Stendal (ge) l Bis Anfang der 90er Jahre war der Kormoran in Sachsen-Anhalt ein Exot, der sich in den folgenden 20 Jahren allerdings extrem ausbreitete. Ein Blick in die Vogelmonitorings des sachsen-anhaltischen Landesamtes für Umweltschutz offenbart: Gab es 1991 noch weniger als zehn Brutpaare in Sachsen-Anhalt, hat sich der Kormoran-Brutbestand seit 2008 auf etwa 1100 Paare jährlich eingepegelt.

Im Landkreis Stendal allerdings gibt es keine Kormoran-Brutkolonien mehr. Bis 2008 existierte eine solche am Schollener See. Sie hat sich aufgelöst. Über die Gründe dafür kann auch Gerd Flechner, Sachbebietsleiter Artenschutz im kreislichen Umweltamt, nur spekulieren. Könnte sein, dass Waschbären die Gelege plünderten. Fakt ist, dass bis heute im Landkreis keine neue Brutkolonie von Kormoranen bekannt ist.

Dass bedeutet nicht, dass der Kormoran den gewässerreichen Landkreis als Nahrungsquelle meidet. Im Gegenteil. Die letzte Zählung an37 im Land bekannten Kormoran-Schlafplätzen fand im Januar 2013 statt. Dabei wurden auch sechs Schlafplätze im Landkreis Stendal ausgewiesen, auf denen insgesamt 304 Kormorane gezählt wurden.

Angler und Berufsfischer betrachten den Wasservogel mit Argwohn. Verständlich, wenn zum Beispiel am Klietzer See im vergangenen Winter täglich bis zu 200 Kormorane beobachtet wurden. Wissend, dass ein erwachsener Kormoran im Schnitt500 Gramm Fisch pro Tag vertilgt, kann man sich ausrechnen, was das für den nach dem Junihochwasser 2013 mit Fisch komplett neu zu besetzenden See bedeutet.