Ans andere Ende der Welt, nach Australien, sind Julia Eichelmann und Marcus Leschien aus Schönhausen zu Jahresbeginn aufgebrochen. Nun berichten sie von ihrer aufregenden Reise und den ersten Erlebnissen - ein Auszug aus ihrem Reisetagebuch, hier geschrieben von Julia:

Am 8. Januar bringt uns der Flieger ins 4900 Kilometer entfernte Dubai, der ersten Etappe unserer vierwöchigen Reise. Wüstensafari, Sightseeing-Tour zum neuen Wahrzeichen der Stadt, dem Burj Khalifa, hinterlassen bleibende Eindrücke. Das 828 Meter hohe Gebäude stellt alle anderen Bauten ringsherum in den Schatten. Es ist echt unglaublich, wie viele Baustellen es in Dubai gibt! Dann noch schnell auf die Palmen-Insel Jumairah und wieder ab zum Flughafen. Es geht nach Bangkok. Ziemlich geschockt vom Anblick der Stadt, den Menschen und den Tieren auf den Straßen fahren wir zum Hostel. Laut, komische Gerüche, chaotisch, dreckig - so haben wir uns Bangkok nun wirklich nicht vorgestellt. Mit dem Tuk-Tuk fahren wir zu sämtlichen Tempeln der Stadt. Spannend ist die Flussfahrt mit dem Expressboot. Zwei Tage Bangkok sind für uns völlig ausreichend.

Weiter geht es mit dem Zug, 3. Klasse, nach Ayutthaya. Die Erkundungstour mit dem Rad stellt bei Linksverkehr eine Herausforderung dar. Viele alte Tempelanlagen sind zu besichtigen. Im 14 Zugstunden entfernten Chiang Mai sind wir begeistert von der Orchideen-Farm samt Schmetterlingen, von den Elefanten, dem Marsch durch den Dschungel vorbei an Wasserfällen sowie der abschließenden Bambus-Floßfahrt.

Mit dem Flugzeug geht es weiter nach Krabi. Was uns hier im Süden Thailands gleich am ersten Abend auffällt, sind die vielen Geckos, Frösche, Kröten und Cobras! Eine der giftigsten Schlangen direkt vor der Haustür!

Genug Tempel und Buddas in Thailand gesehen

Auf weiteren Inseln sammeln wir schöne Eindrücke. Phuket ist unsere letzte Station in Thailand. Wir haben nicht mehr viel Speicherkapazität in unseren Köpfen für Tempel, Buddhas oder Strände frei. Innerhalb der letzten Wochen haben wir davon genug gesehen und so langsam stellt sich die Vorfreude auf Australien ein, da es nun nicht mehr lange dauern wird, bis wir nach kurzem Stopp in Singapur endlich Perth erreichen.

Hier in Australien ist mittlerweile der zweite Monat vergangen. Kann uns einer sagen, wo die Zeit geblieben ist? Auch heute noch fühlt es sich komisch an und wir können es nicht wirklich fassen, tatsächlich hier zu sein und unseren Traum zu erfüllen.

Am ersten Tag eröffnen wir ein Bankkonto und beantragen die Steuernummer. Die wird benötigt, um arbeiten zu können. Auch eine australische Pre-Paid-Karte fürs Handy gehört zu unseren ersten Käufen, dazu natürlich Lebensmittel und Getränke, die hier teilweise bedeutend teurer sind als in Deutschland.

Außerdem nutzen wir die ersten Tage zur Erkundung der Stadt und besuchen den empfohlenen Kings Park, von dem man aus die Skyline von Perth besonders gut bestaunen kann. Einige Tage später findet in Perth ein Festival statt, mit etwa 400 000 Besuchern pro Tag!

Arbeit auf dem Bau und Pommes frittieren

Nach den ersten sieben Tagen im Hostel ergibt sich schnell etwas anderes: Wir leben nun in Fremantle, mit dem Linienbus etwa 40 Minuten südlich von Perth gelegen. Wir wohnen bei Paddy und Ciara, die sich vor sieben Jahren beim Worken auf einer Melonenfarm kennengelernt haben. Die beiden sind nicht älter als wir. Sie haben vor sechs Monaten das Haus gekauft und brauchen nun Hilfe beim Renovieren und bei allgemeinen Hausarbeiten. Wir helfen etwa zehn Stunden pro Woche und können dafür kostenfrei wohnen. Um die Verpflegung kümmern wir uns selbst.

In unserer Freizeit stürzten wir uns auf das Verfassen des englischen Lebenslaufes und die Suche nach dem passenden Auto, was beides nicht sehr einfach ist. Autos, die wir favorisieren, sind auch für andere Backpacker interessant und man muss schnell sein, wenn man eins haben will.

Die Jobsuche erweist sich hier in der Region schwieriger als erwartet. Marcus musste erst noch ein Zertifikat, eine Art Sicherheitsunterweisung, ablegen. Ohne die sogenannte "white card" geht auf der Baustelle nämlich nichts! Marcus kann nach knapp 14 Tagen glücklicherweise in der Firma von Paddy einsteigen. Nun ist er auf dem Bau, schippt Sand von links nach rechts, setzt Fundamente und hilft somit beim Aufbau eines neuen Gebäudes direkt am Strand. In der prallen Sonne ist das absolut harte Arbeit und er hat auch schon einige Blessuren, aber er schlägt sich wacker. Ich arbeite in einem türkischen Food Van, der am Wochenende auf Festivals steht. Rund 35 Kilo Pommes in zehn Stunden frittieren! Seit ein paar Tagen arbeite ich außerdem für eine Medien-Firma, die Werbung macht.

Inzwischen hat sich Routine eingestellt. Marcus hat seinen Job, zu dem er morgens mit dem Fahrrad fährt und abends schläft er totmüde ein. Ich kümmere mich um den Haushalt, koche und backe und bewerbe mich auch weiterhin bei sämtlichen Firmen als Küchenhilfe, Verkäuferin, Rezeptionistin, Mitgliederwerbung für Wohltätigkeitsverbände, Hilfsarbeiter im Supermarkt...

Als Ausgleich zu dem Ganzen nehmen uns Paddy und Ciara abends nach der Arbeit manchmal für eine Abkühlung mit ans Meer. Die Sonnenuntergänge sind immer wieder wunderschön.

Auf dem Weg zur Arbeit hat Marcus jetzt einen Van gefunden, der unseren Vorstellungen entspricht. Er ist bereits umgebaut und hat ein Bett und eine Küchenzeile. Damit können wir nun selbst die Gegend erkunden und irgendwann weiterziehen...

Liebe Grüße aus Fremantle

Marcus und Julia

 

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