Der einstige Reichskanzler Otto von Bismarck wird ein Jahr lang auf Reisen gehen - und zwar in Form einer kleinen Büste. In 14 Museen des Landes wird er präsentiert.

Schönhausen l "In den Museen wird er auf unterschiedliche Sammlungen oder Persönlichkeiten treffen und es entstehen künstlerische, humorvolle oder nachdenkliche Installationen", erklärte Dr. Andrea Hopp, Leiterin des Schönhauser Bismarck-Museums bei der Begrüßung. Anlass für den Reiseantritt war der Internationale Museumstag am Sonnabend, weshalb die Leiterin auch zu einer Kaffeetafel eingeladen hatte.

In diesem Jahr stand der Museumstag unter dem Motto "Museum. Gesellschaft. Zukunft" - dazu passt die Rundreise des einstigen Reichskanzlers als politische Schlüsselfigur der deutschen und europäischen Geschichte des 19. Jahrhunderts. Wichtig ist darum aber auch eine differenzierte Auseinandersetzung mit Bismarcks Leben und Werk. Die fiktiven Begegnungen werden in den jeweiligen Museen individuell gestaltet, zuerst geht es nach Genthin ins Kreismuseum.

In Naumburg wird er zum Beispiel auf den Philosophen Friedrich Nietzsche treffen und in Salzwedel kommt er mit Jenny von Westfalen, der Ehefrau von Karl Marx, ins Gespräch. Was sie sich wohl zu sagen haben? In Schloss Letzlingen wird der Fürst auf die Jagd gehen und in Stendal gesellt er sich im Winckelmann-Museum zu den hier bereits versammelten Büsten.

Dankeschön mit einer Kaffeetafel für alle Stifter

Letzte Station ist das Kloster Jerichow. Die Landeszentrale für politische Bildung begleitet die Reise mit Vorträgen. Die einzelnen Etappen der Reise wird die Otto-von-Bismarck-Stiftung auf ihrer Internetseite aktuell dokumentieren. Zum Museumstag im kommenden Jahr soll diese Reise in Schönhausen auf einer Sonderschau präsentiert werden.

Doch wurde bei der Kaffeetafel nicht nur der Kanzler wohlverpackt im Koffer auf Reisen geschickt, mit der Einladung sagte das Museum auch allen Spendern Dankeschön, welche ihm Dokumente aus ihrem Familienbesitz überlassen hatten. So wie die Hohengöhrenerin Ines Freyer. Sie besaß noch alte Fotos vom Schönhauser Albert Nehre, auf denen er das Bismarcksche Schloss, die Kirche und den Park in den 1930er Jahren fotografiert hatte.

Zwei vergilbte Fotos konnte auch Marlies Rühe aus Fischbeck beisteuern, auf ihnen war der einstige Reichskanzler an seinem 80. Geburtstag zu sehen. Vor seinem Anwesen stehen zwei Ehrensoldaten - einer davon war der Großvater der Fischbeckerin. Weil er ihr viel über sein Idol Bismarck berichtet hatte, wusste sie in der Schule gut Bescheid - was aber in der DDR beim Lehrer auf Misstrauen stieß und Anlass für einen Hausbesuch war.

Drei Vitrinen zeigen die Schenkungen. Gerda und Hans-Werner Schmücke aus Wust stifteten Fotos vom Herrenhaus, Bastian Eisenbarth aus Schönhausen ein Corpsband der Göttinger Studenten - dort studierte auch Bismarck. Eine Vitrine ist mit Briefumschlägen bestückt, die an Otto, Johanna und Herbert von Bismarck gerichtet waren.