136 Landwirtschaftsbetriebe und Einzelbauern, die über eine Gesamtfläche von 49866 Hektar verfügen, gehören dem Kreisbauernverband Stendal an. Beim Kreisbauerntag zogen sie gestern in Iden Bilanz ihrer Arbeit im Vorjahr und berieten, wie sie sich den Herausforderungen der Zukunft stellen.

Iden. "Glück gehabt", sagte Wolfgang März mit Blick auf den Dioxinskandal. Im Landkreis Stendal sei nämlich kein mit dem Gift belastetes Futter zum Einsatz gekommen, führte der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes an.

Doch Auswirkungen hätten diese "kriminellen Machenschaften" dennoch auf die einheimischen Landwirte. "Wir werden in die Schmuddelecke gestellt", so März. Das führe zu einem Imageverlust, mit dem die Berufsgruppe ohnehin zu kämpfen habe.

Stadelmann: Drei Betriebe noch gesperrt

"Landwirte sind die Opfer des Dioxinskandals, nicht die Täter", stellte Jürgen Stadelmann klar. Der Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium informierte, dass derzeit noch zwei Schweinebetriebe und ein Putenbetrieb gesperrt seien – beileibe nicht das einzige Problem der Landwirte. Die Witterungsverhältnisse im Vorjahr hätten ihnen das Leben schwer gemacht, stellte März fest und zählte auf: langer Winter, Trockenheit bis Juli, dann Unmengen an Niederschlägen. Landwirtschaftliche Flächen waren vernässt und damit nur teilweise oder gar nicht nutzbar.

Das trifft vor allem Landwirte, die unter dem Havel-Hochwasser und der Überleitung von Aland-Wasser in die Seege-Niederung leiden. Lautstark trommelten die Teilnehmer des Bauerntages auf die Tische, als Stadelmann berichtete, der Planfeststellungsbeschluss für das Alandüberleitungswehr sei erteilt – trotz einer Klage des BUND. Das Landesverwaltungsamt hat dem vorzeitigen Maßnahmebeginn zugestimmt. Die Planung für das Wehr, das zur Überleitung von Alandwasser in die Seege dient, soll in diesem Jahr abgeschlossen werden. Trotz der komplizierten Witterungsbedingungen konstatierte Wolfgang März recht gute 2010er Ernteerträge. Der durchschnittliche Hektarertrag im Landkreis Stendal lag für Wintergerste bei 64,24 Dezitonnen, für Winterroggen bei 45,71 Dezitonnen, für Triticale bei 40,90 Dezitonnen, für Winterweizen bei 58,71 Deztonnen und für Raps bei 40,22 Dezitonnen.

Berufsverband mit gewichtiger Stimme

Die Lage der Milcherzeuger hat sich leicht entspannt. 29 bis 30 Cent je Kilogramm Milch nahmen sie im Vorjahr ein. Das sind 32 Prozent mehr als 2009. Allerdings, schränkte Wolfgang März ein, kostendeckend könne damit nicht produziert werden und Investitionen könnten schon gar nicht in Angriff genommen werden. Wie auch die Schweineproduzenten litten die Milcherzeuger unter dem Preisdruck der Discounter, so März.

Um diesem Dilemma zu entkommen, gibt es kein Patentrezept. Wolfgang März verwies unter anderem auf die Beschäftigung mit der Börse, um flexibel auf den Markt reagieren zu können. Unerlässlich sei ein geeinter Berufsverband, der der Stimme der Landwirte auch in der Politik Gewicht verleiht.