Mit Blick auf die zurückgehende Bevölkerungszahl und das Stadtentwicklungskonzept steht in Havelberg der Abriss von Wohnblöcken zur Debatte. Denken Sie, dass das die richtige Lösung wäre? Dies ist ein Thema in unserer Leserumfrage, zu dem wir von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, Ihre Meinung erfahren möchten. Von den beiden großen Wohnungsvermietern wollten wir wissen, wie sie mit Wohnungsleerstand umgehen.

Havelberg. 4150 Wohnungen in der Einheitsgemeinde, davon 3324 im Stadtgebiet, gab es in Havelberg zum Ende des Jahres 2008. Davon sind über 60 Prozent vollsaniert, heißt es im Entwurf des Stadtentwicklungskonzeptes. Rund 500 Wohnungen standen zu diesem Zeitpunkt leer, wobei sich 80 Prozent des Leerstandes in privatem Eigentum befinden. Empfehlungen, Wohnungsleerstand mit Stadtumbaumaßnahmen zu begegnen, beziehen sich vor allem auf die beiden großen Wohnungsvermieter: Havelberger Wohnbau GmbH und Havelberger Wohnungsgenossenschaft "Solidarität" (HWG). Die Volksstimme unterhielt sich mit beiden Geschäftsführern zur aktuellen Situation und darüber, was für die Zukunft geplant ist.

Für die Wohnbau gibt es im Konzept den Vorschlag, den Wohnblock Breite Straße 1 bis 9 abzureißen. Die Mieter dort sind verunsichert. Sie wollen dort bleiben, machten sie im Mai vorigen Jahres auch gegenüber der Volksstimme deutlich. Nach der Aufsichtsratssitzung am vergangenen Donnerstag steht fest: Einen Rückbau wird es nicht geben. Darüber informierte Geschäftsführer Gerd Schulz am Dienstag die Mieter.

"Wir werden die 5. und 6. Etage des Wohnblocks stilllegen und die Heizungen und Leitungen kappen", sagte er gestern im Gespräch mit der Volksstimme. Von diesen 36 Wohnungen in den beiden oberen Etagen sind noch zwölf bewohnt. Den Mietern werden Wohnungen im Block angeboten. Die Gespräche dazu soll es in nächster Zeit geben. Bis zum Beginn der Heizperiode sollen die Etagen freigezogen sein. Statt der bis dato 108 Wohnungen in dem Ende der 1980er Jahre gebauten Block gibt es dann noch 72.

Die Wohnbau hat 690 Wohnungen in ihrem Bestand. Der Leerstand liegt mit rund zehn Prozent im Durchschnitt vergleichbarer Städte, sagte Gerd Schulz. In den vergangenen Jahre wurden mit den Gebäuden in der Lehmkuhle und Amtstorstraße 30 Wohnungen vom Markt genommen. Unsanierte Wohnhäuser im Altbaubestand wurden zum Teil veräußert, wenn die Käufer ein gutes Konzept vorlegten. Das betrifft zum Beispiel die Fischerstraße 36 sowie den Komplex Fischerstraße 25/26 und Lange Straße 41. Die Wohnbau hat aber auch unsanierte Häuser – aus eigenem Bestand oder neu erworben – auf der Stadtinsel saniert. Marktquartier und Schulstraße 8 zum Beispiel. In der Mühlenstraße 1 sollen 18 Wohnungen bis November fertig sein. Die meisten Wohnungen im Eigentum der Wohnbau sind voll- oder teilsaniert.

Wie sich die Nachfrage nach Wohnraum angesichts prognostiziertem Rückgang der Bevölkerung künftig gestaltet, ist eine Frage, die heute schwer zu beantworten sei, sagte Gerd Schulz. "Der vor zehn Jahren vorhergesagte Leerstand ist zum Glück so nicht eingetroffen." Zum einen durch die Regelung der Bundeswehr, dass Soldaten, die älter als 25 sind, nicht in der Kaserne wohnen dürfen. Zum anderen durch Hartz-IV-Regelungen, wofür bezahlbarer Wohnraum erforderlich ist.

"Die Zahlen sind alarmierend, aber im Moment steht kein Abriss zur Debatte", so Gerd Schulz. Und auch kein Rückbau. "Der wäre teurer als ein Totalabbruch." Dass die Situation schwieriger wird, sei klar. Die Wohnbau versucht, mit vernünftigem und bezahlbarem Wohnraum Leerstand zu begegnen.

Ähnlich ist es bei der HWG. Hier wurden durch Rückbau von 5. und 6. Etagen 52 Wohnungen vom Markt genommen, sagte Geschäftsführer Jürgen Kerfien. Um sich auf die älter werdende Bevölkerung und auch die Wünsche jüngerer Leute einzustellen, wird in diesem Jahr der Wohnblock Breite Straße 23 bis 27 mit einem Aufzug ausgestattet. Ob das künftig auch in fünfgeschossigen Häusern notwendig ist, müsse sich zeigen. Ein Rückbau von Etagen ist aus heutiger Sicht nicht mehr vorgesehen, so Jürgen Kerfien. Wichtig sei auch der Genossenschaft, guten und bezahlbaren Wohnraum anzubieten, auch für Hartz-IV-Empfänger. Der Leerstand liegt derzeit bei rund drei Prozent. Dass es einmal mehr wird, könne durchaus eintreffen. Jedoch sehe die Genossenschaft, deren 573 Wohnungen alle in der Oberstadt sind, aufgrund der dort befindlichen Infrastruktur mit Einkaufsmöglichkeiten, Post, Volkssolidarität und anderem mehr gute Chancen, dass die Mieter nicht wegziehen.

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