Gut besucht war die erste Auflage der von Maria Husmann ins Leben gerufenen Operngala in Havelberg. Die "jungen Stimmen" begeisterten mit bekannten Musikstücken ihr Publikum. Die nächste Operngala findet am 28. Mai ab 19 Uhr wieder in der Aula des Schulzentrums statt.

Havelberg l Wenn Maria Husmann, seit vielen Jahren Wahl-Havelbergerin, zu einem Musikereignis einlädt und es auch noch "Operngala" nennt, dann weiß der Besucher, dass er etwas wirklich Hochkarätiges erwarten darf. So war denn trotz des Herrentages die Aula des Schulzentrums gut gefüllt mit gespannten Musikfreunden. Und schon beim ersten Anschlag des Flügels war klar: Hier passiert etwas, nämlich Musik vom Allerfeinsten.

Maria Husmann hatte sich schon im Vorfeld um eine besondere Atmosphäre gekümmert. So war die etwas karge Aula mit schönen Blumenbuketts geschmückt und es gab Sekt und Getränke in der Pause, so wie es sich in der Oper gehört. An "Requisiten" gab es außer der Beleuchtung nichts; die Bühne war freier Raum für die beachtlichen Talente der jungen Sänger, und die wussten ihn hervorragend zu füllen.

Künstler stellten sich singend vor

Zunächst stellte man sich musikalisch vor. Jeder hatte dazu Lieder eines großen Komponisten ausgewählt: die Sopranistin Yvonne Prentki sang Mozarts Mailied und "Das Veilchen" mit feiner, sinnbegleitender Gestik, der Tenor Julian Rohde zwei Titel aus Schumanns "Dichterliebe" und Maximilian Klakow den "Lindenbaum" aus Schuberts "Winterreise". Da war es wirklich tief berührend zu sehen und zu hören, wie sich musikalisch hochbegabte junge Menschen mit viel Engagement (ja, Fleiß und Ausdauer gehören unbedingt dazu!) und sorgfältiger Ausbildung auf der Bühne entfalten. Unterstützt wurden sie von einem wunderbar sensiblen Begleiter am Flügel, dem Pianisten Frank Gutschmidt.

Es folgte ein kurzer Ausflug in das Oratorium. Yvonne Prentki sang Rezitativ und Arie des Erzengels Gabriel mit den herrlichen Klangmalereien zu Wachstum und Natur so leicht und frühlingsfroh, wie es sich der Komponist Joseph Haydn nicht schöner hat vorstellen können. Dann ging es zu Mozarts beliebter "Zauberflöte".

Max Klakow gab mit "O Isis und Osiris" einen Sarastro mit warmem, tiefklingendem Bass und Yvonne Prentki war in der Bravourarie, "Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen", ihrem "Kabinettstück", eine bitterböse Königin der Nacht. Im Duett aus "Zar und Zimmermann" von Lortzing taxierten sich Bass und Tenor auf locker-witzige Art, und die Sopranistin verzauberte die Zuhörer als schnippisch-süße Marie mit der Eifersuchts-Arie aus derselben Oper.

Aus Beethovens einziger Oper "Fidelio" erklang die Arie des habgierigen Kerkermeisters Rocco. Flotows "Martha", wenig gespielt, war mit dem bekannten Lied "Letzte Rose" der verkleideten Martha und der Liebeserklärung des getäuschten Lionel zu hören.

In der darauf folgenden Arie des Lenski aus Tschaikowskis "Eugen Onegin" zeigte Julian Rohde sein großes dramatisches und sängerisches Können: die ganze Verzweiflung des jungen Mannes (der sicher nicht viel älter gedacht ist als der Sänger selbst), den Eifersucht und Enttäuschung zu einem Duell verleitet haben, das seinen Tod bringen wird. Ganz großartig.

"Es grünt so grün" mit reizender Tanzszene

Zur Entspannung vor der Pause beklagten die jungen Männer, jetzt recht ironisch, ihre "Liebesqual", nach dem Musical "Into the Woods" von Sondheim. Nach der Pause brillierten dann alle drei Künstler nacheinander oder im Duett in Mozarts "Entführung aus dem Serail". Eine Kostprobe aus der Zeit des Beginns der Gattung "Oper" in der Renaissance bot das subtil erotische Liebesduett "Pur ti miro" aus "Krönung der Poppea" von Claudio Monteverdi. Ganz wunderbar ergänzten sich hier die Stimmen von Yvonne Prentki und Julian Rohde zu bewegendem kristallklaren Gesang.

Den Abschluss bildete ein Potpourri aus "My Fair Lady" von Frederic Loewe, schwungvoll eingeleitet von Frank Gutschmidt am Flügel. Bei "Es grünt so grün" durfte man noch eine reizende Tanzszene erleben - das können sie also auch! Was Wunder, dass das Publikum gar nicht aufhören mochte mit seinem begeisterten Applaus.

Wer diese wunderbare erste Havelberger Operngala noch nicht miterleben konnte, darf sich auf die Wiederholung freuen: am Donnerstag, 28. Mai, stehen die jungen Sänger wieder ab 19 Uhr auf der Bühne der Aula des Schulzentrums, und man darf sie noch einmal erleben: Oper ganz festlich und ganz nah.

Karten für die Operngala können in der Touristinfo Havelberg, Uferstraße 1, Telefon 039387/79091, vorbestellt werden.