel" in sein Domizil im Mühlenholz eingeladen hatte. Vereinsvorsitzender Klaus Heidrich begrüßte dazu den Wolfsexperten Andreas Berbig von der Biosphärenreservatsverwaltung Mittelelbe. Ebenso hieß er die zahlreichen interessierten Gäste im alten Forsthaus willkommen.

Zu Beginn blickte Andreas Berbig zurück auf das vergangene Jahr; anschließend gab es dann Neuigkeiten zum Thema Wolf. Der Naturschützer hatte ein 30-minütiges Video über die Wolfsausbreitung in Deutschland dabei. Passend zum Thema konnte Andreas Berbig auch einen Wolf im Schafspelz, als Kuscheltier, zeigen, den er sich von seinem Sohn ausgeliehen hatte.

Seit 2008 leben wieder Wölfe in Sachsen-Anhalt. Anfang 2014 wurden Rudel auf den Truppenübungsplätzen Altengrabow und Altmark bestätigt sowie in Gatow (Altmark), in Göritz (Fläming), in der Annaburger und Glücksburger Heide. Genaue Zahlen der Wölfe können durch ihre ständigen Wanderungen nicht benannt werden, daher können sie nur in Rudeln erfasst werden. In Sachsen-Anhalt sind es vermutlich fünf Wolfsrudel und ein sesshaftes Einzeltier. Aber: "Im Baltikum hingegen gibt es mehrere tausend Populationen, ebenso ist der Wolf in Kanada, in Italien - hier übergreifend zur Schweiz - und in einigen anderen Ländern auf dem Vormarsch. In Schweden gibt es sogar schon eine jagdrechtliche Eindämmung des Wolfs", so Andreas Berbig. In Deutschland besagt eine Kernaussage der Jäger, dass die natürliche Zuwanderung von heimischen Großsäugern seitens der Jägerschaft intensiv begleitet wird und das Vorhandensein geeigneter Lebensräume zwingend notwendig für die Rückkehr des Wolfes ist. Auch die Interessen der Landnutzer, Jäger und der ländlichen Bevölkerung in den betroffenen Gebieten müssen in diesem Prozess angemessen berücksichtigt werden.

"Im Mai haben die Wölfe Welpen, aber die Jungtiere bleiben nicht lange in den Höhlen. Die Alttiere sind nachts mitunter 20 bis 30 Kilometer weit unterwegs, um Futter für den Nachwuchs heranzuholen", berichtete Andreas Berbig.

Nach dem Video gab es in der Diskussion auch noch Hinweise darüber, wie man sich bei der Begegnung mit einem Wolf verhalten sollte. Grundsätzlich stellt ein gesunder Wolf keine Gefahr für den Menschen dar, denn er gehört nicht zum Beuteschema des Tieres. Wölfe sind in der Regel scheu und vermeiden die Begegnung. Wer doch einmal einen Wolf sieht, der sollte sich erst einmal freuen. So ein seltenes Tier im Wald sehen und erleben zu dürfen, sei wirklich ein Glücksfall. In der Regel bemerken die Wölfe den Menschen zuerst und zeigen sich dann nicht. Falls die Witterung für den Wolf erschwert ist, kann es zu einer Ausnahmesituation kommen. Dann soll man stehen bleiben und versuchen, Abstand zu halten.

Dankesworte und viel Applaus gab es zum Abschluss für den Wolfsexperten. Am 28. März startet der Förderverein um 13.30 Uhr am Forsthaus Mühlenholz zu einer Fahrradtour in den Frühling, wozu Interessenten gern gesehen sind.