110 Jahre prägte dieses Gebäude das Stadtbild. Jetzt wird der Altbau des Evangelisches Seniorenzentrums abgerissen. Die Volksstimme hat Havelberger zu diesem Thema befragt.

Von Nelly Simon

Havelberg. Vergangenen Freitag wurde bekannt, dass das Haus an der Ecke Semmelweisstraße/Neustädter Straße abgerissen wird. Es ist ein Gebäude mit langer Vergangenheit. Im Jahr 1901 erbaut, diente es unter anderem als Krankenhaus und zum Schluss als Altenpflegeheim der Inneren Mission. Die vergangenen Jahre stand es allerdings leer und wurde nun vom Immobilienbesitzer, dem Landesausschuss für Innere Mission, wegen Baufälligkeit und Unwirtschaftlichkeit zum Abriss freigegeben.

Bei einer Umfrage der Volksstimme unter Havelbergern waren sich alle Befragten einig: Damit geht für die Stadt ein sehr wichtiges, historisches Gebäude verloren.

"Ich finde es wirklich schade. Es war ein schönes Haus, das zu Havelberg dazu gehörte", so Ursula Bonzol. Auch Marlies Sackewitz ist traurig über den Abriss. "Ich war ziemlich schockiert, als ich davon erfuhr. Ich kann mir die Ecke ohne dieses Schmuckstück nicht vorstellen." Sie selbst hat, wie viele andere Einwohner der Domstadt, persönliche Erinnerungen an das Gebäude. "Meine Tochter lag darin, als es noch ein Krankenhaus war."

"Man hätte das Haus sicher noch nutzen können"

Marlies Sackewitz erzählt, dass der Abriss ein großes Gesprächsthema unter den Einwohnern ist. Viele seien der Meinung, es hätte verhindert werden müssen. "Es wird gerade ständig darüber diskutiert. Die meisten können die Entscheidung, dass das Haus wegkommen soll, nicht nachvollziehen."

Zu denen gehört auch Ursula Senf. "Es gibt genug andere Häuser, die viel mehr zerfallen sind, und die bleiben stehen oder werden neu saniert. Das Gebäude sah doch noch gut aus. Man hätte es sicher noch nutzen können. Zum Beispiel als Jugendherberge oder Jugendklub." Sie ist der Meinung, dass der Altbau des Evangelischen Seniorenzentrums eines der wenigen alten schönen Häuser in der Domstadt ist. Ursula Senf: "Havelberg ist doch eine Altstadt. Und genau solche Häuser machen unser Stadtbild aus."

Der selben Ansicht ist der Havelberger Horst Neumann. "So ein Haus findet man selten", sagt er und fügt hinzu: "Man hätte es auch als Pflegeheim nutzen können oder ein paar Notbetten darin aufstellen können."

Auch Edeltraud Weland denkt, dass dieses Haus nicht weg kommen darf "Für mein Auge sah es nicht baufällig aus. Man hätte sicher mit ein bisschen Aufwand etwas Schönes daraus machen können." Sie verbindet mit dem Gebäude ebenfalls eine persönliche Geschichte. "Als Kind hatte ich Gelbsucht und wurde dort gesund gepflegt", erinnert sie sich. Sie hätte sich gewünscht, dass aus dem Gebäude eine Begegnungsstätte geworden wäre. Mit dem Verlust des Gebäudes, sagt sie, verliert Havelberg nicht nur eines seiner schönen Häuser, sondern auch ein Stückchen Geschichte.

   

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