Ferchland/Grieben. Ab 1. März wird die Fähre Ferchland-Grieben zu eingeschränkten Zeiten wieder verkehren. Nach Rückgang des Hochwassers war der Fährbetrieb nicht wieder aufgenommen worden, denn der Fähreigner hatte inzwischen sein Gewerbe abgemeldet und ist in Insolvenz gegangen. Seit einigen Tagen ist deshalb auf der Internetseite der Gemeinde Elbe-Parey zu lesen: "Die Elbfähre steht zum Verkauf!"

Die Gerüchteküche brodelte längst und die Sorge machte sich breit: Bedeutet das jetzt das Ende der vor über zwölf Jahren nach großen Bemühungen auf beiden Seiten der Elbe wiedereingerichteten Fährverbindung? So manche Hürde wurde in den zurückliegenden Jahren schon gemeistert, sei es wegen der desolaten Fähranleger, die neu gebaut werden mussten, oder mit dem Fährbetrieb selbst. Die Fähre war zunächst von der QSG Genthin betrieben worden und wurde dann privatisiert. Von den anfänglich zwei Eignern der Wagus GbR blieb bis zuletzt nur Dietmar Wagner im Geschäft.

In der Ferchländer Gemeinderatssitzung am Dienstag- abend fragte Ingo Tiesler aus Ferchland, was denn nun mit der Fähre sei. Er erinnerte daran, dass viele Fördermittel in die Wiedereinrichtung der Fährverbindung geflossen sind, und dass auch die neue Saison vor der Tür steht, wo wieder viele Radfahrer und andere Urlauber die Fähre nutzen möchten.

"Wir wollten die Fähre und wollen sie immer noch", ließ Bürgermeisterin Jutta Mannewitz keinen Zweifel daran, dass alles dafür getan werde, die Fährverbindung zu erhalten. Wenige Stunden zuvor, am Dienstagnachmittag, hatte es im Elbe-Pareyer Gemeindeamt ein Treffen mit den Landräten und Vertretern der Anliegergemeinden von beiden Elbseiten gegeben. Alle waren ganz kurzfristig der Einladung gefolgt, berichtete Jutta Mannewitz.

Zuvor hatte die Elbe-Pareyer Bürgermeisterin bereits mit Karl-Heinz Daehre, Minister für Landesentwicklung und Verkehr, gesprochen. "Er hatte uns aufgefordert, genaue Zahlen zu schicken, was wir auch getan haben. Es wird nun geprüft, inwieweit das Land hier finanziell helfen kann." Die Fährrechte sind auf Elbe-Pareyer Seite, deshalb liege hier auch die Verantwortung, erklärte die Jutta Mannewitz. Und dieser Verantwortung wolle man sich auch stellen.

Meinungen, der Fährbetrieb sei von vornherein ein Minusgeschäft, weist sie vehement zurück. Aufgrund der vorliegenden Zahlen aus den zurückliegenden Jahren könne sie mit Bestimmtheit sagen, dass bis 2008 alles sehr gut lief. Dietmar Wagner habe aus persönlichen Gründen sein Gewerbe aufgegeben. Die langen Stillstandszeiten der vergangenen Monate aufgrund von Eis und Hochwasser waren sicher der letzte Anstoß.

Wenn auch das Verkaufsangebot nun ins Internet gestellt wurde und auch darüber hinaus Bemühungen liefen und noch laufen, einen Käufer zu finden - so schnell wird es nicht gehen. Am Mittwoch Vormittag wurde im Elbe-Pareyer Gemeindeamt unter Hochdruck daran gearbeitet, eine Lösung zu finden, die eine zügige Wiederauf- nahme des Fährbetriebs ermöglicht.

Kurz vor Mittag war eine zumindest vorläufige Lösung gefunden: Die Fähre werde erstmal in Regie der Gemeinde Elbe-Parey weiter betrieben, und es seien zunächst zwei Fährleute gefunden worden, die sie fahren, teilte Jutta Mannewitz das Ergebnis der Bemühungen mit. Die Fährzeiten sind vorerst etwas eingeschränkt worden, wobei versucht wurde, diese an den Hauptzeiten des Bedarfs auszurichten. Wochentags sind es derzeit überwiegend Berufspendler, die sie nutzen, doch mit Frühlingsbeginn werden es zunehmend auch wieder Radfahrer und andere Touristen sein.

"Die Fährzeiten können bei Bedarf angepasst werden", betonte Jutta Mannewitz. Dazu würden aber weitere Fährleute gesucht. Unabhängig davon stehe nach wie vor das Verkaufsangebot. Gerüchten, dass es erheblichen Reparaturbedarf an der Fähre gebe, hält die Bürgermeisterin entgegen, dass die Fähre noch bis 2012 TÜV habe. Von einer Werft habe sich die Gemeinde eine Aufstellung der Kosten, die im ungünstigsten Fall auf einen neuen Inhaber zukommen könnten, anfertigen lassen. Jedoch werde keineswegs davon ausgegangen, dass dieser Fall kurzfristig eintritt.