Schönhausen l Weil die Elbe nach 2013 kaum nennenswert Hochwasser geführt hatte, liegen die Firmen auf den diversen Deichbaustellen recht gut im Zeitplan, informierte Reinhard Kürschner vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz LHW zum Auftakt der Deichschauen in der Elbe-Havel-Region. Am Montag wurde zuerst der Schutzwall zwischen der Grenze zum Jerichower Land und Scharlibbe kontrolliert.

Die jetzt zu sanierenden Deiche werden nach der Extremflut von 2013 noch etwas höher errichtet, zudem erhalten sie eine befestigte Berme. Denn das Bemessungshochwasser, das die Höhen vorschreibt, wird sich wie schon nach 2002 auch jetzt mit Sicherheit nochmals ändern. Wegen der neuen Höhen sind teils auch neue Planfeststellungsverfahren nötig - so wie für die geplante Rückverlegung bei Wulkau.

Größtes Vorhaben im Schaubereich ist der neue Deich zwischen Fischbeck und Jerichow. Derzeit sind die ersten beiden Abschnitte im Bau - zwischen der Bruchstelle und der B188. Zuerst wurde eine Tonschicht als Dichtung eingearbeitet, neben der B188 wird eine doppelte und verbundene Spundwand in den Boden gerammt, sie ist fast fertig. Auch die Planungen für den dritten Bauabschnitt sind fertig. Weil die Archäologen hier fündig wurden, musste die Submission aber um eine Woche verschoben werden - es gab um die 40 Bewerber. Etwa Ende Mai könnte Baustart sein - heute um 18 Uhr gibt es dazu weitere Informationen in Kabelitz (siehe Meldungen).

Für die Deichsanierung Schönhausen IV machte sich ein VF-Verfahren nötig: Wird eine bestimmte Bausumme überschritten, muss auch die Planung ausgeschrieben werden. Das Verfahren ist fast abgeschlossen, ab Mai könnte die Planung beginnen. Das Areal war zwar schon beplant gewesen, doch änderten sich auch hier nach 2013 die Höhen. Im Mai kommenden Jahres könnte Baustart sein.

Für eine Baustelle auf Höhe Hohengöhren sei jetzt Submission, informierte Tobias Koch vom LHW. Zuerst kommen auch hier die Archäologen zum Zuge, Mitte Mai wäre Baustart. Daneben wird bereits gebaut.

Naturschutz bereitet bei Deichsanierung Sorgen

Sorgen bereitet Reinhard Kürschner der Naturschutz. Zwar heißt es, Hochwasserschutz komme vor Naturschutz, doch gilt das nicht immer: In den FFH-Schutzgebieten wurde die wasserseitige Deichböschung mit einbezogen, so dass diese Schutzstatus besitzt. Wird der Deich saniert, wird dieser Lebensraum "trockene Mähwiese" zwangsläufig zerstört - solch "erheblicher Eingriff" muss bis hoch zur EU gemeldet werden. Schlimmstenfalls drohen Strafzahlungen in Millionenhöhe sowie die Rückgabe von Fördergeld. Zudem wird die Grasmischung vom Naturschutz und nicht von der DIN-Norm vorgeschrieben, auch ein fünfjähriges teures Monitoring macht sich nötig. - Und das alles auf künstlichen Hochwasserschutzflächen!

Beim Kontrollgang auf dem Wall fielen zwischen Hohengöhren und Fischbeck vor allem Mauslöcher ins Auge. Nach der Flut habe die Mäusepopulation seltsamerweise enorm zugenommen, informierte der Schönhauser Landwirt Bernd Bleis. Doch Mäuse seien wie auch Maulwürfe nicht gefährlich für den Deich, sagte Reinhard Kürschner.

Hinter der Bahnbrücke berichtete LHW-Mitarbeiter André Pasemann über die dortigen Baumaßnahmen: Weil es hier 2013 Sickerstellen gegeben hatte, wurde ein provisorischer Stützkörper eingearbeitet, auf dem später die befahrbare Berme errichtet wird. Solche Berme ist auch für die Kontrollfahrten bei Hochwasser nötig, denn bis zur Stufe III muss der LHW alleine kontrollieren - was mangels Personal nur im Fahrzeug erfolgen kann.

Der komplette Deich im LHW-Flussbereich Genthin wird übrigens wieder von Schafen gepflegt, sieben Schäfer sind unter Vertrag.

Im Zuge des Deichbaus bei Fischbeck wird auch die alte Rampe an der einstigen B188-Brücke zurückgebaut, Teile werden als Wildrettungshügel stehen gelassen. Klappt mit den Arbeiten alles wie vorgesehen, wäre es die letzte Schau auf dem alten Deich gewesen.

Bilder