Die Caritas verstärkt die Fluthilfe im Elbe-Havel-Land jetzt noch einmal. Mit Judith Liban ist eine Mitarbeiterin eingestellt, die ganz praktisch helfen und auch etwas für das Seelenwohl tun will.

Elbe-Havel-Land l Bekannt ist Judith Liban vielen Betroffenen noch durch ihre Anstellung als Fluthilfeberaterin über den Kirchenkreis Stendal. Diese Maßnahme ist allerdings im Februar beendet worden (wir berichteten). Die Caritas, die auch Kunsttherapie in Schönhausen und Kamern für Kinder und Erwachsene anbietet, stellte sie nun befristet bis zum Jahresende ein. "Denn es gibt hier im Elbe-Havel-Land noch so viel zu tun! Auch fast zwei Jahre nach dem Deichbruch ist immer noch Begleitung und Beratung der Betroffenen notwendig und so wichtig." Die 25-Jährige pausierte sechs Wochen, tankte selbst neue Kraft und ist nun wieder für die Betroffenen da.

Sie fährt nicht nur zu ihnen nach Hause, sondern gibt mit Beginn am 1. April auch Sprechzeiten vor Ort. Und zwar alle zwei Wochen mittwochs von 14 bis 18 Uhr im Kabelitzer Dorfgemeinschaftshaus, dienstags von 14 bis 18 Uhr im Schönhauser Bürgerzentrum, donnerstags von 15 bis 18 Uhr im Klietzer Gemeindebüro sowie freitags (nach Bedarf) von 12 bis 15 Uhr im Kamernschen alten Pfarrhaus. Am besten ist es, vorher anzurufen, um einen Termin zu vereinbaren (siehe Kasten).

Beratung gibt es zu den Verwendungsnachweisen, die nach Abschluss des Wiederaufbaus und der Neuanschaffung von Hausrat gegenüber der Investitionsbank geleistet werden müssen, ganz besonders zur Finanzierung des Eigenanteils über immer noch vorhandene Spendentöpfe, Urlaubsvermittlung und auch beim Stellen von Folgeanträgen bei der Investitionsbank. Und gerade das legt Judith Liban den Betroffenen ans Herz: "Die Frist endet am 30. Juni. Wer jetzt noch Schäden festgestellt hat, muss die Anträge einreichen, danach ist endgültig Schluss!" Einen Folgeantrag stellen kann man allerdings auch erst, wenn der Verwendungsnachweis von der Investitionsbank geprüft und genehmigt ist. "Deshalb darf man keine Zeit mehr verlieren! Wer das allein nicht bewältigt, meldet sich bitte bei uns."

"Jetzt ist die Zeit gekommen, auch der seelischen Baustelle ihren Raum zu geben."

Neben dieser praktischen Hilfe die Häuser betreffend gibt es noch eine zweite Seite, der sich Judith Liban widmet. "Das Materielle ist bei vielen Menschen inzwischen erledigt oder steht kurz vor dem Abschluss. Die Seele ist dabei in den letzten Monaten viel zu kurz gekommen. Seit dem 10. Juni 2013 ist viel verdrängt worden, das darauf wartet, verarbeitet zu werden. Jetzt ist die Zeit gekommen, auch der seelischen Baustelle ihren Raum zu geben." Deshalb hat die junge Frau das Projekt "Erfahrungsschatz" ins Leben gerufen. "Jeder hat seine ganz eigene Flut-Geschichte zu erzählen - ob als direkt Betroffener, als Evakuierter, Helfer oder Angehöriger. Es wäre sehr schade, würden diese Dinge in Vergessenheit geraten! Sie helfen auch, das Erlebte zu verarbeiten."

Diese Geschichten, Worte und bereichernde Erfahrungen sollen nicht im Winde verwehen, sondern ihren eigenen Platz auf einer Seite finden und einnehmen - sie werden am Ende in einem Buch zusammengefasst. Alle Menschen dieser Region haben nun die bisher einmalige Gelegenheit, Teil dieses Buches der gesammelten Werke zu werden. Man kann selbst schreiben oder Judith Liban erzählen, was einen bewegt, wie sich das Leben oder auch man sich selbst verändert hat. Einen entsprechenden Gedankenpfad, der Hilfestellung beim Aufschreiben geben kann, verschickt die Caritas dieser Tage per Post an diverse Haushalte. "Tatsächlich alle erreichen wir so aber nicht. Deshalb ist man auch in der Sprechstunde herzlich willkommen, um sich Anregungen für den ,Erfahrungsschatz` zu holen." Judith Liban sagt außerdem, dass "alles erlaubt ist." Jeder Interessierte ist herzlich eingeladen, seiner Kreativität und seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Beispielsweise Fotos oder selbstgemalte Bilder können beigesteuert werden - selbstverständlich auf Wunsch auch anonym.