Sandau l "Die Landschaft hier ist nicht mit Gold aufzuwiegen" schwärmt der Sandauer Bürgermeister Henry Wagner von der Umgebung der Elbestadt. Gern geht er darum mit seiner Lebensgefährtin und dem Bassethund Herrmann auf dem nahen Elbdeich spazieren. Auch von seinem Lieblingsplatz auf der Terrasse im Vorgarten in der Osterburger Straße kann er den Wall sehen, der Sandau vor den Fluten der Elbe schützt.

Von hier aus kann er auch beim Aufbau des Kirchturmes zuschauen und erlebte er die umfassende Sanierung der Osterburger Straße. Oder bangte und kämpfte wie alle Sandauer 2002 und 2013 gegen die Extremfluten des nahen Flusses. Da vor seinem Haus zudem der beliebte Elberadweg vorbeiführt, kommt er über den Gartenzaun auch oft ins Gespräch mit den Radtouristen.

Über die Allgemeine Bürgerbewegung kandidiert er nun schon zum dritten Mal für das Bürgermeister-Ehrenamt, erstmals ohne einen weiteren Bewerber. Die Zusammenarbeit mit dem Stadtrat, dem er als Bürgermeister automatisch angehört, sei immer sehr gut gewesen - im Mittelpunkt stehen nicht parteipolitische Plänkeleien, sondern das Wohl der Stadt. Auch, wenn es mal unterschiedliche Ansichten gibt.

Geboren wurde Henry Wagner im März 1960 in Havelberg, aufgewachsen ist er mit seinen zwei Schwestern in Schollene, wo die Mutter im Kindergarten tätig war. Der Umzug nach Sandau erfolgte 1972 berufsbedingt, denn seine Mutti nahm ihre Tätigkeit im Kindergarten Schönfeld auf. In Havelberg an der Stadtschule beendete er seine Schulzeit, 1976 zog er wegen der Lehre nach Stendal. Zwei Jahre lang wurde er hier zum Zugbegleiter bei der Reichsbahn ausgebildet.

Sein erster Sohn wurde 1980 geboren, drei Jahre später kam der zweite hinzu. Weil sich Henry Wagner "nur" für den Grundwehrdienst bei der Volksarmee entschieden hatte, wurde er erst mit 26 Jahren gezogen - die anderthalb Jahre Dienstzeit absolvierte er in einer Kaserne nahe Schwerin als Funker. - Eine schwere Zeit für die junge Familie.

Nach der Entlassung zog die Familie nach Sandau zurück, hier wurde er unter Helmut Schulz stellvertretender Bürgermeister - das war damals noch hauptamtlich. Mit der Wende wurde dieser Posten jedoch überflüssig und er landete letztendlich wieder bei der Bahn.

Vor vier Jahren absolvierte Henry Wagner eine Umschulung zum Lokführer und fährt seitdem die Bahnreisenden vom Bahnhof Stendal aus nach Wittenberge, Uelzen, Tangermünde oder Rathenow.

Im Jahre 2002 kehrte er ins Sandauer Rathaus zurück, diesmal jedoch ehrenamtlich. Seine zweite Amtszeit begann 2009. Einige Straßen wurden saniert, leider schlossen der Jugendklub und die Kaufhalle, auch um die Arztpraxis wurde gebangt - zum Glück fand sich aber eine Nachfolgerin.

Gern fährt der Bürgermeister auch mit dem Fahrrad oder dem Motorrad - und dieser Tage wird er Opa.