Eine besondere Tauchaktion hat am Osterwochenende an der Havel bei Dahlen stattgefunden. Denn dabei wurde nach alten Feldbahnloren gesucht. Und die Taucher wurden fündig.

Havelberg l Gewusst wo, könnte man zu der Aktion der Taucher der DLRG-Gruppe Tangermünde sagen, die schließlich drei alte Feldbahnloren aus der Havel holten. "Wir haben ja schon in Havelberg, unterhalb des alten Lokschuppens zwei historische Feldbahnkipploren geborgen. Heute sind wir, nachdem wir von Heinz Wojtalla den Tipp bekommen haben, hier am Tauchen", so der Havelberger Herbert Luksch.

Er hat sich den Wiederaufbau des alten Lokschuppens im Havelberger Calvarienweg auf die Fahnen geschrieben. Vor dem Lokschuppen, dicht neben den Schautafeln, auf denen die Historie der einstigen Schmalspurbahnverbindung von Havelberg nach Glöwen in Wort und Bild festgehalten ist, steht schon eine Feldbahnlore. "Raritäten, die heute kaum noch zu bezahlen sind, obwohl mir noch eine Mulde fehlt", bedauerte Herbert Luksch. Er ist sich aber sicher, dass die Taucher, die in Dahlen am Wochenende im Privateinsatz waren, noch eine Mulde finden, um so eine komplette Lore zu haben. "Ich habe es damals - ich war noch ein Kind - selbst gesehen, wie die Loren hier reingeknallt sind. An einem Stahlseil, das des Öfteren mal von seiner Führung sprang, wurden sie hochgezogen und die, die dann abrutschten, rollten mit scharfem Tempo in die Havel. Die liegen jetzt schon gute 60 Jahre im Wasser", so Heinz Wojtalla. Er hatte mit seinem kleinen Trecker das Herausziehen der Loren übernommen. Zu der ganzen Aktion hatte sich halb Dahlen am Ufer der Havel eingefunden und alle bedauerten bei dem scharfen Wind und den kühlen Temperaturen die beiden Taucher im Wasser. "Die sind gut eingepackt und frieren weniger als wir", meinte Leinenführer Torsten Schiess, der seinen Vater Dietmar und als zweiten Taucher Gordon Semrau an der Leine sicherte.

Der Ton wurde damals an der gegenüberliegenden Havelseite von Strafgefangenen abgebaut, verladen und dann auf eine Pontonfähre, auf der sich auch Schienen befanden, geschoben. "Hier am Ufer angekommen, wurden die Loren, meist waren es drei bis vier Stück gleichzeitig, angehangen und die Uferböschung hochgezogen. Der Ton wurde dann erst einmal abgelagert, so dass die kleinen Wurzeln, die sich im Inneren befanden, verrotteten", erzählt Heinz Wojtalla. Er wusste auch noch, dass die fertigen Ziegelsteine an den Verladerampen auf Schiffe geladen wurden und dann auf die Reise nach Russland gingen.

Inzwischen war mit Walter Kühn ein weiterer Zeitzeuge, in dem ebenfalls viele Kindheitserinnerungen geweckt wurden, am Ufer eingetroffen. Walter Kühn erzählte Folgendes: "Am Ufer befanden sich drei Laderampen und mein Großvater, der Schiffer war, legte mit dem Kahn dort auch an. Er hatte 24 Loren geladen, die dann hoch zur ehemaligen Ziegelei gezogen wurden. Wenn das Seil riss, landeten die tonbeladenen Loren in der Havel und mussten am Samstag, dem eigentlich freien Tag der Arbeiter, wieder herausgeholt werden. Als Kind bin ich viel mit dem Großvater auf dem Schiff mitgefahren, und wenn er sich eine Tabakspfeife anzündete, durfte ich auch das Steuerrad halten. Ich kann mich auch noch gut daran erinnern, dass damals ein siebenjähriges Mädchen, das aus Berlin, wo schon die Bomben fielen, nach Dahlen in Sicherheit gebracht wurde, verunglückte. Sie hatte hier viel Pech, denn sie wurde von einer abstürzenden Lore mitgerissen und ist ertrunken. Ein polnischer Arbeiter hatte sie dann aus dem Wasser geborgen. Für uns Kinder waren die Ziegelwerke, mit der kleinen Fähre und der Schifffahrt, ein Abenteuerspielplatz, den wir oft besuchten."

Die Taucher hatten inzwischen die dritte Lore angebunden und Heinz Wojtalla gab mit dem Trecker Gas. So wie bei der Lore am Lokschuppen, drehten sich auch bei diesen Fundstücken noch die Räder.Die Augen von Herbert Luksch leuchteten. "Die werden wieder flott gemacht und kommen mit auf das Gleis am Lokschuppen", blickte er voraus. Für die Taucher, die im Sommerlager der Judosportler auch beim Neptunfest mit dabei sind, gab es von Herbert Luksch ein großes Dankeschön. Diesem schloss sich auch Heinz Wojtalla an, denn bei Niedrigwasser schauten die alten Loren sogar aus dem Wasser heraus und stellten eine Gefahr für Wasserwanderer dar. Und die Angler werden sich auch freuen, denn einige Hackstellen sind somit verschwunden.

 

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