#NULL#Elbe-Havel-Land. Statt wie letztes Jahr 120 Ein-Euro-Jobs wird es dieses Jahr im Elbe-Havel-Land weitaus weniger geben. 70 hat das Jobcenter für die verschiedenen Bereiche (Jugendklubs, Seniorenbetreuung, Museen, Vereine ...) ab März in Aussicht gestellt. Mit einer Einschränkung: Kein Einsatz mehr in den Kindergärten. "Dabei werden sie hier so dringend gebraucht!" erklärte Gisela Lemme, Leiterin im Schollener Waldzwergehaus, dem Verbandsbürgermeister Bernd Witt. Sechs Frauen, deren Zeit im April/Mai endet, sind es gegenwärtig, die in allen sechs Tagesstätten eingesetzt sind.

In Schollene ist es Ilona Kersten, deren einjährige Beschäftigungszeit sich dem Ende zuneigt. "Auf diese zusätzliche Kraft können wir nicht verzichten! Es sind 1000 Kleinigkeiten, bei denen uns die Ein-Euro-Jobberinnen helfen. Gerade in Sachsen-Anhalt ist der Betreuungsschlüssel so schlecht. Eine Erzieherin muss sich um sechs Krippenkinder kümmern. Bei Kleinkindern, die teilweise noch nicht mal laufen können, ist jede Hand, die beim Anziehen, Windeln oder Füttern helfen kann, ganz wichtig. Bei den größeren Kindern ist das nicht viel anders. Man kann viel individueller auf die Kinder eingehen. Bei Festen und Feiern ist so viel Arbeit, die Schlafliegen müssen aufgestellt und wieder zusammengeräumt werden, und und und ... Hier bei uns in Schollene kommen noch die schwierigen baulichen Bedingungen dazu, weil sich die Toiletten im Keller befinden und die Kleinen immer in Begleitung eines Erwachsenen die Treppen herunter laufen müssen. Statt gar keiner Kraft mehr könnten wir sogar eine zweite gebrauchen!"

Warum gerade die Stellen in den Kindergärten nicht wieder neu besetzt werden sollen, kann auch Bernd Witt nicht verstehen. "Im Jobcenter fiel die Äußerung, dass Ein-Euro-Jobber für Reinigungsarbeiten eingesetzt wurden, für die sie nicht eingesetzt sind. Konkrete Fälle wurden aber nicht angesprochen. Und mir ist aus unseren Einrichtungen auch nichts bekannt." Er wolle sich stark machen dafür, dass auch für diesen Bereich wieder Arbeitslose eingesetzt werden sollen, "notfalls würde ich auch bei anderen Bereichen Abstriche machen. Aber darauf habe ich leider keinen Einfluss". Auf jeden Fall wolle er mit dem Landrat darüber sprechen und auch im Jobcenter um ein Umdenken bitten. "Ich weiß, wie knapp besetzt die Kindereinrichtungen sind. Mit den beiden neu eingesetzten Springern haben wir die Situation jetzt halbwegs im Griff. Und wir weisen auch keinen Antrag auf Praktikum ab, acht Anfragen liegen aktuell im Amt vor und werden auch positiv beantwortet, da wir diese Hilfe gut gebrauchen können." In Schollene absolviert Sandra Klaus, die Sozialassistentin werden möchte, gerade ein vierwöchiges Praktikum. Ilona Kersten macht die Arbeit im Waldzwergehaus Spaß. Zuvor war sie sieben Jahre Erziehungshelferin in Billberge.

Gisela Lemme und auch die anderen Leiterinnen der Kindergärten im Elbe-Havel-Land hoffen, dass das Jobcenter seine Entscheidung noch einmal überdenkt und die Erzieherinnen weiterhin bei ihrer tagtäglichen Arbeit unterstützt werden.