Seit Jahren schon warten die Sandauer nicht nur auf ihren DSL-Anschluss fürs Internet, sonders auch auf die schon seit fast zehn Jahren geplante Deichrückverlegung. Jetzt kommt scheinbar Bewegung in die Sache.

Von Ingo Freihorst

Sandau. Eigentlich war Flussbereichsleiter Reinhard Kürschner vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz LHW zur Stadtratssitzung nach Sandau eingeladen worden, um über das örtliche Grundwasserproblem zu informieren. Doch nutzte Bürgermeister Henry Wagner die Gelegenheit, um auch nach dem Stand der geplanten Deichrückverlegungen zu fragen.

Für den Nordbereich sei die Planung wegen des neuen Bemessungshochwassers in der Überarbeitung, der Planer will sie bis April fertig haben, kam die Antwort. Eine neue Auslegung der Planungen sei vorerst nicht vorgesehen. Klappt alles, ist eventuell Ende des Jahres das Planfeststellungsverfahren beendet und im kommenden Jahr kann der Bau beginnen.

Im Südbereich steht erst noch der Erörterungstermin an, dort dauert es also noch etwas länger. Auf die Grundwasserstände haben die Rückverlegungen keine Auswirkung, so der Fachmann. Für Wulkau wurde dazu sogar ein Gutachten angefertigt.

Ratsmitglied Silvio Wulfänger dauert dies alles bereits viel zu lange: "Fast zehn Jahre sind seit dem Anfang ins Land gegangen und noch immer ist nichts geschehen!"

Zum letzten Hochwasser hatte er eine weitere Frage: Es wäre gut, wenn der Schlüssel für das Siel Wenddorf nahe des Heimes in der Stadt hinterlegt werden könnte. So kann bei Hochwasser künftig rasch reagiert werden, der Graben am Heim war diesmal arg voll.

Das alte Siel sei sehr schwer zu betätigen, lehnte Arno Mahlke aus Havelberg das Ansinnen ab. Zudem habe das LHW bei Hochwasser einen Meldekopf, welcher rund um die Uhr erreichbar sei und rasch reagiere. Für das alte Siel müsse eine bessere Lösung gefunden werden, beispielsweise ein automatischer Überlauf. Bei einer Deichrückverlegung wäre dieses Bauwerk ohnehin nicht mehr nötig.

Eigentlich sollte der Deichbau im Nordbereich schon längst im Gange sein, doch brachte die Politik den Zeitplan durcheinander: Brandenburg war vorgeprescht und hatte eigenmächtig ein neues Bemessungshochwasser eingeführt. Danach wurden alle Deichhöhen bei Neubauten ausgerichtet. Die anderen Elbanrainer mussten nachziehen, man einigte sich auf einen Kompromiss. Wegen der langwierigen und sogar doppelten Neuberechnung des Bemessungshochwassers für jeden Elbkilometer und der damit verbundenen neuen Höhenvorgaben für die Deiche lagen die Planungen für die Rückverlegung jahrelang auf Eis.