Stendal/Magdeburg (mr) l Der Sparkassen-Skandal ist ein doppelter Fall für die Justiz. Im Fokus steht dabei nicht nur Ex-Vorstandschef Dieter Bur-meister. Das Kreditinstitut versucht auch, über Strafanzeigen zu ermitteln, woher brisante Informtionen zur Volksstimme gelangen konnten.

Die Volksstimme berichtete im September vorigen Jahres über Kreditvergaben an zwei Unternehmen, bei denen nach damals vorliegenden Berechnungen ein Schaden von rund 2,5 Millionen Euro entstanden sein soll. Der Verwaltungsrat bekräftigte jetzt: "Die bisher eingebrachten Kreditverfehlungen bleiben weiterhin Gegenstand/Bestandteil des Verfahrens."

Was der Vorsitzende des Verwaltungsrates indes bislang in den Erklärungen verschwiegen hatte, brachten jetzt Volksstimme-Recherchen bei der Magdeburger Staatsanwaltschaft ans Tageslicht: Die Kreissparkasse interessiert sich nicht nur für mögliche Kreditverfehlungen ihres Ex-Chefs. Sie fahndet auch danach, wie diese Informationen an die Volksstimme gelangen konnten.

"Hier liegt eine Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Geheimnisverrat nach Paragraph 17 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) vor", erklärte Staatsanwaltschaftssprecher Frank Baumgarten. Interne Schriftstücke aus dem Geschäftsbereich der Kreissparkasse Stendal über Kreditvergaben seien unbefugten Dritten zugänglich gemacht worden, so der Vorwurf.

"Bisher sind die Ermittlungen nach einem Täter jedoch erfolglos verlaufen", erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft: "Das Verfahren ist - noch - nicht eingestellt worden." Dies dürfte indes nur noch eine Frage der Zeit sein, denn "die polizeilichen Ermittlungen scheinen am Ende zu sein", ließ Baumgarten auf Nachfrage durchblicken.