Ein Denkmal an den Deichbruch in Fischbeck gibt es seit Ostern in der Gemeinde. Im Eichgarten, direkt an der Bundesstraße gelegen, steht das Kunstwerk, für das Nicole und John Thorpe Spenden gesammelt haben. Kreiert hat die Bank der Kettensägenkünstler Sebastian Seiffert aus Querfurt.

Fischbeck l Ein Andenken wollten sie setzen: an den Kampf um den Elbdeich im Juni 2013, an die Ausmaße der Flut für Fischbeck und die Region, an die tragische Rettungsaktion zur Schließung des Deichbruches und an die vielen Helfer. Dieses Ziel haben Nicole und John Thorpe umgesetzt. Am Ostersonnabend enthüllten sie im Beisein von Bürgermeister Bodo Ladwig, der Eltern von Nicole Thorpe, Marlis und Burkhard Mertens, sowie einiger Fischbecker die Bank.

Es ist nicht einfach nur eine Bank, sondern ein echtes Denkmal, das die Szenarien der Flut widerspiegelt. Da sind die kräftigen Hände, die die Sandsäcke packen - in der Hoffnung, den Deichbruch abwenden zu können. Da sind, eingearbeitet in die Rückenlehne, die Flutwellen, die die Häuser verschlucken. Da sind die Schuten, mit denen der Deichbruch wieder geschlossen wird. Und da ist der Hubschrauber, der die Big Bags abwirft. In die Rückenlehne ist neben dem Schriftzug "Fischbecker Deichbruch 2013" das Wappen des Elbe-Havel-Landes eingearbeitet - es war ja die gesamte Region betroffen.

"Die Flutkatastrophe löste Betroffenheit über die Landesgrenzen hinaus aus, auch bei unserer Familie und unseren Freunden in Großbritannien", sagt Nicole Thorpe, die in Fischbeck aufgewachsen ist und mit ihrem Mann in London lebt. "Wie viele andere, konnten wir damals nur betroffen aus der Ferne zusehen, aber immerhin Spenden sammeln." Rund 1500 Euro sind es geworden.

Familie und Freunde kennen die Region

Im Internet stießen Thorpes auf den Kettensägenkünstler Sebastian Seiffert aus Querfurt. In ihm fanden sie sofort den Mann, der ihre Idee umsetzte. "Er hat uns mit viel Kreativität und Einsatz unterstützt und uns einen Teil des Arbeitslohnes erlassen", bedankt sich Nicole Thorpe bei ihm.

"Wenn eigene Skulpturen in der Öffentlichkeit stehen und nicht auf einem Hof verschwinden, freut man sich natürlich", sagte der Kettensägenkünstler gestern im Gespräch mit der Volksstimme. In Fischbeck konnte er leider nicht mit dabei sein, denn an vielen Wochenenden ist er bei Wettbewerben und Festivals unterwegs. Der gelernte Forstwirt hatte zunächst hobbymäßig mit dem Schaffen von Skulpturen begonnen. Dann erfuhr er vom großen Kettensägenfestival in den USA mit über 200 Künstlern aus der ganzen Welt und flog dorthin. Unzählige Wettbewerbe und Festivals weltweit hat er seither besucht und neben etlichen ersten Plätzen 2010 den Europameistertitel in Norwegen geholt. Seit zehn Jahren arbeitet er professionell als Kettensägenkünstler.

Die Bank ist aus einem Eichenstamm gefertigt. Sebastian Seiffert hat viele Kettensägen mit schmalen Umlenkspitzen, so dass es kein Problem ist, auch Feinheiten aus dem Holz herauszuarbeiten. Der obere Teil der Rückenlehne, die Füße und der Hubschrauber sind extra aufgebaut.

Nicole Thorpe, die 2006 zunächst für ein dreimonatiges Praktikum nach London ging und heute im Bereich Marketing-Beratung tätig ist, bedankt sich bei Dieter und Steffen Northe, dass die fertige Bank dort bis Ostern gut gelagert und von ihnen an den Platz im Eichgarten transportiert wurde.

Ihre Eltern, deren Haus in der Kabelitzer Straße 80 Zentimeter tief im Wasser stand und voll entkernt werden musste, hatten viel Organisatorisches übernommen.

Dadurch, dass sie 2012 in Tangermünde geheiratet hatten, ist die Region gut bei Familie und Freunden in Großbritannien bekannt und die Spendenbereitschaft war entsprechend groß. Thorpes hoffen, dass die Bank die Fischbecker mit Freude und Stolz erfüllt, diese schwere Zeit der Flut und ihre Folgen überstanden zu haben.