Mit einem Offenen Brief zum Abriss des Altbaus im Evangelischen Seniorenzentrum Havelberg wendet sich der Verein Kultour Elb-Havel-Winkel an den Landesausschuss für Innere Mission Brandenburg:

Der schockierende Volksstimme-Bericht vom 18. Februar über den begonnenen Abriss des über 110-jährigen Hauses "Innere Mission" hat neben den Havelbergern auch Menschen aus dem Elb-Havel-Winkel und darüber hinaus sehr betroffen gemacht. Für uns und andere Bürger ist dieses Haus ein Denkmal für beispielgebende soziale und humanitäre Arbeit der Kirche geworden. Das Haus steht aber leider nicht in der Denkmalliste, so dass Sie es formal auch abreißen dürfen. Die Moral und das Kulturgut sprechen aber dagegen, und daher dürfte das Haus ohne wirklich zwingende Gründe so einfach nicht abgerissen werden. Was man von den Begründern des kaiserlichen Stifts ererbt hat, ist zu pflegen und zukunftsträchtig für die Nachwelt zu erhalten. Alles Andere wäre eine Unkultur. Das sehr solide mit heimischen und unbelasteten Baumaterialien errichtete Haus (außer Anbauten) ist absolut nicht baufällig und würde bei Mindestpflege bis zur Findung einer machbaren wirtschaftlichen Nutzung, ohne höhere Gewalt, ewig stehen.

Als Beispiele seien die Fehler der Hansestadt Stendal bei den Abrissen der Hansa-Brauerei und des Groß-Speichers genannt, mit der zutreffenden Aussage von Stendalern: "Man tut es einfach nicht."

Der Hansestadt Havelberg möge Gleiches nicht weiterhin attraktiv mindernd zustoßen.

Auch ein Denkmal sollte sich wirtschaftlich tragen, aber nicht unbedingt dem Profit dienen. Da bestimmt auch Ihre kirchliche Einrichtung gegenüber reinen Wirtschaftsbetrieben steuerlich privilegiert ist und weitere hochprozentige Förderungen mit dem besonders gemeinnützigen Status erhält, ist der Fall Ihres Hauses als Besonderheit zu betrachten. Der unangekündigte Abriss wird vermutlich auch noch hochprozentig gefördert.

Christen zahlen Kirchensteuern und die Allgemeinheit zahlt auch über andere Wege dafür Steuern. Wir, der Kultur-Touristik e. V., Denkmalpfleger und andere Vereine und vor allem die betroffenen Bürger erwarten daher die Einbeziehung zu einer solch gravierenden Entscheidungsfindung. Vorschläge für eine wirtschaftliche Nutzung gibt es und Beispiele liegen vor. Zu einem Denkmal-Forum seien Sie hiermit eingeladen.

Falls unser Offener Brief noch kein Nachruf auf das historische Haus ist, sollten wir umgehend an einen Tisch kommen. Es wird von Ihrer besonderen Institution erwartet, den weiteren Abriss einzustellen und mit der Öffentlichkeit eine Lösung zu finden. Zu einem Vorgespräch stellen sich Denkmalpfleger aus unserer Region zur Verfügung.

Nach einem Einvernehmen würden sogar die bereits entfernten neuwertigen Rundbogen-Isofenster aus Havelberger Produktion von 1995 im Wert von 50 000 D-Mark mit einer gemeinnützigen Handwerkeraktion zur Haussicherung wieder eingesetzt werden können.

Niemand hat mit einem Abriss gerechnet. Nochmals sei betont: Als Vorsitzender des Kultourvereins und Denkmalpfleger, mit unserem Freundeskreis und nicht zuletzt als Christen, möchten wir mit unserem Anliegen weiteren moralischen Schaden von Ihrer Einrichtung abwenden und gemeinsam etwas Positives mit dem Erhalt Ihres Hauses bewirken. Wir bitten wegen der Dringlichkeit um eine schnellstmögliche Antwort.

Im Auftrag des Vorstands Günter Klam