Welche Pläne die Gemeinden in diesem Jahr haben und was 2010 gut oder schlecht gelaufen ist, möchte die Volksstimme von den Bürgermeistern im Elbe-Havel-Land wissen. Volksstimme-Redakteurin Anke Schleusner-Reinfeldt sprach mit dem Schönhauser Gemeindeoberhaupt Alfons Dobkowicz.

Volksstimme: Mit dem Umbau der alten Schule zum Bürgerzentrum hat man sich viel vorgenommen. Sowohl finanziell als auch organisatorisch kommt da einiges auf die Gemeinde zu...

Alfons Dobkowicz: Wir als Gemeinde haben unseren Part im Großen und Ganzen erfüllt, nun ist es Aufgabe der Verwaltung, die Pläne umzusetzen. Wir haben einen 1,1-Millionen-Euro-Kredit aufgenommen. Mit diesem Geld und weiteren 800 000 Euro kann das Gebäude sowohl außen als auch innen saniert werden. Das wird sicher sehr aufwändig. Der erste Schritt ist, die Wände trockenzulegen. Positiv ist schon mal, dass die Fundamente nicht vom Grundwasser her nass sind und gut trockengelegt werden können. Unser Bauausschuss wird die Arbeiten begleiten. Bei der Planung der räumlichen Aufteilung gibt es derzeit immer noch Veränderungen. Eigentlich wollten wir ja im Erdgeschoss auf der linken Seite die Räume für die Arztpraxis schaffen und rechts sollte die Verwaltung einziehen. Aber das tauschen wir noch einmal. Noch nicht endgültig geklärt ist auch, wo genau der Fahrstuhl hinkommt.

Volksstimme: Die Bewirtschaftungskosten des großen Gebäudes werden den Haushalt der Gemeinde sicher deutlich belasten?

Alfons Dobkowicz: Nicht übermäßig. Wir zahlen ja nur für die Räume, die wir als Gemeinde auch nutzen. Das sind Ausstellungsräume für das Museum, ein großer Veranstaltungsraum und das Vereinszimmer des Chors. Die Betriebskosten für ihren großen Bereich übernimmt die Verbandsgemeinde ja selbst.

Volksstimme: Man hat schon länger nichts mehr von den potenziellen Investoren gehört, die im Neubau hinter der Schule Betreutes Wohnen einrichten wollten?

Alfons Dobkowicz: Nach wie vor ist Familie Kraneis aus Jerichow an dem Haus interessiert. Wir haben jetzt unsere Zustimmung zum Verkauf erteilt, wenn die Bank den Investoren den Kredit gewährt. Mit diesem schriftlichen Bekenntnis können Kraneis‘ nun die Verhandlungen mit den Banken aufnehmen. Ich hoffe sehr, dass es nun wirklich bald losgeht und das Betreute Wohnen möglichst zusammen mit dem Bürgerzentrum im Frühling nächsten Jahres oder von mir aus auch gern schon eher eingerichtet werden kann. Denn der Bedarf ist einfach da. Ein Drittel unserer Einwohner ist älter als 60 Jahre. Auch wenn sie auf Hilfe angewiesen sind, würden viele Senioren gern im Ort bleiben und nicht in ein Seniorenheim nach außerhalb umziehen.

Volksstimme: Was ist mit dem linken, ebenfalls stark sanierungsbedürftigen Nebengebäude des alten Gutes II?

Alfons Dobkowicz: Es laufen Gespräche mit der Kassenärztlichen Vereinigung, dass hier weitere Praxisräume eingerichtet werden. Es könnte beispielsweise ein Dialyse- und Diabetes-Zentrum entstehen. Schön wäre ja, wenn auch die Apotheke hierhin umziehen würde, dann hätten wir hier ein umfassendes medizinisches Zentrum mit Arzt, Physiotherapie, Betreutem Wohnen und Apotheke.

Volksstimme: Schon seit drei Jahren will die Gemeinde Schönhausen die Linden- und die Heinestraße ausbauen. Reicht dieses Jahr das Geld dafür überhaupt noch?

Alfons Dobkowicz: Dieses Jahr nicht. Aber das liegt weniger am Geld als viel mehr an der Straßenausbaubeitragssatzung, mit der wir erhebliche Probleme haben. Und die sind auch noch nicht geklärt, das wird uns im Rat wohl noch ein paar Sorgen bereiten. So lange können wir das Geld für die Mittelstraße auch nicht einfordern. Wir brauchen erst eine solide Rechtsgrundlage, die auch gerecht für die Grundstücksbesitzer ist. Es wird wohl Ende des Jahres werden, bis die Bescheide dann auch tatsächlich rausgeschickt werden können. Die Linden- und die Heinestraße können wir uns dann hoffentlich für nächstes Jahr vornehmen. Ihr Zustand ist über den Winter nicht besser geworden. Aber zum Glück haben wir nicht so viel Salz gestreut, so dass die Straßenschäden dadurch nicht übermäßig groß sind.

Volksstimme: Die Mieten sichern der Gemeinde jedes Jahr feste Einnahmen. Im großen Neubaublock am Mühlenberg stehen aber etliche Wohnungen leer ...

Alfons Dobkowicz: Ja, es sind neun. Aber die werden nicht mehr lange unbewohnt sein. Denn ich hoffe und bin mir eigentlich auch sicher, dass die Wohnungen wieder attraktiv für die Mieter werden, wenn die Nebenkosten drastisch sinken. Denn bis zum Winter soll die neue Biogasanlage in Betrieb gehen. Und die Wärme, die als Nebenprodukt entsteht, nehmen wir für das Beheizen von Kindergarten, Grundschule, Jugendklub und Neubaublock. Sie ist weitaus kostengünstiger als bisher. Jetzt kostet die Kilowattstunde 6,7 Cent, mit Biogaswärme nur noch zwei Cent. Außerdem planen wir auch dieses Jahr im Haushalt wieder Geld für die Modernisierung von Wohnungen ein. Bei Neuvermietungen wollen wir den Familien ansprechende Räume anbieten. Ich weiß, dass der Block von außen nicht gerade ansehnlich ist. Ein frischer Farbanstrich wäre sicher nicht schlecht und sollte in den nächsten Jahr wohl mit eingeplant werden.

Volksstimme: Wie sieht die Finanzlage ansonsten aus?

Alfons Dobkowicz: Neben den Mieten sind auch die Gewerbesteuern eine wichtige Einnahmequelle. Denn zum Glück haben wir ein Gewerbegebiet mit vielen Firmen und auch zahlreiche niedergelassene Händler und Dienstleistende im Ort. Mit diesen beiden Haupteinnahmequellen können wir sämtliche Ausgaben bestreiten und auch jedes Jahr noch etwas investieren, was anderen Gemeinden in Anbetracht der geringer werdenden Zuweisungen vom Land und der steigenden Kreisumlage immer schwerer fällt.

Volksstimme: Welche Haushaltspositionen bereiten Ihnen Kopfzerbrechen?

Alfons Dobkowicz: Da fällt mir im Augenblick nichts spezielles ein. Die Kämmerin Frau Lemme hat den Haushalt gut hinbekommen. Wir sind auch noch in der Lage, unsere Vereine im Rahmen der Möglichkeiten weiterhin zu unterstützen. Auch beim Dorffest müssen wir keine Abstriche machen. Für das Parkfest im Mai haben wir wieder 4000 Euro eingeplant.

Volksstimme: Können Sie auf die Ein-Euro-Job-Stellen, die im Frühling nicht in vollem Umfang verlängert werden sollen, verzichten?

Alfons Dobkowicz: Auf keinen Fall! Zum Glück ist unser Jugendklub nun wieder mit vier Betreuerinnen besetzt, so dass die alten Öffnungszeiten wieder gelten. Ich hoffe, dass es auch im Bismarck-Museum und im Rentnertreff bei der gleichen Anzahl an Beschäftigten bleibt. Und auch für den grünen Bereich brauchen wir unbedingt Helfer. Denn wir haben zwar schon etliche Rabatten so umgestaltet, dass sie nicht mehr so pflegeaufwändig sind, aber es gibt immer noch genug Arbeit, die unsere Gemeindebeschäftigten nicht allein schaffen.

Volksstimme: Die Einrichtung der Arztpraxis mit Frau Dr. Lüke war sicher einer der Höhepunkte im vergangenen Jahr ...

Alfons Dobkowicz: Ja, darüber bin ich auch sehr glücklich. Frau Lüke hat sich gut eingelebt und die Patientenzahl nimmt täglich zu. Ich denke, dass wir aus der alten Bibliothek eine ansprechende Praxis gestaltet haben, in der bis zum Umzug ins Bürgerzentrum eine optimale Versorgung gewährleistet werden kann. Neben der Arztpraxis gab es letztes Jahr aber noch ein paar Dinge, die mich freudig stimmten. Da war beispielsweise die Feier zur Gedenkstein-Einweihung auf dem Damm. Da hat der Heimatverein ein wirklich schönes Fest auf die Beine gestellt. Die Probleme mit dem Regenwasser in der Mittelstraße konnten behoben werden und ein weiterer Neubaublock in der Friedensstraße ist gedämmt. Die Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes, die ja wegen des frühen Wintereinbruches nicht mehr abgeschlossen werden konnte, geht weiter, sobald es stabil frostfrei ist. Und ich freue mich über die Entlastungsstraße an der Schule, die wir mit der Arbeitsfördergesellschaft gebaut haben. Mit eigenen Mitteln hätten wir uns das gar nicht leisten können.

Volksstimme: Seit einem Jahr gehört Hohengöhren zu Schönhausen. Laut Vereinbarung waren für 2010 mehrere Bauarbeiten geplant, die aber nicht umgesetzt wurden?

Alfons Dobkowicz: Weil es keine Fördermittel gab. Und deren Zusage war die Voraussetzung, dass investiert wird. Auch dieses Jahr wird es dafür keine finanzielle Hilfe geben. Aber wir werden dieses Jahr trotzdem bauen, ohne Fördermittel. Die Große Straße 52 bekommt ein neues Dach und eine neue Fassade, auch das Dach des Bauhofes lassen wir herrichten. Anfangs gab es ja einige Bedenken, aber für die Hohengöhrener hat sich kaum etwas verändert. Wir wollen an den Traditionen nichts ändern und auch keine Vereine zusammenlegen oder dergleichen. Ich glaube, dass es eine gute Partnerschaft ist.

Volksstimme: Seit einem Jahr ist die Gemeinde nicht mehr für Kindergarten, Grundschule und Feuerwehr zuständig. Läuft unter Regie der Verbandsgemeinde trotzdem alles so weiter, wie Sie es sich für die drei Einrichtungen wünschen?

Alfons Dobkowicz: Ja, das kann man so sagen. Mit Bernd Witt als Verbandsbürgermeister gibt es eine hervorragende Zusammenarbeit, es gibt keine Einbußen auf dem Gebiet der Kinderbetreuung oder bei der Feuerwehr. Alles läuft weiter wie bisher.

Volksstimme: Was haben Sie sich für 2011 vorgenommen?

Alfons Dobkowicz: Gesund zu bleiben ist der größte Wunsch. Ich freue mich auf Urlaub und ich hoffe, aus den Angellöchern hier in der Region auch mal einen etwas größeren Fisch an Land zu ziehen.