Hinter einem Baugerüst und großen Planen verborgen zeigt sich in der Havelberger Domherrnstraße 8 derzeit nur ein Teil der alten Domkurie. In ihrem Innern gehen die Sanierungsarbeiten jedoch gut voran.

Havelberg. Aus dem Schornstein steigt Qualm auf und auch das Dröhnen von Baumaschinen lässt auf Aktivitäten im Hausinnern schließen. Nicht nur die Mitglieder des Havelberger Vereins "denkMal und Leben", die sich die denkmalgerechte Sanierung und die spätere Nutzung der Kurie als Mehrgenerationenhaus auf die Fahnen geschrieben haben, freuen sich über den Baufortschritt. Auch die Stadt Havelberg und ihre Bewohner sind froh darüber, dass dieses Haus erhalten bleibt. Die Zimmerleute der "Zimmerei Gnoth" aus Salzwedel – sie sind von Beginn der Sanierungsarbeiten des Zeitzeugen an auf der Baustelle – haben immer noch alle Hände voll zu tun. Am Westgiebel sind die Zimmerer Johann-André Dreier und Björn Balzies mit den letzten Reparaturarbeiten beschäftigt. "Die Zimmerei Gnoth wurde 1997 von Zimmermeister Nils Gnoth gegründet, der im selben Jahr nach erfolgreicher Abschlussprüfung im Europäischen Zentrum für Denkmalpflege, das im Schloss Raesfeld zu finden ist, den Titel zum Restaurator im Zimmerhandwerk verliehen bekam. Schwerpunkt des Betriebes ist die Erhaltung und Restauration alter Bausubstanzen sowie der traditionelle Holzbau im Dachstuhl- und Fachwerkbereich", umschreibt Johann-André Dreier kurz seinen Traditionsbetrieb. Die gesamte Haushülle wurde von den Zimmerleuten erneuert, ausgebessert und wieder ansehnlich hergerichtet. Jetzt geht, nach einigen Monaten Arbeit, der erste Bauabschnitt für die Zimmerleute dem Ende entgegen. "Die Arbeit ist sehr aufwändig, denn das Holz, das von uns ersetzt wird, wird auch in der originalen Holzverbindung hergestellt. Streben, Rahmhölzer, Ständer, Schwellen, Brustriegel und einiges mehr mussten zum Teil komplett erneuert werden", so der Zimmermann. Bei den Arbeiten, wie etwa dem Wechseln der Schwellenbalken, dem Ausgleich und der Sparrenverstärkung im Dachstuhl, dem Stellen von Fachwerkwänden und vielem mehr, die im letzten Jahr ausgeführt wurden, waren die Kollegen in der Domkurie tätig. "Unsere Mitarbeiter, die Zimmerleute Thomas Dünow, Sebastian Arndt, Christian Pospiech, Werner Mache und Marc Filax, haben hier schon etliche Kubikmeter Holz verbaut", so Johann-André Dreier. Als nächste Aktion werden von den Salzwedeler Zimmerleuten einige Unterzüge im tragenden Bereich eingebaut. Dazu erwarten sie das Holz aus dem Sägewerk in der kommenden Woche. Wer später die Fußböden in der D 8 fertigt, ist noch nicht entschieden, aber, trotz der täglichen Fahrerei würden die Altmärker diesen Part auch gerne übernehmen.

Die Ein-Euro-Jobber, die in der Kurie mit beschäftigt sind, haben die Stroh-Lehm-Wickel für die erste Raumdecke fertiggestellt und wickeln nun weiter, um die restlichen Deckenöffnungen zu verschließen. "Die zwischen 0,80 und 1,20 Meter langen Wickel haben ein Gewicht von bis zu 40 Kilo", erzählt der stellvertretende Vorarbeiter Kevin Jäckel. "Es macht den Leuten aber Spaß, denn ist ja eine nicht alltägliche Arbeit und im Trockenen sind wir auch noch", fügt er an. Im Nebenraum ist der Angestellte der Dom-Töpferei Alfred Koszian mit seinen Helfern Uwe Rehfeld und Andreas Peter dabei, die selbst gefertigten Lehm-Stroh-Steine vor die Außenwand zu mauern. "Zwischen Außenwand und unserer Lehm-Stroh-Steine Wand wird noch Isoliermaterial eingebracht, und damit ist eine hohe Wärmeisolierung geschaffen", berichtet Alfred Koszian.