Havelberg l "Haben Sie heute schon geküsst? Unsere Orgel befindet sich seit Jahrzehnten im Dornröschenschlaf und wartet auf ihren Prinzen. Probieren Sie es doch mal!" Mit dieser Aufforderung macht der im vergangenen Sommer in Havelberg gegründete "Verein für die Restaurierung und Erhaltung der barocken Scholtze-Orgel der St. Laurentiuskirche" im Gotteshaus auf sein Anliegen aufmerksam. Neben der Texttafel steht eine aus Holz gefertigte Orgelpfeife, die als Spendenbox dient. Zwei davon gibt es in der Stadtkirche, die zur Buga die Blumenhallenschauen beherbergt, eine im Dom, für eine weitere wird noch ein Platz gesucht, berichtet Domkantor Matthias Bensch, zugleich Vorsitzender des Orgelvereins.

CD mit Werken von Bach

Wenn jeder der avisierten 700000 Buga-Besucher in Havelberg einen Euro geben würde, könnte zum Ende der Gartenschau die Restaurierung des Instrumentes beauftragt werden. Doch haben sich die Vereinsmitglieder noch weitere Spendenmöglichkeiten überlegt, um ganz sicher zu gehen. "Pfeifenpaten bleiben unvergessen" ist ein Flyer überschrieben, in dem Interessierte sich ihre Orgelpfeife auswählen können, für die sie Pate werden möchten. Es geht um die Prospektpfeifen auf der Schauseite der Orgel. Diese bestanden ursprünglich aus Englisch Zinn. 1917 wurden diese für den Krieg eingezogen und später durch minderwertige Zinkpfeifen ersetzt. "Das sind romantische Pfeifen mit Rollbärten. Die passen nicht in eine barocke Orgel", erklärt der Kantor. Zumal das Instrument dadurch auch seiner Schönheit beraubt und klanglich entwertet wurde.

Auf gut 100000 Euro werden die Kosten allein für die Restaurierung der Prospektpfeifen geschätzt, denn die Zinnlegierung ist sehr teuer. Die kleinen, stummen Pfeifen können Paten schon für 20 Euro übernehmen, die großen im Hauptwerk kosten bis zu 2000 Euro, die noch größeren in den Pedalen bis 3000 Euro. Mehrere Paten können für eine Prospektpfeife spenden. Jeder Spendername wird auf der Rückseite der Pfeife eingraviert, und der Spender erhält einen vom Potsdamer Künstler Rainer Ehrt gestalteten Patenbrief.

Für eine weitere Einnahmequelle hat Matthias Bensch eine CD aufgenommen. Auf der - ebenfalls von Scholtze stammenden - Domorgel spielte er Werke von Bach ein. Diese ist für 15 Euro im Domladen erhältlich. Dort gibt es übrigens auch klingende Spielzeug-Orgelpfeifen für Kinder. Diese stammen aus echten Orgeln und wurden auf einen Holzfuß gesetzt. Die Einnahmen fließen zu hundert Prozent in die Restaurierung der Orgel.

Insgesamt rechnet der Verein mit mindestens 650000 Euro Kosten für die Restaurierung des Instrumentes. Ein umfassendes Restaurierungsgutachten liegt vor. Matthias Bensch hofft, dass genug Geld zusammenkommt. Denn von Scholtze, einem Schüler des Orgelbauers Joachim Wagner, existieren nur noch drei zweimanualige Orgeln. Bei der in der Stadtkirche ist über die Hälfte des Originalbestandes erhalten. "Es ist problemlos möglich, den Teil zu rekonstruieren, der in den vergangenen 250 Jahren verloren gegangen ist, da wir Vorbilder haben, die nur zu kopieren wären."

Weiteres im Internet unter www.orgelverein-havelberg.de