315 Unfälle mehr als 2009 weist die Statistik des Stendaler Polizeireviers für 2010 aus. 14 Menschen verloren dabei ihr Leben. Die Schwerpunkte des Unfallgeschehens sind ausgemacht, war gestern von der Leiterin des Verkehrsunfalldienstes, Franziska Hain, zu erfahren. Die Präventionsarbeit des Polizeireviers wird genau dort ansetzen.

Stendal. Alle sechs Minuten ereignete sich im vergangenen Jahr auf den Straßen in Sachsen-Anhalt ein Verkehrsunfall. Alle 48 Stunden starb dabei ein Mensch. Im Landkreis Stendal tickt die Verkehrsunfall-Uhr etwas langsamer. Hier krachte es 2010 alle zwei Stunden. 14 Menschen verloren im vergangen Jahr bei Verkehrsunfällen im Landkreis ihr Leben. Damit waren drei Opfer mehr zu beklagen, als ein Jahr zuvor - die schwärzeste Seite der Statistik, die Franziska Hain, Leiterin des Verkehrsunfalldienstes im Stendaler Polizeirevier, und Verkehrssicherheitsberater Fred Mücke gestern vorstellten. Man merkte es beiden an, dass ihnen solche Zahlen trotz jahrelanger Routine nicht leicht über die Lippen gehen.

Bei rund 90 000 Kraftfahrzeugen, die im Landkreis Stendal zugelassen und damit auch auf den Straßen unterwegs sind, ist nicht jeder Verkehrsunfall vermeidbar, aber deren Folgen könnten weniger drastisch sein, würden sich alle Kraftfahrer an die auf den Straßen geltenden Regeln halten. So waren es 475 Unfälle, bei denen als Ursache ein zu geringer Sicherheitsabstand ausgemacht wurde. Bei 334 Unfällen (79 mehr als im Jahr zuvor) waren deren Verursacher zu schnell unterwegs. 109 Unfälle ereigneten sich beim Überholen beziehungsweise Wiedereinordnen und 73 Mal war bei Verkehrsunfällen Alkohol ursächlich im Spiel.

29 Gefahrenstellen, 17 davon in Stendal

Das kann man ändern, und die Polizei wird das Ihre tun, auf diesen Gebieten "erzieherisch" zu wirken. Fred Mücke nannte dazu einige Schwerpunkte. Es werde 2011 verstärkte Verkehrskontrollen und -überwachungen geben, vor allem an den Unfallschwerpunkten, aber nicht nur dort.

29 solcher Schwerpunkte, auch Gefahrenstellen genannt, haben die Unfallexperten im Landkreis ausgemacht, 17 davon allein in der Stadt Stendal. So unter anderem an der Bahnunterführung in der Osterburger Straße, am Nachtigal- und am Schützenplatz sowie an der Einfahrt zum Altmark-Park in der Heerener Straße.

Außerorts sind es zum Beispiel die Auffahrt von der B 107 auf die B 188 aus Richtung Fischbeck/Genthin in Richtung Tangermünde, die Kreuzung der B 189 mit der L 16, die Lüderitzer Kreuzung an der B 189 und Streckenabschnitte der B 190 zwischen Seehausen und der Kreisgrenze oder der L 31 zwischen Tangermünde und Bölsdorf. Die Verkehrsunfallkommission des Landkreises habe bereits getagt und festgelegt, welche Maßnahmen helfen könnten, um diese Unfallschwerpunkte zu entschärfen, berichteten Franziska Hain und Fred Mücke.

Das Steigen der Unfallzahlen im Vergleich zum Vorjahr führern beide jedoch hauptsächlich auf die Witterungsunbilden in den ersten beiden Monaten des Jahres zurück. Der Winter ging im Januar und Februar mit komplizierten und extrem schnell wechselnden Straßenverhältnissen einher. Glück im Unglück hier: Die meisten Unfälle, die darauf zurückzuführen waren, gingen glimpflich aus. Das gleiche Fazit lässt sich für die Unfälle ziehen, die durch Wild verursacht wurden. Das waren die meisten. 1471 Unfälle, gut ein Drittel der Gesamtbilanz, waren Wildunfälle, 1106 Mal durch über die Straße wechselnde Rehe verursacht. Wer diese Gefahr für sich vermindern möchte, sei gut beraten, überall dort, wo Schilder auf Wildwechsel hinweisen, oder auf Straßen, die durch Waldgebiete führen, entsprechend achtsam zu fahren, rät Franziska Hain.

Junge und ältere Fahrer werden geschult

Die meisten Unfälle (499) wurden von Kraftfahrern im Alter von 18 bis 25 Jahren verursacht. Darum setzt das Polizeirevier in dieser Altersgruppe auch mit der Prävention an. Die Aktion "Junge Fahrer", gemeinsam durchgeführt mit der Kreisverkehrswacht, wird es in diesem Jahr viermal geben. Allerdings plant Fred Mücke auch zwei Veranstaltungen "Mobil bleiben", die sich an Ältere wenden. Die Kraftfahrer jenseits der 60 Jahre stehen bei den Unfallverursachern im Landkreis mit 480 auf Platz zwei.