Die Havelberger haben ihr Prignitz-Museum ganz offensichtlich in den vergangenen sechs Monaten vermisst. Zur Wiedereröffnung nach den Umbauarbeiten strömten am Freitag jedenfalls viele Besucher auch aus umliegenden Orten in die Einrichtung.

Havelberg l In der ersten Stunde des Tages der offenen Tür waren es allein schon 150 Besucher, freute sich Museumsleiter Frank Hoche über den großen Zuspruch. Nach der längeren Schließzeit hatte das Museum gestern zu kostenfreiem Besuch eingeladen, damit die Havelberger vor dem großen Ansturm mit dem heutigen Start der Bundesgartenschau die Ausstellungen besuchen können. Denn für 177 Tage gehört die in der Klosteranlage am Dom befindliche Einrichtung nun zum Buga-Areal. Wer eine Buga-Karte hat, hat damit den Museumsbesuch frei.

Frank Hoche berichtete zu Beginn seiner Führung zunächst von den Bauarbeiten. Im Westflügel zum Domplatz hin sind neue Fenster eingebaut worden. "Ohne Buga wäre das bestimmt nicht passiert", freut er sich über diese Neuerung. Aber auch über die anderen: der neue Verkaufstresen und übersichtliche Büchertische, der barrierefreie Übergang zu den Ausstellungen im Südflügel und die neue Glaswand im Eingangsbereich. Letzteres war zusätzlich hinzugekommen, nachdem der Versicherer bei einer Besichtigung im November eingeschätzt hatte, dass die alte klapprige Wand angesichts der vielen zu erwartenden Besucher nicht mehr nutzbar ist. Innerhalb eines Monats wurden trotz Vorweihnachtszeit Leistungsbeschreibung, Ausschreibung und Auftragsvergabe erledigt, lobte Frank Hoche das schnelle Agieren der zuständigen Ämter. Er dankte allen am Bau beteiligten Firmen, der Stiftung Dome und Schlösser als Eigentümer und dem Landkreis Stendal als Träger sowie den Mitarbeitern für ihr Engagement in den vergangenen Monaten.

Im nun großräumigen Westflügel mit der Ausstellung zur Siedlungsgeschichte begann Frank Hoche, unterstützt von der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Sabine Ball, die Führung. Wesentlich verändert wurde nichts. Viele Texte sind aber noch mal neu gestaltet worden. Er zeigte den vielen interessierten Besuchern den bedeutenden bronzezeitlichen Königsgrab-Fund, der 1899 bei Seddin in der Prignitz entdeckt wurde. Zwar sind es heute nur noch Nachbildungen, doch ist dieser Fund die Initialzündung für die Gründung des Prignitz-Museums im Jahr 1904 gewesen. In der Stadt- und Dombaugeschichte sind ebenfalls interessante Exponate zu betrachten.

Neu ist im östlichen Kreuzgang die Sonderausstellung zu sakraler Kunst. Die Museumsmitarbeiter haben eine kleine Domschatzkammer eingerichtet, in der mit der rund 550 Jahre alten Mitra der Havelberger Bischöfe der größte Schatz zu sehen ist. Sie gehört der Kirchgemeinde und wird normalerweise im Dommuseum Brandenburg aufbewahrt.

"Mein persönlicher Wunsch ist, dass die Bischofsmütze auch über die Buga-Zeit hinaus im Museum zu sehen ist", sagte Sabine Ball und berichtete über die Geschichte der Mitra. In dem aufgrund der wertvollen Exponate dunkel gehaltenen Raum, sind weitere Schätze zu entdecken. Zur Verdunkelung des Raumes wurden Folien auf die Scheiben geklebt, die die kunstvoll bemalten Domfenster im Kleinformat zeigen.

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