Wulkau l Ein seltenes Jubiläum ist am Dienstag in Wulkau gefeiert worden: Ilse und Erich Brandt begingen das Fest der eisernen Hochzeit. Das heißt, sie haben es geschafft, 65 gemeinsame Ehejahre miteinander zu verbringen. Und die Chancen stehen gar nicht so schlecht, dass sie 2017 zu ihrer steinernen Hochzeit einladen können. "Wir haben bis hierher ,eisern` durchgehalten, dann werden wir das ja wohl auch noch schaffen", schmunzelt Ilse Brandt. Und fügt an: "Für unser Alter sind wir, so denke ich, noch ganz gut drauf und auch fit im Kopf, was ganz wichtig für unser Wohlbefinden ist." Weil Erich nicht mehr so gut sehen kann, liest ihm Ilse jeden Tag das Neueste aus der Havelberger Volksstimme vor. Überhaupt sind die beiden "Eisernen" noch sehr an allem interessiert, was sich in ihrem Wohnort Wulkau und in der Region, aber auch in der Republik und in der Welt so tut. "Wenn im Fernsehen die Nachrichten laufen, reicht es mir, wenn ich sie gut hören kann", schmunzelt Erich Brandt.

Gelenke sollen noch nicht einrosten

Auf den Frühling freuen sie sich sehr. Denn bei schönem Sonnenschein machen sie sich trotz ihres hohen Alters - er ist 90 Jahre alt und sie 87 - noch gerne zu einem Spaziergang im Dorf auf. "Das schützt unsere Gelenke vor dem Einrosten und außerdem tut uns die frische Luft gut", gibt Ilse Brandt zu verstehen.

An den 65. Jahrestag ihrer Eheschließung haben sie sich sowie ihre Angehörigen und Festgäste am Dienstag dort erinnert, wo sie sich am 14. April 1950 das Jawort gaben: in der Dorfkirche in Wulkau. Pfarrer Hartwig Janus hielt hier einen Dankgottesdienst für das "eiserne" Ehepaar und hatte sich dafür auch noch einmal den Trauspruch für Ilse und Erich Brandt herausgesucht: "Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat."

Granatsplitter erinnert an die schlimme Zeit

Der im Februar 1925 geborene Erich Brandt ist ein waschechter Wulkauer, hier ging er zur Schule und lernte danach in der elterlichen Bauernwirtschaft. 1941 wurde sein Vater eingezogen, "am 10. Januar 1943 - ich machte mit Freunden gerade eine Schlittenfahrt nach Rehberg, als die Nachricht kam - musste ich ihm dann folgen", erzählt der 90-Jährige. "Da war ich gerade 17 Jahre alt." Zuerst baute er beim Arbeitsdienst Bunker in Frankreich, im Sommer 1943 kam er als Soldat nach Belgien. Er war bei der Landung der Alliierten dabei und auch bei der Ardennenoffensive. Kurze Einsätze in Polen und Tschechien im Jahr 1945 folgten, bevor er aus kurzer Kriegsgefangenschaft von Magdeburg aus zu Fuß zurück nach Hause ging. "Als ich am 13. Juni hier mit einem Kahn die Elbe überquert hatte, war der Krieg für mich endlich zu Ende." Ein "Andenken" an diesen besitzt er allerdings heute noch: einen Granatsplitter, von dem er verwundet worden war. "Den habe ich mir aufgehoben."

Heimatort von Ilse Brandt ist das westelbische Rosenhof. Hier wurde sie 1927 geboren. Als sie 11 Jahre alt war, zog die Familie nach Sandau. Hier hatte sie als junge Frau 1945 am eigenen Leibe auch die Schrecken des Krieges erfahren müssen. "Beim Artilleriebeschuss der Alliierten von Sandau ist das Haus unserer Familie getroffen worden und abgebrannt. Wir haben fast all unser Hab und Gut verloren, nur ein Handwagen voll mit allen möglichen Dingen ist uns geblieben. Es war ein Wunder, dass wir alle mit heiler Haut davongekommen sind", erinnert sich die Jubilarin an die schlimmste und schwerste Zeit ihres Lebens. Mit diesem Handwagen kehrte sie mit ihren Eltern dann Sandau den Rücken. Auf einigen Umwegen fand die Familie schließlich in Wulkau ein neues Zuhause.

Und Ilse Brandt mit ihrem Erich einen treuen Lebensgefährten, den sie sich "auf dem Saal" in Wulkau "geangelt" hatte. Es brauchte nicht lange, bis es zwischen beiden "funkte", aus anfänglicher Freundschaft wurde Liebe und schließlich 1950 geheiratet.

Das Arbeitsleben beider bestimmte die Landwirtschaft, die meisten Jahre davon in der LPG in Wulkau.

Der sechste Urenkel ist schon unterwegs

Ilse und Erich Brandt sind Eltern einer Tochter, ein zweites Kind ist leider vier Wochen nach der Geburt verstorben. Trotzdem freuen sie sich über Nachkommen. Denn Tochter Marita hat für vier Enkelkinder gesorgt, die ihre Uroma und ihren Uropa inzwischen mit fünf Urenkeln erfreuen. "Und der sechste Urenkel wird im August dieses Jahres erwartet", ist zu erfahren.