Stendal. Der Landkreis Stendal hält im Januar 2011 einen traurigen Rekord: Es ist der Kreis mit der höchsten Arbeitslosenquote in Sachsen-Anhalt. Sie liegt bei 16,7 Prozent. Dahinter stehen 10 706 Frauen und Männer, die als arbeitslos registriert sind.

Das Bild im Altmarkkreis Salzwedel ist wesentlich freundlicher. Hier beträgt die Arbeitslosenquote 11,4 Prozent (5594 Arbeitslose). Daraus ergibt sich für die Altmark eine Arbeitslosenquote von 14,4 Prozent – zwei Prozent mehr als noch im Dezember, in dem die Zahl der Arbeitslosen ebenfalls bereits angestiegen war. 4494 Männer und Frauen wurden im Januar arbeitslos. Lediglich 803 Arbeitslose fanden im vergangenen Monat einen Job.

So deprimierend diese Bilanz sein mag, sie ist nicht unerwartet. Marina Kermer, Geschäftsführerin der Stendaler Arbeitsagentur, spricht von einem "saisonbedingten Anstieg der Arbeitslosigkeit". Vor allem in den Bau- und Außenberufen wird im Winter witterungsbedingt entlassen.

Allerdings waren Ende Januar 1563 Altmärker weniger arbeitslos als im gleichen Monat des Vorjahres. Die Quote lag im Januar 2010 nicht bei 15,5 Prozent. Yvonne Papke, Sprecherin der Arbeitsagentur, macht für diesen Silberstreif am Horizont zwei Ursachen aus. Zum einen sei es der wirtschaftliche Aufschwung, der den saisonalen Anstieg der Arbeitslosigkeit in der Altmark ein wenig abfedere, zum anderen die Kurzarbeit, die viele Firmen nutzen, um nicht Mitarbeiter der Stammbelegschaften entlassen zu müssen. 145 Firmen beantragten im Januar Kurzarbeit für 1400 Arbeitnehmer. Zumindest einem Teil von ihnen wäre ohne diese Brücke im vergangenen Monat vermutlich gekündigt worden.

Die aktuelle Statistik der Arbeitsagentur zeigt auch, dass die Arbeitslosigkeit nicht flächendeckend so hoch ist wie in Stendal. Die geringste Arbeitslosenquote wurde in der Gardelegener Geschäftsstelle für die Region Gardelegen/Klötze registriert. Sie ist im Januar zwar auch gestiegen, aber nur auf 10,4 Prozent – landesweit einer der niedrigsten Werte. Hier schlägt sich die Nähe zu großen Industriestandorten wie Wolfsburg nieder.

Eines jedoch sei an dieser Stelle auch vermerkt: Es gibt wesentlich mehr Altmärker, die auf der Suche nach Arbeit sind, als die arbeitslos Gemeldeten. Die Zahl derer, die eine reguläre Beschäftigung aufnehmen könnten und das auch wollen, ist um 4000 Menschen höher als die der registrierten Arbeitslosen. Der Grund: Männer und Frauen, die derzeit zum Beispiel in einer Trainingsmaßnahme der Arbeits-agentur aufgefangen werden oder mit anderen arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen wie Weiterbildungen gefördert werden, sind laut den Regelungen des Sozialgesetzbuches nicht arbeitslos, sondern "arbeitssuchend". Ebenfalls als arbeitssuchend geführt werden die Menschen, die im Januar bereits ihre Kündigung in der Tasche hatten, aber aufgrund der Kündigungsfrist noch beschäftigt sind, und auch solche Männer und Frauen, die aus verschiedensten Gründen ihren Job wechseln wollen oder müssen und sich daher bereits bei der Arbeistagentur gemeldet haben.

Damit wächst die Zahl der Altmärker, die derzeit auf der Suche nach einer Arbeitsstelle sind, rein rechnerisch von 16 300 auf 21 292. Das sind rund 18 Prozent aller "erwerbsfähigen" (so der amtliche Begriff) Männer und Frauen zwischen Arendsee und Tangerhütte.