Sonnenschein und Wind begleitete die Radler, die am Sonntag aus allen Himmelsrichtungen nach Klietz auf den Museumshof des Heimatvereins gerollt sind. Mit dem Elberadeltag hat der Landkreis die Radsaison 2015 offiziell eröffnet.

Klietz l "Gute Fahrt!" wünschte Landrat Carsten Wulfänger allen Radlern, die er Sonntag zum Elberadeltag auf dem Klietzer Museumshof begrüßte. Zum inzwischen 13. Mal eröffnete der Landkreis mit den Sternfahrten zu einem ausgewählten Ziel die Saison. Das Motto: Von der Pedale ins Museum". Klietz ist bereits zum zweiten Mal Gastgeber gewesen, vor zwei Jahren waren die Radler ins ostelbische Sandau gepilgert.

Unter Federführung des Heimatvereins hatte die Gemeinde alles gut vorbereitet, wofür Bürgermeister Jürgen Masch vor den versammelten Gästen herzlich dankte.

Schon etliche Zeit vor der Eröffnung um 12 Uhr trudelten die Radler in teilweise großen Gruppen in Klietz ein. "Eine schöne Strecke", sagte Rolf Mikeska von der Rad- und Wandergruppe aus Staats. Die acht Staatser hatten ihre Räder auf dem Auto bis nach Arneburg "Huckepack" genommen und sind an der Fähre umgesattelt, "wir sind ja nicht mehr die Jüngsten", meinte Rudi Schulze, der die Gruppe leitete. Der Weg von der Fähre bis nach Neuermark sei zwar etwas holprig, "aber das gehört dazu, es kann ja nicht nur glatte Strecken geben".

"Die meisten Wege sind gut ausgebaut!"

Das bestätigte Simone Tandeck, die beim Landkreis für die Radwege zuständig ist. "Es gibt immer etwas zu verbessern. Aber im Großen und Ganzen können wir in der Altmark zufrieden sein mit dem Radwegenetz. Neben den vielen asphaltierten Wegen, eingestuft in der höchsten Kategorie 4, gerade auf den neuen Deichen gibt es auch naturbelassene Strecken, um den Menschen dicht an die Natur heranzuführen." Sie freut sich, dass der Havelradweg bis auf ein kurzes Stück bei Warnau rechtzeitig zur Buga fertig geworden ist. Dem stimmte auch Jenny Freier, die Tourismus-Managerin des Elbe-Havel-Landes, zu. Sie hatte neben dem Biosphärenreservat Arneburg einen Info-Stand aufgebaut. Die Nachfrage nach aktuellen Radwanderkarten war am größten. Das offizielle Handbuch 2015 zum Elberadweg, das auf knapp 100 Seiten Infos von der Quelle der Elbe in Tschechien bis zur 1200 Kilometer im Norden entfernten Mündung enthält, fand bei ihr und auch bei der IHK Salzwedel guten Absatz. Deren Geschäftsführer André Rummel warb in Klietz für die "Grüne Wiese Altmark" und freute sich, auch eine Abordnung tschechischer Gäste begrüßen zu können, die mit dem Tourismus zu tun haben.

Klietzer Vereine verpflegen die Gäste süß und deftig

Wieviele Gäste insgesamt nach Klietz gerollt waren, ließ sich am späten Nachmittag schwer schätzen, "es war ja ein Kommen und Gehen", zeigte sich Heimatvereinsvorsitzende Elke Joachim zufrieden. Sie hatte zusammen mit anderen Frauen in der Backstube Kuchen an die hungrigen Radler verkauft. Außerdem gab es Deftiges vom Feuerwehr-Förderverein, süße Waffeln vom Jugendklub und Fisch von Gernot Quaschny.

Vom Angebot der Kreisverkehrswacht, das Fahrrad codieren zu lassen, machten etliche Gäste Gebrauch. Auch Sigrid und Karl Kuhne aus Tangermünde, die mit ihrem Enkel nach Klietz gekommen waren. Eigentlich sind sie mit der Laufgruppe Haeder meist zu Fuß unterwegs, und zwei Tage zuvor sind sie auch erst in Angern gelaufen, aber die Radtour nach Klietz wollten sie sich nicht entgehen lassen. "Wir haben gute Räder. Wenn sie doch gestohlen werden sollten, besteht die Chance, sie wiederzufinden", begründeten sie den Wunsch, einen Code in den Rahmen schleifen zu lassen. Die Kreisverkehrswacht vergab auch Plaketten, wenn das Fahrrad in verkehrssicherem Zustand war. Da kaum Kinder beim Elberadeltag waren, wurde auch der aufgebaute Fahrradparcours wenig genutzt. Aber so mancher warf einen Blick durch die Drogenbrille oder ließ sich über ein Fahrsicherheitstraining informieren.

Info-Stände gab es auch von der AOK und die IHK berichtete gern von den Initiativen, den Tourismus als wirtschaftlichen Faktor in der Altmark zu fördern.

Kreative Angebote und Piratenshow

Zu hören gab es neben Wissenswertem im von Hans-Joachim Frey moderierten Programm auch Live-Musik von Village Boy Heiko Kurze. Außerdem schlenderten die Besucher durch die Ausstellungsräume, schauten den Spinnfrauen zu, Maren Reinhold beim Klöppeln und konnten auch selbst kreativ werden am Stand von Antje Schulze, die Dekoratives aus Naturmaterial fertigte. Selbstgenähtes, unter anderem ganz originell aus alten Jeans, bot Sabine Weiß an. Waldi Eckert präsentierte dazu ein paar alte Motorsägen.

Während Ex-Landrat Jörg Hellmuth ganz sportlich zusammen mit seiner Frau mit dem Rad aus Wust nach Klietz kam, trug Carsten Wulfänger Anzug. Eigentlich wollte auch er die Turnschuhe anziehen. Aber er änderte kurzfristig seine Pläne und fuhr nach der Eröffnung weiter nach Uchtspringe, wo unzählige Helfer seit der Nacht nach einer Fünfjährigen suchten (wir berichteten).

Die Piratenshow mit dem Blauen Herz rundete das kulturelle Programm ab. Da nur wenige Kinder unter den Gästen weilten, rätselten die Erwachsenen fleißig mit. Den Hauptpreis für das schwerste von sieben Rätseln ergatterte Christel Lühmann aus Neuermark-Lübars von der Spinngruppe. Für sich und sechs weitere "Spinnerinnen" gewann sie vom Veranstaltungsbüro Wünsch und vom Blaue-Herzen-Verein gesponserte Eintrittskarten für die Johann-Strauß-Gala am kommenden Wochenende im Genthiner Stadtkulturhaus.

Einige Radler nahmen sich noch die Zeit, einen Abstecher zur Mühle zu machen. Hier zeigte Rüdiger Sigmund, wie einst das Korn zu Mehl gemahlen wurde (dazu demnächst mehr). Diejenigen, die auf dem Hinweg Gegenwind hatten, freuten sich auf den Rückweg - wer in die andere Richtung heimfuhr, musste ordentlich in die Pedale treten.

   

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